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Hund – Gesundheit18.2.2026

Tumor beim Hund erkennen – Warnsignale und Diagnostik

Tumoren beim Hund – ein häufiges Thema

Tumoren gehören zu den häufigsten Erkrankungen beim Hund. Statistisch erkrankt etwa jeder vierte Hund im Laufe seines Lebens an irgendeiner Form von Tumor, und ab einem Alter von zehn Jahren steigt die Rate deutlich an. Das klingt beunruhigend, aber es ist wichtig zu wissen: Nicht jeder Tumor ist bösartig (maligne), und nicht jeder bösartige Tumor bedeutet ein Todesurteil. Frühzeitige Erkennung und schnelle Diagnostik verbessern die Prognose erheblich. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Tumoren bei deinem Hund erkennen kannst, welche Warnsignale du ernst nehmen solltest und wie die Diagnostik abläuft.

Gutartig vs. bösartig – der wichtige Unterschied

Gutartige (benigne) Tumoren

  • Wachsen langsam und begrenzt
  • Sind meist gut abgekapselt und verschieblich unter der Haut
  • Bilden keine Metastasen (Tochtergeschwülste)
  • Verursachen meist keine Schmerzen (außer durch Größe oder ungünstige Lage)
  • Beispiele: Lipome, Adenome, Fibrome, gutartige Hautzysten

Bösartige (maligne) Tumoren

  • Wachsen schneller und invasiv (in umliegendes Gewebe hinein)
  • Sind oft schlecht abgrenzbar und mit dem Untergrund verwachsen
  • Können Metastasen bilden (in Lymphknoten, Lunge, Leber, Knochen)
  • Können Schmerzen, Entzündungen und Geschwüre verursachen
  • Beispiele: Mastzelltumoren, Melanome, Osteosarkome, Hämangiosarkome, Plattenepithelkarzinome

Warnsignale – worauf du achten solltest

Sichtbare und tastbare Veränderungen

  • Neue Knoten oder Beulen: Jeder neue Knoten, egal wie klein, sollte beachtet werden. Taste deinen Hund regelmäßig ab!
  • Schnell wachsende Umfangsvermehrungen: Wenn ein Knoten innerhalb von Wochen deutlich größer wird, ist das ein Alarmsignal.
  • Veränderte bestehende Knoten: Ein bisher stabiler Knoten, der plötzlich wächst, seine Form oder Konsistenz ändert.
  • Aufgebrochene oder ulzerierende Knoten: Knoten, die aufbrechen, bluten oder nässen.
  • Nicht heilende Wunden: Wunden, die trotz Behandlung nicht heilen wollen, können Tumorgewebe sein.
  • Schwellungen im Maulbereich: Zahnfleischwucherungen, Schwellungen am Kiefer oder im Rachen.
  • Vergrößerte Lymphknoten: Geschwollene Lymphknoten am Hals, vor der Schulter, in der Leiste oder hinter den Knien.

Allgemeine Warnsignale

  • Unerklärlicher Gewichtsverlust: Dein Hund nimmt ab, obwohl er normal frisst.
  • Appetitlosigkeit: Besonders wenn sie anhält oder zunimmt.
  • Chronische Mattigkeit: Dein Hund ist dauerhaft müde und antriebslos.
  • Humpeln oder Lahmheit: Knochentumoren (Osteosarkome) verursachen oft plötzliche, starke Lahmheit, besonders an den Vorderbeinen großer Rassen.
  • Blutungen: Nasenbluten, blutiger Urin, Blut im Stuhl oder unerklärliche Blutungen können auf Tumoren hindeuten.
  • Atembeschwerden: Husten, schnellere Atmung oder Kurzatmigkeit – bei Tumoren in der Lunge oder im Brustkorb.
  • Verdauungsprobleme: Chronisches Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder veränderter Stuhl.
  • Bauchvergrößerung: Ein aufgeblähter Bauch kann auf Tumoren oder Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle hindeuten.
  • Trinkmenge und Urinmenge verändert: Bestimmte Tumoren beeinflussen den Hormonhaushalt und damit den Wasser- und Elektrolythaushalt.

Die häufigsten Tumorarten beim Hund

Hauttumoren

Die häufigste Tumorgruppe beim Hund. Viele Hautknoten sind gutartig (Lipome, Histiozytome, Talgdrüsenadenome), aber es gibt auch bösartige Varianten:

  • Mastzelltumoren: Der häufigste bösartige Hauttumor beim Hund. Kann sehr unterschiedlich aussehen – von kleiner, harmlos wirkender Beule bis hin zu großem, entzündetem Knoten.
  • Plattenepithelkarzinome: Oft an wenig behaarten Stellen (Nase, Ohren, Ballen).
  • Melanome: Besonders im Maulbereich oft bösartig, an der Haut häufiger gutartig.
  • Fibrosarkome: Bösartige Bindegewebstumoren.

Milztumoren

  • Hämangiosarkom: Ein hochaggressiver Tumor der Blutgefäße. Tritt häufig in der Milz auf und kann plötzlich rupturieren (platzen), was zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führt. Betrifft besonders Deutsche Schäferhunde, Golden Retriever und Labrador Retriever.

Knochentumoren

  • Osteosarkom: Der häufigste Knochentumor beim Hund. Betrifft vor allem große Rassen an den langen Röhrenknochen. Verursacht starke Lahmheit und Schmerzen. Metastasiert früh in die Lunge.

Lymphom

  • Tumor des lymphatischen Systems. Zeigt sich oft durch vergrößerte Lymphknoten am ganzen Körper. Gut auf Chemotherapie ansprechend, aber selten heilbar.

Mammatumoren (Gesäugetumoren)

  • Sehr häufig bei unkastrierten Hündinnen. Etwa 50 Prozent sind bösartig. Frühe Kastration reduziert das Risiko drastisch.

Diagnostik beim Tierarzt

Erster Schritt: Feinnadelaspiration (FNA)

Der wichtigste und einfachste erste Schritt! Der Tierarzt sticht mit einer dünnen Nadel in den Knoten und saugt Zellen ab, die unter dem Mikroskop untersucht werden (Zytologie). Die Prozedur ist:

  • Schnell und schmerzarm (wie eine Blutabnahme)
  • In der Regel ohne Narkose möglich
  • Liefert in vielen Fällen eine vorläufige Diagnose

Biopsie

Wenn die Feinnadelaspiration kein eindeutiges Ergebnis liefert, wird eine Gewebeprobe entnommen:

  • Inzisionsbiopsie: Ein kleines Stück des Tumors wird entnommen.
  • Exzisionsbiopsie: Der gesamte Tumor wird entfernt und histopathologisch untersucht.
  • Punch-Biopsie: Ein stanzenförmiges Gewebestück wird entnommen.

Die histopathologische Untersuchung gibt Auskunft über:

  • Art des Tumors (gutartig/bösartig)
  • Grad der Bösartigkeit (Grading)
  • Vollständigkeit der Entfernung (Resektionsränder)

Staging – Ausbreitungsdiagnostik

Bei bösartigen Tumoren wird untersucht, ob der Krebs bereits gestreut hat:

  • Röntgen des Brustkorbs: Suche nach Lungenmetastasen (3 Ebenen).
  • Ultraschall des Bauchraums: Untersuchung von Leber, Milz, Nieren, Lymphknoten.
  • Lymphknotenpunktion: Überprüfung der regionalen Lymphknoten auf Tumorzellen.
  • CT oder MRT: Bei bestimmten Tumoren für die Operationsplanung oder Metastasensuche.
  • Blutuntersuchung: Organfunktionen, Blutbild, ggf. Tumormarker.

Was du zu Hause tun kannst

Regelmäßiges Abtasten

Gewöhne dir an, deinen Hund einmal pro Woche gründlich abzutasten. Streiche mit den Händen über den gesamten Körper:

  • Kopf und Maul (auch Lippen hochziehen und Zahnfleisch ansehen)
  • Hals und Kehle
  • Schultern und Achseln
  • Brustkorb und Bauch
  • Rücken und Flanken
  • Gesäuge (bei Hündinnen alle Zitzen)
  • Beine und Pfoten
  • Leisten und Genitalbereich
  • Rute und Analbereich

Notiere dir die Position und Größe jedes Knotens. So kannst du Veränderungen frühzeitig bemerken.

Die Zwei-Wochen-Regel

Wenn du einen neuen Knoten entdeckst, beobachte ihn nicht wochenlang. Vereinbare zeitnah einen Tierarzttermin. Die Faustregel: Jeder Knoten, der länger als zwei Wochen besteht, größer als ein Zentimeter ist oder wächst, sollte vom Tierarzt untersucht werden.

Zusammenfassung

Tumoren beim Hund sind häufig, aber nicht jeder Knoten ist bösartig. Regelmäßiges Abtasten deines Hundes ist die beste Früherkennungsmaßnahme. Warnsignale wie schnelles Wachstum, aufgebrochene Stellen, unerklärlicher Gewichtsverlust oder Lahmheit solltest du ernst nehmen. Die Feinnadelaspiration ist ein einfacher, schneller Ersttest. Je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose. Lass jeden verdächtigen Knoten zeitnah vom Tierarzt untersuchen – Warten und Hoffen ist keine gute Strategie.