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Katze – Gesundheit18.2.2026

Katzenschnupfen – Symptome, Behandlung und Impfung

Was ist Katzenschnupfen?

Katzenschnupfen ist keine einfache Erkältung – er ist ein Krankheitskomplex, der durch mehrere verschiedene Erreger verursacht wird und die oberen Atemwege, Augen und Mundschleimhaut befällt. Bei ungeimpften Katzen, Kitten und immungeschwächten Tieren kann Katzenschnupfen schwer verlaufen und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Die wichtigsten Erreger

Viren:

  • Felines Herpesvirus (FHV-1): Der häufigste Erreger. Verursacht schwere Atemwegssymptome und Augenprobleme. Der Virus bleibt lebenslang im Körper – bei Stress kann er reaktiviert werden.
  • Felines Calicivirus (FCV): Zweitwichtigster Erreger. Verursacht Atemwegssymptome und typische Geschwüre im Maul.

Bakterien (als Sekundärerreger oder eigenständig):

  • Chlamydia felis: Verursacht vor allem eitrige Bindehautentzündung
  • Bordetella bronchiseptica: Führt zu Husten und Niesen
  • Mycoplasma-Arten: Können die Symptome verschlimmern

In den meisten Fällen liegt eine Mischinfektion vor – mehrere Erreger gemeinsam sorgen für den typischen Katzenschnupfenkomplex.

Symptome des Katzenschnupfens

Die Symptome können je nach beteiligtem Erreger variieren und treten in der Regel 2-10 Tage nach der Ansteckung auf.

Typische Symptome

  • Niesen: Häufig und anfallsartig, oft der erste Hinweis
  • Nasenausfluss: Anfangs klar und wässrig, wird bei bakterieller Beteiligung gelblich-grün und eitrig
  • Augenausfluss: Tränende Augen, eitriger Ausfluss, verklebte Augen (besonders bei Herpesvirus)
  • Bindehautentzündung: Rote, geschwollene Augen
  • Mundgeschwüre: Typisch für Calicivirus – schmerzhafte Ulzerationen auf Zunge, Gaumen und Lippen
  • Fieber: Erhöhte Temperatur (Normalwert Katze: 38-39 °C)
  • Appetitlosigkeit: Katzen, die nicht riechen können, fressen oft nicht – und das ist gefährlich!
  • Mattigkeit: Die Katze zieht sich zurück und schläft viel
  • Speicheln: Bei Mundgeschwüren

Schwere Verlaufsformen

  • Hornhautgeschwüre: Durch Herpesvirus – können zur Erblindung führen
  • Lungenentzündung: Wenn die Infektion auf die unteren Atemwege übergreift
  • Chronischer Katzenschnupfen: Dauerhaft verstopfte Nase, wiederkehrender Nasenausfluss, Narbenbildung in der Nase

Besonders gefährdete Katzen

  • Kitten (Jungkatzen): Noch unreifes Immunsystem – Katzenschnupfen kann für Kitten tödlich sein
  • Ungeimpfte Katzen
  • Katzen aus Tierheimen oder Zuchten – enger Kontakt fördert die Übertragung
  • Immungeschwächte Katzen (FIV-positive oder FeLV-positive Katzen)
  • Ältere Katzen mit geschwächtem Immunsystem

Ansteckung und Übertragung

Katzenschnupfen wird übertragen durch:

  • Direkten Kontakt: Niesen, Nasen- und Augenausfluss, gegenseitiges Putzen
  • Tröpfcheninfektion: Niesen verbreitet Erreger über eine Distanz von bis zu 1,5 Metern
  • Kontaminierte Gegenstände: Futternäpfe, Decken, Spielzeug, Katzenklos
  • Menschen: Erreger können an Kleidung und Händen haften (keine Infektion des Menschen!)

Wichtig: Herpesvirus-Trägerkatzen können den Virus lebenslang ausscheiden – oft ohne selbst Symptome zu zeigen. Stress (Umzug, neues Tier, Operation) kann den Virus reaktivieren.

Behandlung beim Tierarzt

Antivirale Therapie

  • Famciclovir: Antivirales Medikament gegen Herpesvirus, als Tablette verabreicht
  • Interferon-omega: Stimuliert die Immunabwehr gegen Viren
  • L-Lysin: Eine Aminosäure, die die Vermehrung von Herpesviren hemmen soll (Wirksamkeit wissenschaftlich umstritten, aber nebenwirkungsfrei)

Antibiotika

Antibiotika wirken nicht gegen Viren, sind aber oft notwendig, um bakterielle Sekundärinfektionen zu bekämpfen:

  • Doxycyclin: Mittel der Wahl, wirkt auch gegen Chlamydien und Mykoplasmen
  • Amoxicillin/Clavulansäure: Breitbandantibiotikum

Symptomatische Behandlung

  • Schleimlöser: Inhalation oder Nasentropfen mit Kochsalzlösung
  • Augensalben und -tropfen: Antibiotische oder antivirale Augenpräparate bei Bindehautentzündung oder Hornhautgeschwüren
  • Entzündungshemmer/Schmerzmittel: Bei Fieber und Schmerzen (besonders bei Mundgeschwüren)
  • Infusionstherapie: Bei dehydrierten Katzen
  • Appetitanreger: In schweren Fällen, wenn die Katze nicht frisst

Stationäre Behandlung

In schweren Fällen – wenn die Katze nicht frisst, dehydriert ist oder Atemnot hat – kann ein stationärer Aufenthalt in der Tierklinik nötig sein mit:

  • Infusionstherapie
  • Zwangsernährung über Magensonde
  • Sauerstofftherapie bei Atemnot

Was du zu Hause tun kannst

Unterstützende Pflege

  1. Augen und Nase reinigen: Mehrmals täglich mit einem warmen, feuchten Tuch verkrusteten Ausfluss vorsichtig entfernen.
  2. Dampfinhalation: Heißes Wasser in der Dusche aufdrehen und 10-15 Minuten mit der Katze im dampfigen Badezimmer sitzen. Der Dampf löst Schleim und erleichtert das Atmen.
  3. Futter erwärmen: Warmes Futter riecht stärker – das hilft Katzen mit verstopfter Nase, den Appetit wiederzufinden.
  4. Besonders schmackhaftes Futter: Thunfisch, Hühnerbrühe (ohne Salz und Gewürze), Babybrei (Fleisch pur) können eine Katze zum Fressen motivieren.
  5. Wärme und Ruhe: Biete deiner Katze einen warmen, ruhigen Platz an.
  6. Ausreichend Flüssigkeit: Trinkbrunnen, mehrere Wasserstellen, Nassfutter bevorzugen.

Wichtig: Katzen müssen fressen!

Eine Katze, die länger als 24-48 Stunden nichts frisst, ist in Gefahr! Katzen können eine hepatische Lipidose (Fettleber) entwickeln, die lebensbedrohlich ist. Wenn deine Katze trotz allem nicht frisst, muss sie zum Tierarzt – dort kann notfalls über eine Magensonde ernährt werden.

Impfung – der beste Schutz

Die Impfung gegen Katzenschnupfen gehört zur Grundimmunisierung und wird von der StIKo Vet (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin) für alle Katzen empfohlen – auch für reine Wohnungskatzen.

Impfschema

ZeitpunktImpfung
8 Wochen1. Grundimmunisierung (Herpes + Calici + Panleukopenie)
12 Wochen2. Grundimmunisierung
16 Wochen3. Grundimmunisierung
15 MonateAuffrischung
DanachAlle 1-3 Jahre (je nach Lebensumständen und Impfstoff)

Was die Impfung leistet – und was nicht

  • Die Impfung schützt zuverlässig vor schweren Verläufen
  • Sie verhindert nicht immer die Infektion, aber die Symptome sind bei geimpften Katzen deutlich milder
  • Herpesvirus-Trägerkatzen bleiben trotz Impfung Träger – die Impfung reduziert aber die Virusausscheidung

Warum auch Wohnungskatzen geimpft werden sollten

  • Erreger können über Schuhe und Kleidung in die Wohnung gelangen
  • Bei einem Tierarztbesuch kann sich eine ungeimpfte Katze im Wartezimmer anstecken
  • Neue Katzen im Haushalt können Erreger mitbringen

Chronischer Katzenschnupfen

Manche Katzen – besonders solche, die als Kitten einen schweren Katzenschnupfen durchgemacht haben – entwickeln einen chronischen Katzenschnupfen:

  • Dauerhaft verstopfte Nase
  • Wiederkehrender eitriger Nasenausfluss
  • Schnarchen und lautes Atmen
  • Häufiges Niesen

Die Ursache ist meist eine Schädigung der Nasenschleimhaut und der Nasenmuscheln durch die Erstinfektion. Die geschädigten Strukturen sind anfällig für wiederkehrende bakterielle Infektionen.

Management:

  • Regelmäßige Inhalation
  • Antibiotika bei akuten Schüben
  • Immunstärkung durch gutes Futter und wenig Stress
  • In schweren Fällen: chirurgische Erweiterung der Nasenöffnungen

Zusammenfassung

Katzenschnupfen ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die besonders für Kitten und ungeimpfte Katzen gefährlich werden kann. Die Impfung ist der beste Schutz und wird für alle Katzen empfohlen. Bei Symptomen wie Niesen, Nasen- und Augenausfluss und Appetitlosigkeit solltest du frühzeitig zum Tierarzt gehen. Achte vor allem darauf, dass deine Katze weiterhin frisst – das ist bei Katzenschnupfen oft die größte Herausforderung.