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Katze – Gesundheit18.2.2026

FIP bei Katzen – Symptome, Diagnose und neue Behandlungsmöglichkeiten

Was ist FIP?

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine der gefürchtetsten Katzenkrankheiten weltweit. Sie wird durch eine Mutation des Felinen Coronavirus (FCoV) verursacht und galt lange Zeit als unheilbar und tödlich. Doch in den letzten Jahren hat sich in der FIP-Forschung Bahnbrechendes getan – antivirale Medikamente zeigen erstaunliche Erfolge. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über FIP: Was die Krankheit auslöst, welche Symptome auftreten, wie die Diagnose gestellt wird und welche neuen Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Wie entsteht FIP?

Felines Coronavirus (FCoV) – der Ausgangspunkt

Die meisten Katzen, die in Mehrkatzenhaushalten, Zuchten oder Tierheimen leben, infizieren sich irgendwann mit dem Felinen Coronavirus (FCoV). Dieses Virus ist weit verbreitet – schätzungsweise 25 bis 40 Prozent aller Hauskatzen und bis zu 80 bis 90 Prozent aller Katzen in Mehrkatzenhaushalten tragen es. In der Regel verursacht FCoV nur milde Darmsymptome oder bleibt völlig symptomlos.

Die fatale Mutation

Das Problem entsteht, wenn das harmlose Coronavirus im Körper der Katze mutiert. Durch bestimmte genetische Veränderungen wird aus dem harmlosen Darm-Coronavirus ein aggressives, krankmachendes Virus – das FIP-Virus (FIPV). Diese Mutation erfolgt spontan im Körper der Katze und ist nicht vorhersagbar. Nur etwa 5 bis 10 Prozent aller FCoV-infizierten Katzen entwickeln tatsächlich FIP.

Risikofaktoren

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko einer FIP-Entwicklung:

  • Junges Alter: Die meisten FIP-Fälle treten bei Katzen unter 2 Jahren auf.
  • Geschwächtes Immunsystem: Stress, andere Erkrankungen oder FIV können das Immunsystem schwächen.
  • Mehrkatzenhaushalte: Hier ist die Viruslast höher, was das Mutationsrisiko steigert.
  • Bestimmte Rassen: Rassekatzen wie Perser, Birma, Bengale und Ragdoll scheinen häufiger betroffen zu sein.
  • Stress: Umzüge, Kastration oder die Aufnahme neuer Katzen können Auslöser sein.

Die zwei Formen von FIP

FIP tritt in zwei Hauptformen auf, wobei Mischformen häufig vorkommen.

Feuchte (effusive) FIP

Die feuchte Form ist die häufigere und auffälligere Variante. Charakteristisch ist die Ansammlung von eiweißreicher Flüssigkeit in Körperhöhlen:

  • Bauchwassersucht (Aszites): Der Bauch schwillt deutlich an und fühlt sich prall an. Die Katze sieht aus, als hätte sie einen „Birnenbauch".
  • Brusthöhlenerguss (Pleuraerguss): Flüssigkeit in der Brusthöhle führt zu Atemnot. Die Katze atmet schneller, flacher oder mit offenem Maul.
  • Fieber: Wiederkehrendes oder anhaltendes Fieber, das auf Antibiotika nicht anspricht.
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: Die Katze frisst weniger und verliert an Körpermasse.
  • Mattigkeit: Die Katze ist schlapp, zieht sich zurück und spielt nicht mehr.

Die feuchte Form schreitet meist schnell voran – ohne Behandlung sterben betroffene Katzen innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen.

Trockene (granulomatöse) FIP

Die trockene Form ist schwieriger zu erkennen, da keine sichtbaren Flüssigkeitsansammlungen auftreten. Stattdessen bilden sich entzündliche Knötchen (Granulome) in verschiedenen Organen:

  • Augenveränderungen: Uveitis (Regenbogenhautentzündung) mit Trübung, veränderten Pupillen, Rötung oder Blutungen im Auge. Manchmal sind Farbveränderungen der Iris sichtbar.
  • Neurologische Symptome: Anfälle, Orientierungslosigkeit, Kopfschiefhaltung, Zittern, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen – wenn das Nervensystem betroffen ist.
  • Nierenveränderungen: Vergrößerte, höckrige Nieren bei der Tastuntersuchung.
  • Leberveränderungen: Gelbsucht (Ikterus) mit gelblich verfärbten Schleimhäuten.
  • Fieber: Wie bei der feuchten Form wiederkehrendes Fieber.
  • Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit: Schleichender Gewichtsverlust über Wochen.

Die trockene Form verläuft langsamer – ohne Behandlung über Wochen bis Monate.

Mischformen

Viele Katzen zeigen Symptome beider Formen gleichzeitig – zum Beispiel Bauchwasser in Kombination mit Augenveränderungen. Die Übergänge sind fließend.

Diagnose von FIP

Die Diagnose von FIP ist eine der größten Herausforderungen in der Katzenmedizin. Es gibt keinen einzelnen Test, der FIP zweifelsfrei beweist.

Diagnostische Schritte

  1. Klinische Untersuchung: Fieber, Bauchwasser, Augenveränderungen und Gewichtsverlust lenken den Verdacht auf FIP.
  2. Blutuntersuchung: Typische Befunde sind erhöhtes Gesamtprotein mit erhöhtem Globulinanteil und verringertem Albumin-Globulin-Quotient (A/G-Ratio unter 0,4 ist verdächtig). Erhöhte Leberwerte und Entzündungsmarker (SAA) können auftreten.
  3. Punktatanalyse: Bei der feuchten Form wird Bauchhöhlenflüssigkeit entnommen und untersucht. Die Flüssigkeit ist typischerweise strohgelb, klebrig und eiweißreich. Der Rivalta-Test (ein einfacher Tropfentest) ist ein guter Screening-Test.
  4. Coronavirus-Antikörpertest: Zeigt nur, ob die Katze Kontakt mit dem Coronavirus hatte – nicht, ob FIP vorliegt! Ein positiver Antikörpertest allein ist keine FIP-Diagnose.
  5. RT-PCR: Nachweis von Coronavirus-RNA im Punktat oder Gewebe. Auch dieser Test kann nicht zuverlässig zwischen harmlosen FCoV und FIP-Virus unterscheiden.
  6. Immunhistochemie/Histopathologie: Der Nachweis des Virus in Gewebeproben (Biopsie) gilt als Goldstandard, wird aber nicht immer durchgeführt, da die Entnahme invasiv ist.

Wichtig zu wissen

Ein positiver Corona-Antikörpertest bei einer gesunden Katze bedeutet nicht, dass die Katze FIP hat oder entwickeln wird! Viele gesunde Katzen sind Coronavirus-positiv und werden es nie krank.

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Die Revolution durch GS-441524

GS-441524 ist ein antivirales Medikament, das von Dr. Niels Pedersen an der UC Davis entwickelt wurde. In klinischen Studien zeigte es erstaunliche Ergebnisse: Über 80 Prozent der behandelten Katzen konnten geheilt werden. Das Medikament hemmt die Vermehrung des Virus und gibt dem Immunsystem die Chance, die Infektion zu bekämpfen.

Behandlungsprotokoll

  • Dauer: In der Regel 84 Tage (12 Wochen) tägliche Behandlung.
  • Verabreichung: Ursprünglich als tägliche Injektionen unter die Haut, mittlerweile gibt es auch orale Formulierungen (Tabletten/Kapseln).
  • Dosierung: Je nach Form und Schwere der FIP unterschiedlich. Neurologische und okuläre FIP erfordern höhere Dosierungen.
  • Monitoring: Regelmäßige Blutkontrollen und klinische Untersuchungen während der Behandlung.

Zulassungssituation

Die Situation ist komplex: In vielen Ländern ist GS-441524 als Tierarzneimittel bisher nicht offiziell zugelassen gewesen. Einige Länder haben inzwischen Zulassungen erteilt. In der EU gibt es mittlerweile zugelassene Produkte. Dein Tierarzt kann dich über die aktuelle Verfügbarkeit in Deutschland beraten.

Weitere antivirale Medikamente

Neben GS-441524 werden weitere antivirale Wirkstoffe erforscht und eingesetzt:

  • Molnupiravir: Ein weiterer antiviraler Wirkstoff, der in einigen Fällen verwendet wird.
  • GC376: Ein Protease-Inhibitor, der ebenfalls gegen das FIP-Virus wirkt.

Erfolgsaussichten

Die Heilungsraten sind bemerkenswert:

  • Feuchte FIP: 80 bis 90 Prozent Heilungsrate mit GS-441524
  • Trockene FIP: 60 bis 80 Prozent Heilungsrate
  • Neurologische FIP: Niedrigere Heilungsrate, aber auch hier sind Erfolge möglich

Prognose

Ohne Behandlung ist FIP nach wie vor fast immer tödlich. Mit den neuen antiviralen Therapien hat sich die Prognose jedoch dramatisch verbessert. Frühzeitige Diagnose und schneller Therapiebeginn verbessern die Chancen erheblich. Katzen, die die 84-tägige Behandlung erfolgreich abschließen und in der Nachbeobachtungszeit symptomfrei bleiben, gelten als geheilt.

Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung gegen FIP ist schwierig, da die Mutation des Coronavirus nicht vorhersagbar ist. Du kannst aber das Risiko reduzieren:

  • Stressreduktion: Halte die Umgebung deiner Katze möglichst stressfrei.
  • Hygiene: Regelmäßige Reinigung der Katzentoilette und Näpfe reduziert die Viruslast.
  • Gesundes Immunsystem: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Impfungen stärken die Abwehrkräfte.
  • Nicht zu viele Katzen: In großen Gruppen ist die Viruslast und damit das Mutationsrisiko höher.

Zusammenfassung

FIP ist eine schwere Katzenkrankheit, die durch eine Mutation des weit verbreiteten Felinen Coronavirus entsteht. Sie tritt in einer feuchten Form mit Bauchwasser und einer trockenen Form mit Organveränderungen auf. Die Diagnose ist komplex und erfordert die Kombination mehrerer Untersuchungen. Die revolutionären antiviralen Medikamente wie GS-441524 haben die ehemals tödliche Diagnose in eine behandelbare Krankheit verwandelt. Wenn du den Verdacht hast, dass deine Katze FIP haben könnte, wende dich umgehend an einen Tierarzt mit FIP-Erfahrung – je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Aussichten.