Zurück zum Ratgeber
Hund hat Weintrauben gefressen – Symptome und Notfallmaßnahmen
🍇
Hund – Gesundheit20.2.2026

Hund hat Weintrauben gefressen – Symptome und Notfallmaßnahmen

Hund hat Weintrauben gefressen – Ein ernstzunehmender Notfall

Weintrauben und Rosinen gehören zu den gefährlichsten Lebensmitteln für Hunde. Schon kleine Mengen können zu einem akuten Nierenversagen führen, das ohne Behandlung tödlich enden kann. Wenn dein Hund Weintrauben oder Rosinen gefressen hat, zählt jede Minute. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Weintrauben für Hunde giftig sind, welche Symptome auftreten, was du im Notfall tun musst und wie du einer Vergiftung vorbeugen kannst.

Warum sind Weintrauben für Hunde giftig?

Das Rätsel des Giftstoffs

Lange war der genaue Giftstoff in Weintrauben unbekannt. Neuere Forschungen (2021) des ASPCA Animal Poison Control Center deuten darauf hin, dass Weinsäure (Tartarsäure) der wahrscheinliche Auslöser ist. Weinsäure kommt in hohen Konzentrationen in Weintrauben vor und kann bei Hunden die Nieren schädigen.

Wichtig zu wissen:

  • Die giftige Dosis variiert stark von Hund zu Hund – es gibt keine sichere Menge
  • Manche Hunde fressen Weintrauben ohne erkennbare Symptome, während andere nach wenigen Trauben schwer erkranken
  • Es ist unmöglich vorherzusagen, wie ein individueller Hund reagiert
  • Jede aufgenommene Menge muss als potenziell lebensgefährlich betrachtet werden

Welche Formen sind giftig?

Alle Formen von Weintrauben sind potenziell giftig:

  • Frische Weintrauben (rot, grün, kernlos, mit Kernen)
  • Rosinen (getrocknete Weintrauben) – besonders gefährlich, da die Giftstoffe konzentrierter sind
  • Sultaninen und Korinthen
  • Traubensaft und Traubenmost
  • Müsliriegel, Kuchen oder Gebäck mit Rosinen
  • Stollen, Panettone und andere Backwaren mit Rosinen
  • Trester (Rückstände der Weinherstellung)

Risikoeinschätzung

Als grobe Orientierung gelten folgende Werte, wobei empfindliche Hunde auch bei geringeren Mengen erkranken können:

  • Weintrauben: Ab ca. 10 g pro kg Körpergewicht als potenziell toxisch betrachtet
  • Rosinen: Ab ca. 3 g pro kg Körpergewicht als potenziell toxisch betrachtet (Rosinen sind konzentrierter!)

Beispiel: Für einen 10-kg-Hund können theoretisch schon 30 g Rosinen (eine kleine Handvoll) lebensbedrohlich sein. Aber es gibt dokumentierte Fälle, in denen Hunde nach einzelnen Trauben schwer erkrankten.

Die einzig sichere Regel: Kein Hund sollte jemals Weintrauben oder Rosinen fressen – keine Menge ist als sicher erwiesen.

Symptome einer Weintraubenvergiftung

Frühe Symptome (innerhalb der ersten 6 bis 12 Stunden)

  • Erbrechen – oft das erste Anzeichen, kann Trauben- oder Rosinenreste enthalten
  • Durchfall – möglicherweise mit Trauben-/Rosinenresten
  • Appetitlosigkeit
  • Lethargie und Schwäche
  • Bauchschmerzen – der Hund krümmt sich, ist unruhig oder berührungsempfindlich am Bauch
  • Vermehrter Durst
  • Speicheln

Fortgeschrittene Symptome (12 bis 72 Stunden)

  • Reduzierte oder fehlende Urinproduktion – ein alarmierendes Zeichen, das auf Nierenversagen hindeutet
  • Austrocknung (Dehydration) – eingefallene Augen, trockene Schleimhäute, stehende Hautfalte
  • Übelkeit und anhaltendes Erbrechen
  • Mundgeruch (urämischer Geruch – riecht nach Ammoniak)
  • Zittern und Schwäche
  • Koma und Tod bei unbehandeltem Nierenversagen

Zeitlicher Verlauf

  • Erste Stunden: Erbrechen, Durchfall, Unwohlsein
  • 24 bis 48 Stunden: Beginnende Nierenschädigung – reduzierte Urinmenge
  • 48 bis 72 Stunden: Akutes Nierenversagen mit Anurie (kein Urin mehr), Bewusstseinstrübung
  • Ohne Behandlung: Tod durch Nierenversagen

Was tun, wenn dein Hund Weintrauben gefressen hat?

Sofortmaßnahmen – jede Minute zählt!

1. Ruhe bewahren, aber SOFORT handeln

Kontaktiere umgehend deinen Tierarzt oder die nächste Tierklinik. Außerhalb der Sprechzeiten die tierärztliche Notfall-Hotline oder Tierklinik mit 24-Stunden-Notdienst anrufen.

2. Informationen bereithalten

Dem Tierarzt mitteilen:

  • Was hat der Hund gefressen (Weintrauben, Rosinen, Kuchen mit Rosinen etc.)?
  • Wie viel hat er gefressen (ungefähre Menge)?
  • Wann hat er es gefressen (wie lange ist es her)?
  • Gewicht des Hundes
  • Aktuelle Symptome

3. KEIN Erbrechen selbst herbeiführen

Auch wenn manchmal dazu geraten wird: Löse KEIN Erbrechen selbst aus (z. B. mit Salz oder Wasserstoffperoxid), es sei denn, dein Tierarzt weist dich telefonisch ausdrücklich dazu an. Falsches Herbeiführen von Erbrechen kann zusätzliche Schäden verursachen.

4. Kein Abwarten

Warte NICHT ab, ob Symptome auftreten. Bei einer Weintraubenvergiftung ist die schnelle Behandlung entscheidend für die Prognose. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Überlebenschancen.

Behandlung beim Tierarzt

Wenn der Hund innerhalb der letzten 1-2 Stunden Trauben gefressen hat:

  • Provoziertes Erbrechen: Der Tierarzt verabreicht ein Medikament (Apomorphin), das sofortiges Erbrechen auslöst und die Trauben/Rosinen aus dem Magen befördert
  • Aktivkohle: Bindet verbleibende Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt

Unabhängig vom Zeitpunkt:

  • Infusionstherapie: Aggressive intravenöse Flüssigkeitsgabe über 48 bis 72 Stunden, um die Nieren durchzuspülen und die Ausscheidung zu fördern
  • Blut- und Urinuntersuchungen: Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff, Phosphor) werden engmaschig kontrolliert
  • Überwachung der Urinproduktion: Entscheidend für die Prognose

Bei eingetretenem Nierenversagen:

  • Intensivmedizinische Betreuung
  • In schweren Fällen Hämodialyse (Blutwäsche) – nur in spezialisierten Tierkliniken verfügbar
  • In manchen Fällen trotz intensiver Behandlung leider tödlich

Prognose

Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Menge der aufgenommenen Trauben/Rosinen
  • Zeitpunkt der Behandlung – je früher, desto besser
  • Individuelle Empfindlichkeit des Hundes
  • Ansprechen auf die Therapie

Gute Prognose:

  • Behandlung innerhalb von 1-2 Stunden nach Aufnahme
  • Erfolgreiche Magenentleerung
  • Nierenwerte bleiben stabil

Schlechte Prognose:

  • Späte Behandlung (>12 Stunden)
  • Bereits eingetretene Anurie (kein Urinabsatz mehr)
  • Schnell ansteigende Nierenwerte, die nicht auf Infusionstherapie ansprechen

Vorbeugung – so schützt du deinen Hund

  • Weintrauben und Rosinen immer außer Reichweite von Hunden aufbewahren
  • Alle Familienmitglieder und Gäste informieren, dass Weintrauben/Rosinen für Hunde giftig sind
  • Backwaren mit Rosinen (Stollen, Müsliriegel, Rosinenbrot, Kuchen) sicher aufbewahren
  • Kinder aufklären: Kindern erklären, dass sie dem Hund keine Trauben geben dürfen
  • Auf Spaziergängen: In Weinanbaugebieten besondere Vorsicht – heruntergefallene Trauben können auf Wegen liegen
  • Fruchtkörbe und Buffets: Bei Feiern darauf achten, dass der Hund nicht an das Essen kommt
  • Lies unseren umfassenden Ratgeber zu giftigen Lebensmitteln für Hunde für eine vollständige Übersicht

Andere giftige Lebensmittel – was du noch wissen solltest

Weintrauben sind nicht das einzige gefährliche Lebensmittel für Hunde. Zu den häufigsten Vergiftungsursachen gehören auch:

  • Schokolade: Enthält Theobromin, das für Hunde giftig ist
  • Xylit (Birkenzucker): In Kaugummi, Zahnpasta und „zuckerfreien" Produkten – extrem gefährlich
  • Zwiebeln und Knoblauch: Schädigen die roten Blutkörperchen
  • Macadamianüsse: Können zu Schwäche, Erbrechen und Überhitzung führen
  • Alkohol: Schon kleine Mengen können Hunde vergiften

Eine vollständige Übersicht findest du in unserem Ratgeber zu giftigen Lebensmitteln für Hunde und in unserem allgemeinen Vergiftungsratgeber.

Zusammenfassung

Weintrauben und Rosinen sind für Hunde potenziell lebensbedrohlich – es gibt keine sichere Menge. Wenn dein Hund Weintrauben oder Rosinen gefressen hat, zählt jede Minute: Kontaktiere sofort den Tierarzt und bringe deinen Hund zur Behandlung. Warte nicht auf Symptome. Die beste Vorbeugung ist, Weintrauben und alle rosinenhaltigen Produkte konsequent außer Reichweite deines Hundes aufzubewahren und alle Familienmitglieder über die Gefahr aufzuklären. Im Notfall kann schnelles Handeln das Leben deines Hundes retten.