Kann eine Katze sich erkälten?
Ja, auch Katzen können unter Atemwegsinfektionen leiden, die einer menschlichen Erkältung ähneln. Allerdings ist bei Katzen besondere Vorsicht geboten: Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Erkältung aussieht, kann in Wirklichkeit der Beginn eines Katzenschnupfens sein – einer ernsthaften und potenziell gefährlichen Erkrankung. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du eine Erkältung bei deiner Katze erkennst, was du selbst tun kannst und wann unbedingt der Tierarzt hinzugezogen werden muss.
Erkältung oder Katzenschnupfen – der wichtige Unterschied
Bevor du dich um die Behandlung kümmerst, ist es wichtig, den Unterschied zwischen einer leichten Erkältung und dem gefährlichen Katzenschnupfenkomplex zu kennen.
Leichte Erkältung
- Milde Symptome: gelegentliches Niesen, leichter klarer Nasenausfluss
- Katze ist ansonsten munter und frisst normal
- Klingt innerhalb weniger Tage ab
- Häufig durch Zugluft, Kälte oder leichte Viren ausgelöst
Katzenschnupfen (Infektiöser Katzenschnupfen)
- Schwere Symptome: starker eitriger Nasenausfluss, verklebte Augen, Fieber
- Katze frisst nicht und ist apathisch
- Verursacht durch Herpesviren (FHV-1), Caliciviren (FCV) und/oder Bakterien (Chlamydien, Bordetellen, Mykoplasmen)
- Kann unbehandelt lebensbedrohlich werden, besonders bei Kitten
- Kann chronisch werden und immer wieder aufflammen
> Wichtig: Wenn du dir unsicher bist, ob deine Katze eine einfache Erkältung oder einen Katzenschnupfen hat, gehe lieber einmal zu viel zum Tierarzt als einmal zu wenig!
Symptome einer Erkältung bei Katzen
Milde Symptome (leichte Erkältung)
- Niesen: Gelegentliches oder häufiges Niesen, manchmal in Serien.
- Klarer Nasenausfluss: Wässriger, durchsichtiger Ausfluss aus einer oder beiden Nasenlöchern.
- Leicht tränende Augen: Vermehrter Tränenfluss, aber klares Sekret.
- Etwas weniger Energie: Deine Katze schläft mehr als gewöhnlich, spielt aber noch gelegentlich.
- Leicht verminderter Appetit: Frisst etwas weniger, nimmt aber noch Nahrung auf.
Schwere Symptome (Tierarztbesuch nötig!)
- Eitriger Nasenausfluss: Gelblich-grüner, dickflüssiger Ausfluss – Zeichen einer bakteriellen Infektion.
- Verklebte Augen: Eitriges Augensekret, geschwollene oder gerötete Bindehaut.
- Mundgeschwüre: Besonders bei Calicivirus-Infektionen typisch. Die Katze speichelt stark und hat Schmerzen beim Fressen.
- Fieber: Die Normaltemperatur bei Katzen liegt bei 38,0–39,0 °C. Ab 39,5 °C ist die Temperatur erhöht, ab 40 °C besteht Fieber.
- Komplette Fressunlust: Katzen orientieren sich stark am Geruch. Ist die Nase verstopft, fressen viele Katzen gar nicht mehr. Bei Katzen kann Nahrungsverweigerung über mehr als 24-48 Stunden gefährlich werden (Risiko einer hepatischen Lipidose).
- Atemnot: Maulatmung, pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche – sofort zum Tierarzt!
- Apathie: Deine Katze reagiert kaum noch auf Ansprache, versteckt sich und liegt nur noch.
Ursachen für Erkältungen bei Katzen
Virale Erreger
- Felines Herpesvirus (FHV-1): Einer der Haupterreger des Katzenschnupfens. Einmal infiziert, bleibt das Virus lebenslang im Körper und kann bei Stress wieder ausbrechen.
- Felines Calicivirus (FCV): Der zweite Haupterreger. Typisch sind Mundgeschwüre und Zahnfleischentzündungen.
- Felines Chlamydien (Chlamydophila felis): Verursachen vor allem Bindehautentzündungen.
Begünstigende Faktoren
- Stress: Umzug, neues Tier im Haushalt, Tierheim, Tierarztbesuch.
- Geschwächtes Immunsystem: Kitten, alte Katzen, FIV- oder FeLV-positive Katzen.
- Zugluft und Kälte: Besonders bei Freigängerkatzen in der kalten Jahreszeit.
- Fehlende oder unvollständige Impfung: Ungeimpfte Katzen sind besonders gefährdet.
- Mehrkatzenhaushalte und Tierheime: Enger Kontakt fördert die Übertragung.
Behandlung einer Erkältung bei Katzen
Was du zu Hause tun kannst
Wärme und Geborgenheit:
- Sorge für einen warmen, ruhigen und zugfreien Liegeplatz.
- Eine kuschelige Decke oder ein Wärmekissen (nicht zu heiß!) können deiner Katze guttun.
- Reduziere Stress in der Umgebung so weit wie möglich.
Nase frei halten:
- Wische verkrusteten Nasenausfluss vorsichtig mit einem weichen, feuchten Tuch ab.
- Verstopfte Nasen erschweren das Fressen enorm, da Katzen ihr Futter hauptsächlich über den Geruch wahrnehmen.
Feuchtigkeit:
- Stelle deine Katze in ein dampfiges Badezimmer (heißes Wasser laufen lassen, nicht die Katze duschen!) für 10-15 Minuten. Der warme Dampf löst Schleim und erleichtert das Atmen.
- Alternativ: Ein feuchtes Handtuch auf die Heizung legen, um die Raumluft zu befeuchten.
Fressen fördern:
- Biete stark riechendes Futter an: Thunfisch, warmes Nassfutter oder Hühnerbrühe (ungewürzt!) können den Appetit anregen.
- Wärme das Futter leicht an – warmes Futter riecht intensiver.
- Biete Futter in kleinen Portionen mehrmals am Tag an.
- Frisst deine Katze länger als 24 Stunden gar nichts, suche den Tierarzt auf!
Augen reinigen:
- Verklebte Augen vorsichtig mit einem weichen, feuchten Tuch reinigen.
- Für jedes Auge ein separates Tuch verwenden, um eine Verschleppung zu vermeiden.
Was du NICHT tun solltest
- Keine menschlichen Medikamente: Paracetamol ist für Katzen tödlich – bereits eine einzige Tablette kann eine Katze töten! Auch Ibuprofen und Aspirin sind giftig.
- Keine ätherischen Öle: Eukalyptus, Teebaumöl, Pfefferminze und viele andere ätherische Öle sind für Katzen hochgiftig.
- Keinen Kamillentee in die Augen: Entgegen der verbreiteten Empfehlung kann Kamillentee die Augen zusätzlich reizen.
- Nicht abwarten bei schweren Symptomen: Eine Katze, die nicht frisst und apathisch ist, braucht tierärztliche Hilfe!
Tierärztliche Behandlung
Wenn die Symptome über eine leichte Erkältung hinausgehen, wird der Tierarzt:
- Allgemeinuntersuchung durchführen: Temperatur messen, Augen, Nase und Maul untersuchen, Lunge abhören.
- Abstrich nehmen: Bei Verdacht auf bestimmte Erreger kann ein Nasen- oder Rachenabstrich genommen werden.
- Antibiotika verschreiben: Gegen bakterielle Sekundärinfektionen. Antibiotika wirken nicht gegen Viren, verhindern aber bakterielle Komplikationen.
- Augentropfen oder -salbe verordnen: Bei Bindehautentzündung.
- L-Lysin empfehlen: Diese Aminosäure kann bei Herpesvirus-Infektionen unterstützend wirken.
- Infusionen geben: Bei Austrocknung, besonders wenn die Katze nicht trinkt.
- Inhalation verordnen: In schweren Fällen können vom Tierarzt verordnete Inhalationen helfen.
Dauer einer Erkältung bei Katzen
- Leichte Erkältung: 5–7 Tage
- Katzenschnupfen (viral): 10–21 Tage, manchmal länger
- Chronischer Katzenschnupfen: Kann lebenslang bestehen bleiben, mit periodischen Schüben
Ist eine Erkältung bei Katzen ansteckend?
- Für andere Katzen: Ja! Die Erreger verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion (Niesen), direkten Kontakt und kontaminierte Gegenstände (Näpfe, Decken, Hände des Besitzers).
- Für Menschen: In der Regel nicht. Die meisten Katzenkrankheitserreger sind artspezifisch. Eine Ausnahme sind Chlamydien, die in seltenen Fällen eine Bindehautentzündung beim Menschen auslösen können.
- Für Hunde: Die Erreger des Katzenschnupfens sind in der Regel nicht auf Hunde übertragbar.
Hast du mehrere Katzen, solltest du die erkrankte Katze wenn möglich isolieren, separate Näpfe verwenden und dir nach dem Kontakt die Hände waschen.
Vorbeugung
- Impfungen aktuell halten: Die Grundimmunisierung gegen Katzenschnupfen gehört zu den Core-Impfungen und wird von allen Tierärzten empfohlen. Die Impfung verhindert keine Infektion, mildert aber den Verlauf erheblich.
- Stress minimieren: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem und kann bei latent infizierten Katzen einen Schub auslösen.
- Gute Ernährung: Hochwertiges Futter mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen stärkt die Abwehrkräfte.
- Zugluft vermeiden: Sorge dafür, dass die Liegeplätze deiner Katze warm und zugfrei sind.
- Hygiene in Mehrkatzenhaushalten: Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Näpfe und Toiletten.
🚨 Wann sofort zum Tierarzt?
- Bei eitrigem (gelblich-grünem) Nasenausfluss
- Bei verklebten, geschwollenen oder geröteten Augen
- Wenn deine Katze länger als 24 Stunden nichts frisst
- Bei Fieber (Temperatur über 39,5 °C)
- Bei Atemnot oder Maulatmung
- Bei Apathie und starker Schwäche
- Bei Kitten – sie können sehr schnell lebensbedrohlich erkranken
- Wenn die Symptome nach 3–5 Tagen nicht besser werden
Zusammenfassung
Eine leichte Erkältung bei Katzen äußert sich durch Niesen, klaren Nasenausfluss und leicht tränende Augen und klingt meist innerhalb einer Woche ab. Wichtig ist, eine einfache Erkältung vom gefährlichen Katzenschnupfen zu unterscheiden – eitriger Ausfluss, Fressunlust und Apathie sind Alarmsignale, die eine tierärztliche Behandlung erfordern. Unterstütze deine erkältete Katze mit Wärme, feuchter Luft und appetitanregendem Futter. Verzichte unbedingt auf menschliche Medikamente und ätherische Öle. Die beste Vorbeugung sind aktuelle Impfungen, eine stressarme Umgebung und gute Ernährung.