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Parasiten18.2.2026

Giardien beim Hund – Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Was sind Giardien?

Giardien (Giardia intestinalis) sind einzellige Parasiten, die sich im Dünndarm von Hunden – und auch von Katzen, Menschen und vielen anderen Säugetieren – ansiedeln. Sie gehören zu den häufigsten Darmparasiten bei Hunden und sind besonders bei Welpen und jungen Hunden weit verbreitet. In Hundepensionen und Tierheimen sind Giardien nahezu allgegenwärtig.

Die Parasiten existieren in zwei Formen:

  • Trophozoiten: Die aktive Form, die sich im Dünndarm vermehrt und die Darmschleimhaut schädigt
  • Zysten: Die widerstandsfähige Dauerform, die mit dem Kot ausgeschieden wird und in der Umwelt wochenlang überleben kann

Besonders tückisch: Ein infizierter Hund scheidet mit jedem Stuhlgang Millionen von Zysten aus, und bereits 10 Zysten reichen für eine Neuinfektion!

Wie stecken sich Hunde an?

Die Ansteckung erfolgt über die fäkal-orale Route – also durch Aufnahme von Zysten über:

  • Kontaminiertes Wasser: Pfützen, Teiche, Bäche und sogar nicht ausreichend aufbereitetes Leitungswasser
  • Kontaminierter Kot: Schnüffeln oder Kontakt mit infiziertem Hundekot
  • Kontaminierte Oberflächen: Böden, Spielzeug, Futternäpfe, Hundedecken
  • Fellpflege: Hunde, die sich gegenseitig belecken oder sich selbst im Analbereich putzen
  • Kontaminiertes Futter: Selten, aber möglich

Giardien-Zysten sind extrem widerstandsfähig und überleben in feuchter Umgebung bis zu drei Monate. Sie werden durch die meisten handelsüblichen Reinigungsmittel nicht zuverlässig abgetötet.

Symptome einer Giardien-Infektion

Nicht jeder infizierte Hund zeigt Symptome. Manche Hunde tragen Giardien in sich, ohne jemals krank zu werden. Besonders Welpen, Junghunde und immungeschwächte Tiere entwickeln jedoch deutliche Beschwerden:

Typische Symptome

  • Wiederkehrender Durchfall: Das Leitsymptom! Oft wechseln sich Durchfall-Phasen mit normalen Phasen ab.
  • Schleimiger Kot: Der Stuhl ist häufig schleimig, gelblich und hat einen auffällig unangenehmen Geruch.
  • Fettig glänzender Stuhl: Giardien stören die Fettverdauung, was zu einem typisch fettigen, glänzenden Stuhl führt.
  • Blähungen: Starke, übelriechende Blähungen
  • Bauchkrämpfe: Der Hund zeigt Unwohlsein, angespannten Bauch
  • Gewichtsverlust: Trotz normalem Appetit nehmen manche Hunde ab
  • Wachstumsstörungen: Bei Welpen kann eine chronische Giardien-Infektion das Wachstum beeinträchtigen

Wann Giardien vermuten?

Denke an Giardien, wenn:

  • Dein Hund wiederholt Durchfall hat, der trotz Behandlung immer wiederkommt
  • Der Durchfall schleimig und übelriechend ist
  • Ein Welpe trotz guter Fütterung nicht richtig zunimmt
  • Der Hund aus dem Tierschutz oder einer Hundepension kommt

Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose von Giardien erfordert spezielle Tests, da die Zysten nicht in jeder Stuhlprobe zu finden sind:

Sammelkotprobe über 3 Tage

Da Giardien nicht kontinuierlich, sondern intermittierend ausgeschieden werden, ist eine einzelne Kotprobe nicht zuverlässig. Sammle über drei aufeinanderfolgende Tage Kot und bringe alles zum Tierarzt.

Testmethoden

  • SNAP-Test (ELISA-Schnelltest): Liefert innerhalb von Minuten ein Ergebnis. Sehr zuverlässig bei aktiver Infektion, kann aber auch nach der Behandlung noch positiv sein.
  • Flotationsverfahren: Mikroskopische Untersuchung des Kots auf Zysten.
  • PCR-Test: Der genaueste Test, weist Giardien-DNA nach. Sinnvoll bei unklaren Fällen.

Wichtig: Ein einzelner negativer Test schließt Giardien nicht sicher aus! Bei Verdacht sollte die Untersuchung wiederholt werden.

Behandlung von Giardien beim Hund

Die Behandlung einer Giardien-Infektion erfordert Geduld und Konsequenz. Medikamente allein reichen nicht – ohne begleitende Hygienemaßnahmen kommt es fast immer zum Rückfall.

Medikamentöse Behandlung

Dein Tierarzt wird in der Regel eines der folgenden Medikamente verschreiben:

Fenbendazol (Panacur):

  • Dosierung: 50 mg/kg Körpergewicht, einmal täglich
  • Dauer: 3-5 Tage, oft zwei Behandlungszyklen mit 2-3 Tagen Pause
  • Gut verträglich, auch für Welpen und trächtige Hündinnen geeignet
  • Wird häufig als Ersttherapie eingesetzt

Metronidazol:

  • Dosierung: 25 mg/kg Körpergewicht, zweimal täglich
  • Dauer: 5-7 Tage
  • Wirkt auch gegen Bakterien, kann den Magen-Darm-Trakt beruhigen
  • Nebenwirkungen: Appetitlosigkeit, Erbrechen (selten)
  • Nicht für trächtige oder laktierende Hündinnen

In hartnäckigen Fällen wird oft eine Kombinationstherapie aus beiden Wirkstoffen eingesetzt.

Begleitende Hygienemaßnahmen – UNVERZICHTBAR!

Ohne konsequente Hygiene reinfiziert sich dein Hund immer wieder. Folgende Maßnahmen sind während der gesamten Behandlungsdauer durchzuführen:

Täglich:

  • Kot sofort aufsammeln und entsorgen (Plastiktüte, verschlossen in den Restmüll)
  • Futternäpfe und Wassernäpfe heiß abwaschen (über 65 °C) oder in den Geschirrspüler
  • Schlafplatz reinigen

Regelmäßig:

  • Decken und Kissen bei mindestens 65 °C waschen
  • Böden mit Dampfreiniger reinigen (Giardien-Zysten werden ab 65 °C abgetötet)
  • Spielzeug heiß abwaschen oder 10 Minuten in kochendes Wasser legen
  • Hundeleinen und Halsbänder waschen

Besonders wichtig:

  • Po-Bereich des Hundes abwaschen: Nach jedem Stuhlgang den Analbereich mit warmem Wasser und ggf. Hundeshampoo reinigen. So verhinderst du, dass Zysten im Fell kleben bleiben und beim Putzen wieder aufgenommen werden.
  • Desinfektionsmittel: Handelsübliche Desinfektionsmittel wirken NICHT gegen Giardien! Verwende spezielle Mittel auf Basis von quaternären Ammoniumverbindungen oder Kresolen. Alternativ: Dampfreiniger (Hitze ist am zuverlässigsten).

Ernährung während der Behandlung

Die richtige Ernährung unterstützt die Behandlung:

  • Kohlenhydratarmes Futter: Giardien ernähren sich von Kohlenhydraten, besonders Zucker. Reduziere Getreide und Kohlenhydrate im Futter.
  • Hoher Proteinanteil: Hochwertiges Protein aus Fleisch unterstützt die Darmregeneration.
  • Probiotika: Stärken die Darmflora und helfen, Giardien zu verdrängen.
  • Kokosöl: Enthält mittelkettige Fettsäuren mit antiparasitärer Wirkung. 1 TL pro 10 kg Körpergewicht über das Futter geben.

Kontrolle nach der Behandlung

Nach Abschluss der Behandlung sollte eine Kontrolluntersuchung erfolgen:

  • Frühestens 5-7 Tage nach der letzten Medikamentengabe
  • Wieder als Sammelkotprobe über 3 Tage
  • Am besten per Flotationsverfahren (SNAP-Tests können noch Wochen positiv bleiben)
  • Bei positivem Ergebnis: zweiten Behandlungszyklus starten

Giardien und Menschen – ist das ansteckend?

Ja, Giardien sind Zoonosen – sie können von Tieren auf Menschen übertragen werden. Allerdings spielen bei der Übertragung auf Menschen andere Genotypen (Assemblages) eine Rolle. Hunde tragen meist Assemblage C und D, Menschen infizieren sich häufiger mit A und B.

Trotzdem solltest du während der Behandlung deines Hundes folgende Vorsichtsmaßnahmen treffen:

  • Gründliches Händewaschen nach jedem Hundekontakt
  • Kot sofort aufsammeln
  • Kinder sollten den infizierten Hund nicht im Gesicht ablecken lassen
  • Immungeschwächte Personen besonders vorsichtig

Vorbeugung

  • Kein Trinken aus Pfützen oder stehenden Gewässern – nimm auf Spaziergängen frisches Wasser mit
  • Hundekot sofort aufsammeln – auch im eigenen Garten
  • Regelmäßige Kotuntersuchungen – 2-3 Mal pro Jahr
  • Hygiene in Mehrhundehalten – alle Hunde gleichzeitig behandeln
  • Gute Immunabwehr – hochwertiges Futter und regelmäßige Bewegung

Zusammenfassung

Giardien beim Hund sind lästig, aber behandelbar. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kombination aus medikamentöser Behandlung und konsequenter Hygiene. Ohne Hygiene kommen Giardien fast immer wieder. Hab Geduld – manchmal braucht es zwei oder drei Behandlungszyklen, bis die Parasiten endgültig besiegt sind.