Warum müssen Hundekrallen geschnitten werden?
In der Natur kürzen sich die Krallen von Wölfen und Wildhunden durch das ständige Laufen auf harten Untergründen von selbst ab. Unsere Haushunde bewegen sich aber oft auf weichen Böden – Wiese, Waldboden, Teppich – und laufen nicht genügend auf Asphalt oder Beton, um die Krallen natürlich abzunutzen. Die Folge: Die Krallen wachsen und wachsen.
Warum zu lange Krallen ein Problem sind
Zu lange Krallen sind nicht nur ein kosmetisches Problem – sie können deinem Hund ernsthaft schaden:
- Schmerzen beim Laufen: Wenn die Krallen den Boden berühren, werden die Zehen bei jedem Schritt nach oben gedrückt. Das verursacht Schmerzen und eine Fehlbelastung der Gelenke.
- Fehlhaltung: Der Hund verlagert sein Gewicht, um den Druck auf die Krallen zu vermeiden. Das kann zu Problemen in den Gelenken, Rücken und Schultern führen.
- Einwachsen: Krallen können sich in die Pfotenballen einrollen und einwachsen – extrem schmerzhaft!
- Abrissrisiko: Zu lange Krallen können an Gegenständen, Teppichen oder Gittern hängen bleiben und ein- oder abreißen.
- Gangveränderungen: Hunde mit zu langen Krallen rutschen auf glatten Böden leichter aus, besonders ältere Hunde mit Arthrose.
Woran erkennst du, dass die Krallen zu lang sind?
- Du hörst ein Klicken auf dem Boden, wenn dein Hund auf Fliesen oder Parkett läuft
- Die Krallen berühren den Boden, wenn der Hund steht
- Die Krallen biegen sich zur Seite oder nach unten
- Der Hund rutscht auf glatten Böden
- Die Wolfskralle (Daumenkralle an der Innenseite der Vorderpfote) wächst im Kreis
Faustregel: Wenn dein Hund steht, sollte zwischen den Krallen und dem Boden ein kleiner Spalt sein. Die Krallen sollten den Boden nicht berühren.
Das richtige Werkzeug
Krallenzange
- Der Klassiker und am weitesten verbreitet
- Zwei Typen: Guillotine-Zange (Kralle wird durch eine Öffnung gesteckt) und Scherenzange (wie eine Schere mit gebogenen Klingen)
- Empfehlung: Die Scherenzange ist für Anfänger einfacher und gibt mehr Kontrolle
- Achte auf scharfe Klingen – stumpfe Zangen quetschen die Kralle statt zu schneiden
Krallenschleifer (Dremel)
- Elektrisches Schleifgerät, das die Kralle Schicht für Schicht abträgt
- Vorteile: Geringeres Risiko, ins Leben zu schneiden; glatte Schnittkante; schrittweises Kürzen
- Nachteile: Gerätegeräusch und Vibration können den Hund beunruhigen; dauert länger
- Besonders gut geeignet für ängstliche Hunde oder Hunde mit schwarzen Krallen
Nagelfeile
- Zum Glätten nach dem Schneiden oder als alleiniges Werkzeug bei minimal zu langen Krallen
- Grobe Feile oder spezielle Krallenfeile für Hunde
Das „Leben" in der Kralle – warum es wichtig ist
In jeder Hundekralle verläuft ein Blutgefäß und ein Nerv – das sogenannte „Leben" (Pulpa). Wenn du in diesen Bereich schneidest, blutet die Kralle und es ist für den Hund schmerzhaft.
Bei hellen Krallen
Bei hellen oder durchsichtigen Krallen kannst du das Leben als rosa Bereich erkennen. Schneide immer ca. 2-3 mm vor dem rosa Bereich – also nur den durchsichtigen, weißlichen Teil.
Bei dunklen/schwarzen Krallen
Bei dunklen Krallen ist das Leben nicht sichtbar. Hier hilft:
- Schicht für Schicht schneiden: Schneide in kleinen Schritten (1-2 mm) ab
- Querschnitt beobachten: Anfangs ist die Schnittfläche trocken und hellgrau/weiß. Sobald du einen dunklen Punkt oder einen feuchten, rosafarbenen Kreis in der Mitte siehst, bist du am Leben angekommen – sofort aufhören!
- Krallenschleifer verwenden: Gibt mehr Kontrolle bei schwarzen Krallen
Wichtig: Das Leben wächst mit!
Wenn die Krallen sehr lang sind, wächst das Blutgefäß weiter in die Kralle hinein. Du kannst dann nicht sofort auf die gewünschte Länge kürzen. Stattdessen musst du alle 1-2 Wochen ein kleines Stück abschneiden. Das Blutgefäß zieht sich nach und nach zurück und du kannst die Krallen schrittweise auf die richtige Länge bringen. Dieser Prozess kann mehrere Wochen bis Monate dauern.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Vorbereitung
- Ruhige Umgebung – kein Stress, keine Hektik
- Werkzeug bereitlegen: Krallenzange oder -schleifer, Leckerlis, Blutstillungsmittel (Kaliumalaunstift oder Maisstärke für den Notfall)
- Gute Beleuchtung – du musst die Krallen gut sehen können
- Bequeme Position: Kleiner Hund auf dem Schoß oder Tisch, großer Hund am Boden, von einer zweiten Person gehalten
Schneiden
- Pfote festhalten: Nimm die Pfote sanft in die Hand und spreize die Zehen leicht
- Kralle identifizieren: Finde die Schnittstelle – 2-3 mm vor dem Leben (bei hellen Krallen) oder schneide bei dunklen Krallen nur die Spitze (1-2 mm)
- Schnittwinkel: Schneide in einem 45-Grad-Winkel von unten nach oben – so folgst du der natürlichen Krallenform
- Schneiden: Einen sauberen, zügigen Schnitt setzen – nicht langsam zusammendrücken
- Kontrollieren: Schau dir die Schnittfläche an – bei dunklen Krallen: Ist ein dunkler Punkt sichtbar? Wenn ja, stopp!
- Glätten: Mit einer Feile scharfe Kanten glätten
- Nächste Kralle: Wiederhole den Vorgang bei allen Krallen
- Wolfskralle nicht vergessen! Die Wolfskralle (Daumenkralle) an der Innenseite der Vorderpfote nutzt sich nie am Boden ab und muss immer geschnitten werden. Manche Hunde haben auch Wolfskrallen an den Hinterbeinen.
Wenn du ins Leben geschnitten hast
Keine Panik! Es passiert selbst erfahrenen Hundebesitzern:
- Ruhig bleiben – dein Stress überträgt sich auf den Hund
- Blutstillung: Drücke einen Kaliumalaunstift (Aluminiumblock) oder Maisstärke/Mehl auf die blutende Stelle und halte 1-2 Minuten Druck
- Sauber halten: Die Blutung stoppt in der Regel nach 5-10 Minuten
- Beruhigen und belohnen: Gib deinem Hund ein Leckerli und Zuwendung
- Beobachten: In den nächsten Tagen auf Entzündungszeichen achten
- Für nächstes Mal: Lieber zu wenig als zu viel abschneiden
Den Hund ans Krallenschneiden gewöhnen
Viele Hunde mögen es nicht, wenn man an ihren Pfoten hantiert. Eine schrittweise Gewöhnung ist der Schlüssel:
Für Welpen und junge Hunde
- Woche 1-2: Pfoten regelmäßig berühren und halten – belohnen
- Woche 3-4: Zehen spreizen und einzelne Krallen berühren – belohnen
- Woche 5-6: Krallenzange zeigen, an die Kralle halten (noch nicht schneiden) – belohnen
- Woche 7-8: Eine einzelne Kralle schneiden – belohnen, fertig für heute!
- Langsam steigern, bis alle Krallen in einer Sitzung geschnitten werden können
Für ängstliche Hunde
- Schneide nicht alle Krallen auf einmal – mache mehrere kurze Sitzungen über den Tag oder die Woche verteilt
- Krallenschleifer statt Zange – langsamer, aber weniger bedrohlich (nach Geräuschgewöhnung)
- Ablenkung: Eine zweite Person gibt Leckerlis oder Leberwurst aus einer Tube
- Während der Hund schläft oder sehr entspannt ist, vorsichtig eine Kralle kürzen
- Niemals zwingen oder festhalten – das verstärkt die Angst
Wie oft Krallen schneiden?
| Faktor | Häufigkeit |
|---|---|
| Viel Asphalt-Laufen | Selten (alle 6-8 Wochen kontrollieren) |
| Wenig Abnutzung | Alle 2-4 Wochen |
| Sehr lange Krallen | Wöchentlich kleine Stücke, bis Normallänge erreicht |
| Wolfskralle | Alle 4-6 Wochen (immer kontrollieren!) |
| Ältere, wenig aktive Hunde | Häufiger, da weniger Abnutzung |
Zusammenfassung
Regelmäßiges Krallenschneiden ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden deines Hundes. Zu lange Krallen verursachen Schmerzen, Fehlhaltungen und Verletzungsrisiken. Verwende eine scharfe Krallenzange oder einen Krallenschleifer, schneide immer nur ein kleines Stück und achte auf das „Leben" in der Kralle. Gewöhne deinen Hund schrittweise und mit vielen Leckerlis an die Prozedur. Im Zweifelsfall lass die Krallen beim Tierarzt oder Hundefriseur schneiden.