Hund hat Schokolade gefressen – Wann wird es gefährlich?
Es ist eines der häufigsten Notfallszenarien in der Tierarztpraxis: Der Hund hat Schokolade gefressen. Ob der Nikolausstiefel, die Adventskalenderschokolade oder die vergessene Tafel auf dem Couchtisch – Hunde finden und fressen Schokolade mit einer bemerkenswerten Zielstrebigkeit. Doch was für uns ein harmloser Genuss ist, kann für deinen Hund eine ernsthafte Vergiftung bedeuten.
In diesem Ratgeber von Haustier-Guru erfährst du, warum Schokolade für Hunde giftig ist, ab welcher Menge es gefährlich wird und was du im Notfall tun musst.
Warum ist Schokolade für Hunde giftig?
Theobromin – das Problem
Schokolade enthält Theobromin, ein Alkaloid aus der Kakaoflanze. Menschen können Theobromin schnell und effizient abbauen – die Halbwertszeit im menschlichen Körper beträgt nur 2–3 Stunden. Beim Hund dauert der Abbau jedoch deutlich länger: Die Halbwertszeit beträgt 17–18 Stunden. Das bedeutet, dass sich Theobromin im Hundekörper anreichert und toxische Konzentrationen erreichen kann.
Wie wirkt Theobromin?
Theobromin wirkt auf verschiedene Organsysteme:
- Herz-Kreislauf-System: Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck
- Nervensystem: Unruhe, Zittern, Krampfanfälle
- Nieren: Verstärkte Harnproduktion
- Magen-Darm-Trakt: Erbrechen, Durchfall
- Muskeln: Tremor, Muskelsteifheit
Koffein als zusätzlicher Faktor
Schokolade enthält neben Theobromin auch Koffein, das ähnlich wirkt und die toxische Wirkung verstärkt.
Wie viel Schokolade ist gefährlich?
Die Giftigkeit hängt von drei Faktoren ab:
- Die Art der Schokolade (Theobromingehalt)
- Die aufgenommene Menge
- Das Körpergewicht des Hundes
Theobromingehalt verschiedener Schokoladensorten
| Schokoladensorte | Theobromingehalt (ca.) |
|---|---|
| Weiße Schokolade | 0,1 mg/g – praktisch ungefährlich |
| Milchschokolade | 1,5–2,5 mg/g |
| Halbbitterschokolade | 5–8 mg/g |
| Zartbitterschokolade (70 %+) | 8–15 mg/g |
| Backschokolade | 14–16 mg/g |
| Kakaopulver | 20–28 mg/g – extrem gefährlich! |
Toxische Dosen
- Ab 20 mg/kg: Erste Symptome möglich (leichte Unruhe, Erbrechen)
- Ab 40–50 mg/kg: Deutliche Symptome (Herzrasen, Durchfall, Zittern)
- Ab 60 mg/kg: Schwere Symptome (Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen)
- Ab 100–200 mg/kg: Potenziell tödlich
Rechenbeispiele
Hund mit 10 kg Körpergewicht:
- 200 g Milchschokolade (ca. 400 mg Theobromin = 40 mg/kg) → deutliche Symptome wahrscheinlich
- 50 g Zartbitterschokolade (ca. 500 mg Theobromin = 50 mg/kg) → schwere Symptome möglich
- 20 g Kakaopulver (ca. 500 mg Theobromin = 50 mg/kg) → schwere Symptome möglich
Hund mit 25 kg Körpergewicht:
- 200 g Milchschokolade (ca. 400 mg Theobromin = 16 mg/kg) → leichte Symptome möglich
- 100 g Zartbitterschokolade (ca. 1000 mg Theobromin = 40 mg/kg) → deutliche Symptome
Hund mit 5 kg Körpergewicht (Chihuahua, Dackel, etc.):
- 50 g Milchschokolade (ca. 100 mg Theobromin = 20 mg/kg) → erste Symptome möglich
- 10 g Zartbitterschokolade (ca. 100 mg Theobromin = 20 mg/kg) → erste Symptome möglich
- Schon eine Praline mit hohem Kakaoanteil kann gefährlich sein!
Symptome einer Schokoladenvergiftung
Die Symptome treten typischerweise 2–12 Stunden nach der Aufnahme auf und können bis zu 72 Stunden anhalten.
Frühe Symptome (2–4 Stunden)
- Erbrechen
- Durchfall
- Unruhe und Nervosität
- Übermäßiges Trinken und Hecheln
- Aufgeblähter Bauch
Mittlere Symptome (4–12 Stunden)
- Herzrasen (Tachykardie)
- Muskelzittern (Tremor)
- Hyperaktivität oder Desorientierung
- Häufiges Urinieren
- Erhöhte Körpertemperatur
Schwere Symptome (6–24 Stunden und später)
- Herzrhythmusstörungen
- Krampfanfälle
- Steifheit oder Koordinationsverlust
- Atemnot
- Blaufärbung der Schleimhäute
- Bewusstlosigkeit
- Im schlimmsten Fall: Herzstillstand
Was tun, wenn dein Hund Schokolade gefressen hat?
Schritt 1: Ruhe bewahren und Informationen sammeln
Bevor du handelst, beantworte folgende Fragen:
- Was hat dein Hund gefressen? Welche Art von Schokolade? (Milch, Zartbitter, Kakao?)
- Wie viel? Schätze die Menge so genau wie möglich
- Wann? Wie viel Zeit ist seit der Aufnahme vergangen?
- Wie schwer ist dein Hund?
Schritt 2: Tierarzt kontaktieren
Rufe sofort deinen Tierarzt oder die tierärztliche Notfallklinik an. Gib die gesammelten Informationen durch. Der Tierarzt wird die aufgenommene Theobrominmenge berechnen und entscheiden, ob eine Behandlung nötig ist.
Schritt 3: Zum Tierarzt fahren
In den meisten Fällen wird der Tierarzt dich bitten, vorbeizukommen. Bringe wenn möglich die Verpackung der Schokolade mit.
Was der Tierarzt tun wird
- Erbrechen auslösen (wenn die Aufnahme weniger als 2 Stunden zurückliegt)
- Aktivkohle verabreichen – bindet Theobromin im Magen-Darm-Trakt
- Infusionstherapie – beschleunigt die Ausscheidung
- Herzmonitoring – Überwachung der Herzfrequenz und des Rhythmus
- Symptomatische Behandlung – Medikamente gegen Krämpfe, Herzrhythmusstörungen
- Stationäre Überwachung bei schweren Vergiftungen
Was du NICHT tun solltest
- Kein Erbrechen auslösen ohne tierärztliche Anweisung – bei Krampfanfällen oder Bewusstlosigkeit kann Erbrechen lebensgefährlich sein
- Keine Milch geben – ein weitverbreiteter Mythos, Milch hilft nicht!
- Nicht abwarten – „Schauen wir mal" kann bei Schokoladenvergiftung tödlich enden
- Keine Hausmittel – es gibt kein Hausmittel gegen Theobrominvergiftung
Besondere Risikofaktoren
Kleine Hunde
Kleine Hunde sind besonders gefährdet, weil bereits geringe Mengen Schokolade hohe Theobrominkonzentrationen im Körper verursachen. Ein Chihuahua, der eine Praline frisst, ist in größerer Gefahr als ein Labrador, der die gleiche Praline frisst.
Ältere Hunde und Hunde mit Herzerkrankungen
Hunde mit vorbestehenden Herzproblemen sind durch die kardiotoxische Wirkung von Theobromin besonders gefährdet. Auch bei älteren Hunden ist das Risiko erhöht.
Wiederholte Aufnahme
Durch die lange Halbwertszeit kann sich Theobromin bei wiederholter Aufnahme akkumulieren. Ein Hund, der jeden Tag ein kleines Stück Schokolade bekommt, kann chronische Symptome entwickeln.
Prävention – Schokolade hundesicher aufbewahren
Die beste Behandlung einer Schokoladenvergiftung ist die Prävention:
- Schokolade immer hundesicher aufbewahren – in geschlossenen Schränken, nicht auf Tischen oder Sofas
- Besondere Vorsicht an Feiertagen: Weihnachten, Ostern, Halloween und Valentinstag sind Hochsaison für Schokoladenvergiftungen
- Adventskalender außer Reichweite hängen
- Nikolausstiefel und Osternester nicht unbeaufsichtigt stehen lassen
- Kinder aufklären – keine Schokolade an den Hund geben!
- Gäste informieren – nicht jeder weiß, dass Schokolade für Hunde giftig ist
- Handtaschen und Jackentaschen – Hunde erschnüffeln Schokolade auch dort
- Backzutaten (Kakaopulver, Backschokolade) sicher wegschließen
Häufig gestellte Fragen
Mein Hund hat ein kleines Stück Milchschokolade gefressen – muss ich zum Tierarzt?
Das hängt von der Menge und dem Gewicht deines Hundes ab. Bei einem großen Hund (25+ kg) und einem kleinen Stück Milchschokolade ist das Risiko gering, aber ruf sicherheitshalber trotzdem deinen Tierarzt an.
Wie lange nach dem Fressen von Schokolade können Symptome auftreten?
Symptome treten typischerweise 2–12 Stunden nach der Aufnahme auf. In manchen Fällen können Herzrhythmusstörungen auch noch nach 24–72 Stunden auftreten.
Ist weiße Schokolade auch giftig für Hunde?
Weiße Schokolade enthält kaum Theobromin und ist daher nicht im eigentlichen Sinne giftig. Allerdings kann der hohe Fett- und Zuckergehalt zu Magen-Darm-Problemen und Bauchspeicheldrüsenentzündung führen.
Gibt es ein Gegenmittel gegen Theobromin?
Nein, es gibt kein spezifisches Gegenmittel. Die Behandlung ist symptomatisch: Erbrechen auslösen (wenn rechtzeitig), Aktivkohle, Infusionen und Medikamente gegen die Symptome.
Mein Hund hat schon mal Schokolade gefressen und ihm war nichts – ist er immun?
Nein! Es gibt keine Immunität gegen Theobromin. Wahrscheinlich war die Menge beim letzten Mal zu gering für sichtbare Symptome. Das bedeutet nicht, dass es beim nächsten Mal genauso glimpflich ausgeht.
Weitere Informationen
Schokolade ist nur eines von vielen Lebensmitteln, die für Hunde gefährlich sein können. Informiere dich in unserem umfassenden Ratgeber über giftige Lebensmittel für Hunde und in unserem Ratgeber zur Vergiftung beim Hund über allgemeine Vergiftungssymptome und Erste Hilfe.
Zusammenfassung
Schokolade ist für Hunde giftig – der Inhaltsstoff Theobromin kann nicht schnell genug abgebaut werden und wirkt toxisch auf Herz, Nervensystem und Magen-Darm-Trakt. Je dunkler die Schokolade und je kleiner der Hund, desto gefährlicher. Wenn dein Hund Schokolade gefressen hat, kontaktiere sofort deinen Tierarzt, sammle alle relevanten Informationen (Art, Menge, Zeitpunkt) und handle schnell. Löse kein Erbrechen ohne tierärztliche Anweisung aus. Die beste Prävention ist, Schokolade konsequent hundesicher aufzubewahren – besonders an Feiertagen. Nimm jede Schokoladenaufnahme ernst – lieber einmal zu oft beim Tierarzt als einmal zu spät.