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Hund – Gesundheit18.2.2026

Spondylose beim Hund – Symptome, Diagnose und Therapie

Was ist Spondylose?

Spondylose – medizinisch Spondylosis deformans – ist eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule, bei der sich knöcherne Zubildungen (Spondylophyten) an den Rändern der Wirbelkörper bilden. Diese knöchernen Spangen wachsen von einem Wirbelkörper zum nächsten und können im Laufe der Zeit eine Brücke zwischen benachbarten Wirbeln bilden. Im Endstadium können die Wirbel sogar miteinander verwachsen.

Spondylose gehört zu den häufigsten Wirbelsäulenerkrankungen beim Hund und wird bei vielen Hunden als Zufallsbefund auf Röntgenbildern entdeckt, ohne dass sie Beschwerden verursacht.

Wie häufig ist Spondylose?

  • Etwa 70 % aller Hunde über 9 Jahre zeigen radiologische Zeichen von Spondylose
  • Viele Hunde sind symptomfrei – die Veränderungen sind ein Röntgenbefund, nicht automatisch eine Krankheit
  • Bestimmte Rassen und Lebensstile erhöhen das Risiko

Welche Wirbelsäulenabschnitte sind betroffen?

Die Spondylose tritt bevorzugt an den Stellen der Wirbelsäule auf, die der größten mechanischen Belastung ausgesetzt sind:

  • Brust-Lenden-Übergang (am häufigsten)
  • Lendenwirbelsäule
  • Lenden-Kreuzbein-Übergang
  • Brustwirbelsäule (seltener)

Ursachen und Risikofaktoren

Warum entsteht Spondylose?

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber es handelt sich um einen degenerativen Prozess: Die Bandscheiben zwischen den Wirbeln verlieren mit zunehmendem Alter an Elastizität und Höhe. Die Wirbelsäule wird dadurch instabiler, und der Körper reagiert, indem er knöcherne Zubildungen bildet, um die Wirbelsäule zu stabilisieren – ähnlich wie bei Arthrose an anderen Gelenken.

Risikofaktoren

  • Alter: Der wichtigste Faktor – Spondylose nimmt mit dem Alter zu
  • Große und schwere Rassen: Boxer (besonders häufig!), Deutscher Schäferhund, Dobermann, Deutsche Dogge, Rottweiler
  • Übergewicht: Zusätzliche Belastung der Wirbelsäule
  • Starke körperliche Belastung: Arbeitshunde, Sporthunde, Hunde mit intensivem Springtraining
  • Genetische Veranlagung: Besonders beim Boxer wurde eine genetische Komponente nachgewiesen
  • Vorangegangene Wirbelsäulenverletzungen oder -operationen

Symptome – hat mein Hund Beschwerden?

Viele Hunde sind symptomfrei

Das ist der wichtigste Punkt: Spondylose auf dem Röntgenbild bedeutet NICHT automatisch Schmerzen oder Einschränkungen. Viele Hunde leben mit ausgeprägter Spondylose, ohne jemals Symptome zu zeigen. Die Verknöcherungen sind oft ein Zufallsbefund.

Mögliche Symptome

Wenn Symptome auftreten, zeigen sie sich oft schleichend:

  • Steifer Rücken: Der Hund bewegt sich weniger geschmeidig, der Rücken wirkt steif
  • Anlaufschmerz: Schwieriges Aufstehen nach dem Liegen, das sich mit Bewegung bessert
  • Bewegungsunlust: Der Hund möchte nicht mehr so weit laufen oder verweigert Treppen
  • Empfindlichkeit bei Berührung: Der Hund zuckt zusammen oder reagiert schmerzempfindlich, wenn man über den Rücken streicht
  • Verminderte Biegsamkeit: Der Hund dreht sich nicht mehr so leicht, kann sich schlechter putzen
  • Aufgekrümmter Rücken (Kyphose): In manchen Fällen bildet sich eine sichtbare Aufwölbung
  • Wetterfühligkeit: Verschlechterung bei Kälte und Nässe

Wann wird Spondylose zum Problem?

Spondylose wird klinisch relevant, wenn:

  • Spondylophyten auf Nervenwurzeln drücken: Dies verursacht starke Schmerzen, die in die Beine ausstrahlen können. Der Hund humpelt, zeigt Schwäche in den Hinterbeinen oder hat Koordinationsprobleme.
  • Eine Knochenbrücke bricht: Während des Wachstums der Spondylophyten können diese instabilen Strukturen brechen – das ist akut schmerzhaft.
  • Bewegungseinschränkung: Wenn die Wirbel verwachsen, verliert die Wirbelsäule an Flexibilität.

Diagnose

Röntgen

Die Diagnose erfolgt primär über Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule:

  • Spondylophyten sind auf Röntgenbildern gut sichtbar als knöcherne Vorsprünge an den Wirbelkörperkanten
  • Der Schweregrad wird anhand der Größe der Zubildungen und dem Vorhandensein von Brückenbildungen beurteilt

Einteilung nach Schweregrad

GradBeschreibung
Grad 1Kleine Osteophyten (Knochenvorsprünge) am Wirbelrand
Grad 2Größere Osteophyten, die in Richtung des nächsten Wirbels wachsen
Grad 3Spondylophyten bilden fast eine Brücke zwischen den Wirbeln
Grad 4Vollständige Knochenbrücke – die Wirbel sind miteinander verwachsen

Weitere Diagnostik

  • CT oder MRT: Bei neurologischen Symptomen (Schwäche, Koordinationsprobleme) – zeigt, ob Spondylophyten auf Nerven drücken
  • Neurologische Untersuchung: Reflexe, Tiefensensibilität, Gangbild

Behandlung

Grundsatz: Behandle den Hund, nicht das Röntgenbild!

Wenn dein Hund Spondylose auf dem Röntgenbild hat, aber keinerlei Symptome zeigt, ist keine Behandlung nötig. Übertherapie kann mehr schaden als nutzen.

Bei Schmerzen und Symptomen

Schmerzmanagement:

  • NSAID (Meloxicam, Carprofen, Firocoxib): Entzündungshemmend und schmerzlindernd
  • Librela (Bedinvetmab): Monoklonaler Antikörper, monatliche Injektion – auch bei Spondylose-Schmerzen wirksam
  • Metamizol (Novalgin): Bei akuten Schmerzschüben
  • Gabapentin: Bei nervenbedingten Schmerzen (Nervenwurzelkompression)
  • Tramadol: Bei starken Schmerzen als Zusatzmedikation

Physiotherapie:

  • Wärmetherapie: Rotlicht, Wärmflasche, beheizte Decke – Wärme entspannt die Muskulatur und lindert Schmerzen
  • Massage: Lockert verspannte Rückenmuskeln
  • Unterwasserlaufband: Gelenkschonender Muskelaufbau, die Wärme des Wassers hilft zusätzlich
  • Passive Bewegungsübungen: Erhalt der Beweglichkeit
  • Akupunktur: Kann bei manchen Hunden die Schmerzen deutlich lindern

Weitere Therapien:

  • Goldakupunktur/Goldimplantation: Umstrittene, aber von manchen Tierärzten und Besitzern als hilfreich beschriebene Methode – winzige Goldstücke werden an Akupunkturpunkten implantiert
  • Stoßwellentherapie: Kann bei Schmerzpunkten helfen
  • Blutegeltherapie: Alternativmedizinisch eingesetzt, die Blutegel setzen schmerzlindernde und entzündungshemmende Substanzen frei

Nahrungsergänzung

  • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA): Entzündungshemmend – Fischöl oder Algenöl
  • Grünlippmuschel: Natürliche Entzündungshemmer und Gelenkbausteine
  • Kurkuma (Curcumin): Entzündungshemmend, mit schwarzem Pfeffer und Öl für bessere Aufnahme
  • Vitamin E: Antioxidans, schützt die Zellen
  • Teufelskralle: Traditionelles pflanzliches Schmerzmittel

Den Alltag erleichtern

Umgebungsanpassungen

  • Orthopädisches Hundebett: Memory-Foam-Matratze, die sich an den Körper anpasst und die Wirbelsäule entlastet
  • Warmer Schlafplatz: Kein kalter Boden, keine Zugluft – Kälte verschlimmert die Symptome
  • Rampen: Für Auto, Sofa oder Bett – Springen belastet die Wirbelsäule
  • Rutschfeste Böden: Teppiche oder Gummimatten auf Fliesen und Parkett
  • Erhöhter Futternapf: Entlastet den Rücken beim Fressen

Bewegung anpassen

  • Regelmäßig, aber moderat: Mehrere kurze Spaziergänge statt eines langen
  • Gleichmäßig laufen: Auf weichen Untergründen wenn möglich
  • Schwimmen: Hervorragend – entlastet die Wirbelsäule komplett
  • Keine abrupten Bewegungen: Kein Stöckchen werfen mit abruptem Abbremsen
  • Aufwärmen: Langsam losgehen statt direkt losrennen
  • Treppensteigen minimieren: Wenn möglich, den Hund tragen oder eine Rampe anbieten

Gewichtsmanagement

Übergewicht ist Gift für eine Wirbelsäule mit Spondylose! Jedes Kilo weniger bedeutet weniger Belastung für Wirbel und Bandscheiben.

Prognose

Die Prognose bei Spondylose ist in den meisten Fällen gut:

  • Viele Hunde leben symptomfrei trotz Spondylose
  • Mit angepasstem Schmerzmanagement und Physiotherapie können die meisten betroffenen Hunde ein gutes Leben führen
  • Paradoxerweise kann Grad 4 (vollständige Verknöcherung) schmerzfrei sein – wenn die Wirbel stabil verwachsen sind, gibt es keine Instabilität und keinen Schmerz mehr
  • Die schmerzhafteste Phase ist oft der Übergang von Grad 2 zu Grad 3, wenn die Knochenbrücken noch instabil sind

Zusammenfassung

Spondylose ist eine häufige Alterserscheinung der Wirbelsäule, die viele Hunde betrifft, aber nicht alle belastet. Wenn dein Hund Spondylose hat und keine Symptome zeigt, ist keine Behandlung nötig. Bei Schmerzen oder Steifheit stehen viele Therapieoptionen zur Verfügung: Schmerzmedikamente, Physiotherapie, Wärmebehandlung und Nahrungsergänzung. Passe die Umgebung und Bewegung deines Hundes an und halte sein Gewicht im Normalbereich. Mit der richtigen Betreuung können die meisten Hunde mit Spondylose ein aktives und schmerzarmes Leben führen.