Zurück zum Ratgeber
⚠️
Katze – Gesundheit18.2.2026

Katzenseuche (Panleukopenie) – Symptome, Impfung und Behandlung

Was ist Katzenseuche?

Die Katzenseuche – medizinisch Feline Panleukopenie oder Feline Parvovirose – ist eine hochansteckende und oft tödliche Viruserkrankung bei Katzen. Sie wird durch das Feline Parvovirus (FPV) verursacht, das eng mit dem Caninen Parvovirus des Hundes verwandt ist. Der Name „Panleukopenie" beschreibt das wichtigste Krankheitsmerkmal: „pan" (alle) + „leuko" (weiß, weiße Blutkörperchen) + „penie" (Mangel) – also einen dramatischen Abfall aller weißen Blutkörperchen. Ohne Behandlung sterben bis zu 90 Prozent der infizierten Kitten. Die Katzenseuche ist durch eine wirksame Impfung vermeidbar und gehört zu den wichtigsten Impfungen überhaupt.

Das Virus

Felines Parvovirus (FPV)

Das Feline Parvovirus ist extrem widerstandsfähig:

  • Überlebt monatelang in der Umgebung – auf Böden, Näpfen, Transportboxen, Kleidung und Schuhen.
  • Resistent gegen viele Desinfektionsmittel – nur spezielle viruzide Desinfektionsmittel (z. B. auf Natriumhypochlorit-Basis) sind wirksam.
  • Übersteht Hitze und Kälte – bis zu einem Jahr bei Raumtemperatur überlebensfähig.
  • Extrem geringe Infektionsdosis – wenige Viruspartikel reichen aus.

Übertragung

  • Direkter Kontakt: Von Katze zu Katze durch Kontakt mit Speichel, Nasensekret, Erbrochenem, Urin oder Kot.
  • Indirekte Übertragung: Über kontaminierte Gegenstände (Näpfe, Katzentoiletten, Decken, Transportboxen), Kleidung, Schuhe und Hände. Das ist der Grund, warum auch reine Wohnungskatzen ohne direkten Katzenkontakt infiziert werden können!
  • Intrauterin: Infizierte trächtige Katzen können das Virus auf die ungeborenen Kitten übertragen.

Welche Katzen sind besonders gefährdet?

  • Ungeimpfte Kitten ab 6 Wochen bis 5 Monate: Die mütterlichen Antikörper lassen nach, und der eigene Impfschutz ist noch nicht aufgebaut.
  • Ungeimpfte erwachsene Katzen: Auch adulte Katzen ohne Impfschutz können schwer erkranken.
  • Katzen aus Tierheimen und Zuchten: Hohe Katzendichte und Stress erhöhen das Risiko.
  • Immungeschwächte Katzen: Katzen mit FIV oder FeLV.

Symptome

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 7 Tage nach der Infektion.

Perakuter Verlauf (blitzartig)

Manche Kitten sterben innerhalb von 24 Stunden, bevor überhaupt Symptome sichtbar werden. Sie werden plötzlich schwach und sterben an Herzversagen oder septischem Schock. Diese Form tritt vor allem bei sehr jungen, ungeimpften Kitten auf.

Akuter Verlauf (häufigste Form)

  • Hohes Fieber: Oft 40 bis 41 °C und höher.
  • Appetitlosigkeit: Vollständige Futterverweigerung.
  • Extreme Mattigkeit: Die Kitten liegen nur noch da und reagieren kaum.
  • Erbrechen: Häufiges, heftiges Erbrechen – oft gelblich-gallig oder blutig.
  • Durchfall: Wässriger bis blutiger, übelriechender Durchfall.
  • Dehydration: Schneller Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen und Durchfall.
  • Bauchschmerzen: Die Katze kauert sich zusammen, der Bauch ist druckempfindlich.
  • Fieber gefolgt von Unterkühlung: Im fortgeschrittenen Stadium sinkt die Körpertemperatur – ein sehr schlechtes Zeichen.

Subklinischer Verlauf

Manche (meist erwachsene) Katzen zeigen nur milde oder gar keine Symptome und überstehen die Infektion unbemerkt. Sie scheiden aber trotzdem Virus aus.

Fetale Infektion

Wenn eine trächtige Katze infiziert wird, kann das Virus die Kitten im Mutterleib schädigen:

  • Abort oder Totgeburt
  • Zerebelläre Hypoplasie: Das Kleinhirn der Kitten entwickelt sich nicht richtig. Betroffene Kitten zeigen nach der Geburt typische Koordinationsstörungen (Ataxie, Kopfwackeln, breite Gangart). Dieser Zustand ist nicht fortschreitend und die Kitten können mit guter Pflege ein lebenswertes Leben führen.

Diagnose

Schnelltest

  • Kot-Antigen-Schnelltest (SNAP-Test): Ursprünglich für Parvo beim Hund entwickelt, funktioniert aber auch beim Felinen Parvovirus. Ergebnis in Minuten. Falsch negative Ergebnisse sind möglich, besonders in den ersten Krankheitstagen und bei sehr niedrigem Virusgehalt im Kot.

Blutuntersuchung

  • Blutbild: Dramatischer Abfall der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) – oft unter 2.000/µl (normal: 5.500-19.500/µl). Dies ist das Kennzeichen der Erkrankung.
  • Weitere Befunde: Dehydration, Elektrolytstörungen, Eiweiß- und Albuminverlust.

PCR

  • Kot-PCR: Der empfindlichste Test. Nachweis des Virusgenoms im Kot.

Wichtig: Frisch mit Lebendimpfstoff geimpfte Katzen können im Schnelltest und in der PCR kurzzeitig positiv testen (Impfvirus!). Der Tierarzt muss den Impfstatus berücksichtigen.

Behandlung

Es gibt kein antivirales Medikament gegen das Parvovirus. Die Behandlung ist rein unterstützend und zielt darauf ab, die Katze am Leben zu halten, bis ihr Immunsystem das Virus besiegt.

Stationäre Intensivbehandlung

  • Aggressive Infusionstherapie: Intravenöse Flüssigkeitsgabe – die wichtigste Maßnahme! Ausgleich von Dehydration, Elektrolyt- und Eiweißverlusten.
  • Anti-Erbrechen-Medikamente: Maropitant (Cerenia), Ondansetron.
  • Antibiotika: Gegen bakterielle Sekundärinfektionen, die durch die Zerstörung der Darmschleimhaut und die Immunschwäche begünstigt werden. Breitspektrum-Antibiotika wie Amoxicillin-Clavulansäure oder Metronidazol in Kombination mit Cephalosporinen.
  • Ernährungssonde: Frühzeitige enterale Ernährung unterstützt die Erholung der Darmschleimhaut.
  • Bluttransfusion oder Plasmatransfusion: Bei schwerer Anämie oder Eiweißmangel.
  • Schmerzmanagement: Bauchschmerzen sind erheblich und müssen behandelt werden.
  • Wärme: Hypotherme Katzen müssen gewärmt werden.

Prognose mit Behandlung

  • Ohne Behandlung: Sterblichkeitsrate bei Kitten bis zu 90 Prozent.
  • Mit intensiver Behandlung: Überlebensrate 50 bis 80 Prozent, je nach Schwere und Alter.
  • Prognostisch schlecht: Weiße Blutkörperchen unter 500/µl, Unterkühlung, schwere Blutungen, Sepsis.
  • Gutes Zeichen: Wenn die Katze die ersten 5 Tage übersteht und die Leukozyten wieder ansteigen, stehen die Chancen gut.

Impfung – der beste Schutz

Die Impfung gegen Katzenseuche ist eine der wirksamsten Impfungen in der Tiermedizin und wird als Core-Impfung für alle Katzen empfohlen.

Impfschema für Kitten

  • 8. Lebenswoche: Erste Impfung
  • 12. Lebenswoche: Zweite Impfung
  • 16. Lebenswoche: Dritte Impfung (wichtig, da mütterliche Antikörper manchmal bis zur 16. Woche die Impfung blockieren!)
  • 15. Lebensmonat: Auffrischung

Auffrischung bei erwachsenen Katzen

  • Alle 3 Jahre (gemäß aktuellen Leitlinien)
  • Ausnahme: In Risikosituationen (Tierheim, Zucht) jährlich

Impfstoffarten

  • Lebendimpfstoff (MLV): Erzeugt eine starke, langanhaltende Immunität. Nicht bei trächtigen Katzen oder immungeschwächten Tieren einsetzen!
  • Totimpfstoff: Sicherer bei trächtigen oder immungeschwächten Katzen, aber Immunantwort ist schwächer und kürzer.

Hygiene und Desinfektion

Da das Virus extrem widerstandsfähig ist, ist gründliche Desinfektion bei einem Katzenseuchefall essenziell:

  • Natriumhypochlorit (Bleiche) in einer Verdünnung von 1:32 ist das wirksamste Desinfektionsmittel gegen Parvoviren.
  • Alle Näpfe, Katzentoiletten, Transportboxen und waschbaren Textilien gründlich desinfizieren.
  • Nicht waschbare Gegenstände (Kratzbäume, Spielzeug) entsorgen.
  • Böden und Oberflächen mit Bleichlösung wischen (Kontaktzeit mindestens 10 Minuten).
  • Hände nach jedem Kontakt mit der erkrankten Katze gründlich waschen.
  • Vor der Aufnahme einer neuen, ungeimpften Katze in einen kontaminierten Haushalt mindestens 6 bis 12 Monate warten oder sicherstellen, dass die neue Katze vollständig geimpft ist.

Zusammenfassung

Katzenseuche ist eine hochansteckende, lebensbedrohliche Viruskrankheit, die vor allem ungeimpfte Kitten trifft. Die Symptome – hohes Fieber, schweres Erbrechen, blutiger Durchfall und dramatischer Abfall der weißen Blutkörperchen – sind schwerwiegend. Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit bei bis zu 90 Prozent. Mit intensiver stationärer Behandlung können jedoch viele Katzen überleben. Die Impfung ist der beste und wirksamste Schutz gegen Katzenseuche und sollte bei jeder Katze durchgeführt werden. Lass deine Katze impfen – es kann ihr Leben retten.