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Katze – Gesundheit18.2.2026

FIV bei Katzen – Katzenaids verstehen und damit leben

Was ist FIV?

Das Feline Immundefizienzvirus (FIV) – umgangssprachlich auch „Katzenaids" genannt – ist ein Virus, das das Immunsystem von Katzen angreift. Ähnlich wie HIV beim Menschen schwächt FIV die körpereigenen Abwehrkräfte über Jahre hinweg, sodass betroffene Katzen anfälliger für Infektionen und andere Krankheiten werden. Der Name „Katzenaids" klingt erschreckend, doch die Diagnose ist kein Todesurteil. Viele FIV-positive Katzen leben jahrelang symptomfrei und erreichen ein gutes Alter. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über FIV wissen musst.

Wichtig: FIV ist nicht auf Menschen oder Hunde übertragbar. Es befällt ausschließlich Katzen.

Wie wird FIV übertragen?

Hauptübertragungsweg: Bissverletzungen

FIV wird hauptsächlich durch tiefe Bisswunden übertragen, bei denen virushaltige Speichel direkt in die Blutbahn gelangt. Deshalb sind vor allem unkastrierte, freilaufende Kater betroffen, die in Revierkämpfe verwickelt werden.

Weitere Übertragungswege

  • Vom Muttertier auf Kitten: Eine Übertragung während der Trächtigkeit, Geburt oder über die Muttermilch ist möglich, aber relativ selten.
  • Sexueller Kontakt: Der Deckakt kann zur Übertragung führen.
  • Bluttransfusionen: Theoretisch möglich, wird durch Screening bei Spenderkatzen verhindert.

Wie wird FIV NICHT übertragen?

Normaler sozialer Kontakt zwischen Katzen – gemeinsames Fressen, Putzen, Schmusen, Teilen von Näpfen und Katzentoiletten – führt in der Regel nicht zur Übertragung. Das Virus ist außerhalb des Körpers sehr instabil und wird durch normale Reinigung und Desinfektion schnell inaktiviert.

Verlauf der FIV-Infektion

Die FIV-Infektion verläuft in mehreren Stadien:

1. Akutphase (Wochen bis Monate nach der Infektion)

  • Leichtes Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Milde Appetitlosigkeit
  • Vorübergehende Abgeschlagenheit
  • Manche Katzen zeigen keinerlei Symptome

Diese Phase wird oft übersehen, da die Symptome unspezifisch und mild sind.

2. Asymptomatische Phase (Monate bis viele Jahre)

Nach der Akutphase folgt eine lange symptomfreie Zeit. Die Katze wirkt völlig gesund, das Virus vermehrt sich aber langsam im Körper und schwächt das Immunsystem schrittweise. Diese Phase kann Jahre bis über ein Jahrzehnt dauern.

3. Symptomatische Phase

Wenn das Immunsystem ausreichend geschwächt ist, treten vermehrt Symptome und Sekundärinfektionen auf:

  • Chronische Mundschleimhautentzündungen (Stomatitis/Gingivitis): Eines der häufigsten Probleme bei FIV-Katzen. Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und schmerzhaft.
  • Wiederkehrende Infektionen: Häufige Erkältungen, Ohrinfektionen, Hautinfektionen, Harnwegsinfekte.
  • Gewichtsverlust: Schleichender Verlust an Körpermasse trotz normalem oder gesteigertem Appetit.
  • Durchfall: Chronischer Durchfall, der auf verschiedene Behandlungen nicht anspricht.
  • Augenerkrankungen: Chronische Bindehautentzündung, Uveitis.
  • Hautprobleme: Schlecht heilende Wunden, Pilzinfektionen, bakterielle Hautinfektionen.
  • Lymphknotenschwellungen: Dauerhaft vergrößerte Lymphknoten.
  • Tumorerkrankungen: FIV-positive Katzen haben ein erhöhtes Risiko für Lymphome und andere Tumoren.
  • Neurologische Symptome: Verhaltensänderungen, Desorientierung, Krampfanfälle (selten).

Diagnose

Schnelltest (ELISA/SNAP-Test)

Der gängigste Test ist ein Blutschnelltest, den dein Tierarzt in der Praxis durchführen kann. Das Ergebnis liegt in etwa 10 Minuten vor. Der Test weist Antikörper gegen FIV nach.

Einschränkungen:

  • Kitten unter 6 Monaten: Können mütterliche Antikörper tragen und falsch positiv testen. Ein erneuter Test nach dem 6. Lebensmonat ist notwendig.
  • Frische Infektion: Nach einer Neuinfektion dauert es 4 bis 8 Wochen, bis Antikörper nachweisbar sind.
  • Falsch positive Ergebnisse: Selten, aber möglich. Ein positives Ergebnis sollte durch einen Bestätigungstest (Western Blot oder PCR) abgesichert werden.

Bestätigungstest

  • Western Blot: Gilt als Referenzmethode zur Bestätigung eines positiven Schnelltests.
  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Weist das Virusgenom direkt nach. Nützlich bei unklaren Ergebnissen und bei Kitten.

Leben mit einer FIV-positiven Katze

Lebenserwartung

FIV-positive Katzen können bei guter Pflege und Haltung ein weitgehend normales Alter erreichen. Studien zeigen, dass viele FIV-positive Katzen 10 bis 15 Jahre und älter werden. Die Lebenserwartung hängt stark davon ab, wie gut das Immunsystem unterstützt wird und ob Sekundärinfektionen frühzeitig behandelt werden.

Haltungsempfehlungen

  • Wohnungshaltung: FIV-positive Katzen sollten als Wohnungskatzen gehalten werden – zum Schutz anderer Katzen und zum Schutz vor Infektionsquellen im Freien.
  • Stressreduktion: Stress schwächt das Immunsystem. Eine ruhige, strukturierte Umgebung ist ideal.
  • Hochwertiges Futter: Eine ausgewogene, hochwertige Ernährung unterstützt das Immunsystem. Rohfütterung (BARF) wird wegen des Infektionsrisikos nicht empfohlen.
  • Kein rohes Fleisch: Rohes Fleisch, Eier oder unpasteurisierte Milch bergen ein Keimrisiko, das FIV-positive Katzen schlechter abwehren können.
  • Regelmäßige Tierarztbesuche: Mindestens zweimal jährlich zur Kontrolle, mit Blutuntersuchung.

FIV-positive Katze und andere Katzen

Die größte Frage vieler Halter: Können FIV-positive und FIV-negative Katzen zusammenleben?

Ja, unter bestimmten Bedingungen:

  • Alle Katzen sind kastriert (reduziert Aggressionen und damit das Risiko von Bissverletzungen)
  • Die Katzen verstehen sich gut und kämpfen nicht
  • Es gibt keine heftigen Auseinandersetzungen

Bei friedlichem Zusammenleben ist das Übertragungsrisiko durch gemeinsame Näpfe, Katzentoiletten und soziales Putzen sehr gering. Wenn die Katzen jedoch regelmäßig ernsthaft kämpfen, sollten sie getrennt gehalten werden.

Impfungen bei FIV-positiven Katzen

Impfungen sind bei FIV-positiven Katzen ein wichtiges Thema. Es gelten folgende Empfehlungen:

  • Totimpfstoffe bevorzugen: FIV-positive Katzen sollten keine Lebendimpfstoffe erhalten, da ihr geschwächtes Immunsystem die abgeschwächten Erreger möglicherweise nicht kontrollieren kann.
  • Grundimpfungen aufrechterhalten: Insbesondere gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen.
  • Individuelle Risikoabwägung: Besprich mit deinem Tierarzt, welche Impfungen für deine Katze sinnvoll sind.

Behandlung

Es gibt keine Heilung für FIV. Die Behandlung konzentriert sich auf:

Unterstützung des Immunsystems

  • Hochwertiges Futter
  • Stressreduktion
  • Regelmäßige Gesundheitskontrollen

Behandlung von Sekundärinfektionen

  • Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
  • Antimykotika bei Pilzinfektionen
  • Entzündungshemmer bei Stomatitis/Gingivitis
  • Zahnextraktionen bei schwerer Mundschleimhautentzündung

Spezifische Therapien

  • Interferone: Felines Omega-Interferon kann das Immunsystem unterstützen und wird von manchen Tierärzten eingesetzt.
  • Antivirale Medikamente: Die Forschung an antiviralen Therapien (ähnlich den Erfolgen bei FIP) schreitet voran, ist aber noch nicht so weit wie bei FIP.

Vorbeugung

  • Kastration: Reduziert Revierkämpfe und damit das Übertragungsrisiko drastisch.
  • Wohnungshaltung: Eliminiert den Kontakt mit infizierten Freigängern.
  • Testen bei Neuaufnahme: Jede neue Katze sollte vor der Vergesellschaftung auf FIV getestet werden.
  • Impfung: Ein FIV-Impfstoff existiert in einigen Ländern, ist in Deutschland aber nicht verfügbar und umstritten (stört die Diagnostik).

Zusammenfassung

FIV ist eine chronische Viruserkrankung, die das Immunsystem von Katzen langsam schwächt. Trotz des erschreckenden Namens „Katzenaids" können betroffene Katzen bei guter Pflege viele Jahre symptomfrei und glücklich leben. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Bisswunden – normaler Sozialkontakt ist ungefährlich. Kastration und Wohnungshaltung sind die beste Vorbeugung. Wenn deine Katze FIV-positiv getestet wurde, ist das kein Grund zur Panik – es ist ein Grund, sie besonders gut zu versorgen und regelmäßig zum Tierarzt zu bringen.