Was ist ein Lipom?
Ein Lipom ist ein gutartiger Tumor, der aus Fettzellen besteht – eine sogenannte Fettgeschwulst. Lipome gehören zu den häufigsten Hauttumoren beim Hund überhaupt. Sie liegen typischerweise direkt unter der Haut (subkutan), sind weich, gut verschieblich und verursachen in der Regel keine Schmerzen. Viele Hundebesitzer bemerken beim Streicheln oder Kämmen einen oder mehrere weiche Knoten und machen sich verständlicherweise Sorgen. In den allermeisten Fällen sind Lipome harmlos – aber eine Abklärung durch den Tierarzt ist trotzdem wichtig, um bösartige Tumoren auszuschließen.
Wie erkennt man ein Lipom?
Typische Merkmale
- Weiche, elastische Konsistenz: Lipome fühlen sich weich und „teigig" an – ähnlich wie ein kleines Kissen unter der Haut.
- Gut verschieblich: Du kannst den Knoten unter der Haut hin- und herschieben. Er ist nicht mit dem Untergrund (Muskulatur, Knochen) verwachsen.
- Langsames Wachstum: Lipome wachsen langsam über Monate bis Jahre.
- Schmerzlos: In der Regel sind Lipome nicht schmerzhaft.
- Runde oder ovale Form: Meist gleichmäßig geformt.
- Die darüber liegende Haut ist normal: Kein Haarausfall, keine Rötung, keine Geschwüre.
Häufige Lokalisationen
Lipome treten besonders häufig auf an:
- Brustkorb und Rippen
- Bauch
- Achseln und Leisten
- Oberarme und Oberschenkel
- Manchmal auch am Rücken oder Nacken
Welche Hunde sind betroffen?
- Ältere Hunde: Ab einem Alter von etwa 7 bis 8 Jahren steigt die Häufigkeit.
- Übergewichtige Hunde: Ein klarer Risikofaktor. Übergewichtige Hunde entwickeln häufiger und größere Lipome.
- Hündinnen: Etwas häufiger betroffen als Rüden.
- Bestimmte Rassen: Labrador Retriever, Golden Retriever, Dobermann, Weimaraner, Cocker Spaniel und Mischlingshunde sind häufig betroffen.
Diagnose
Feinnadelaspiration – der wichtigste erste Schritt
Auch wenn ein Knoten „typisch" nach Lipom aussieht und sich anfühlt, sollte jeder neue Knoten durch eine Feinnadelaspiration (FNA) untersucht werden. Der Tierarzt sticht mit einer dünnen Nadel in den Knoten und saugt Zellen ab, die unter dem Mikroskop untersucht werden. Bei einem Lipom sieht man typischerweise:
- Große Fettropfen und Fettzellen
- Keine atypischen oder bösartigen Zellen
Die Prozedur ist schnell, schmerzarm und liefert in der Regel eine eindeutige Diagnose.
Warum die Abklärung wichtig ist
Es gibt Tumorarten, die einem Lipom ähneln können:
- Liposarkom: Der bösartige „Bruder" des Lipoms. Sieht äußerlich oft identisch aus, ist aber invasiv und kann metastasieren. Kommt zum Glück beim Hund selten vor.
- Mastzelltumoren: Können als weicher Hautknoten auftreten und harmlos wirken.
- Andere Weichteiltumoren: Fibrosarkome, periphere Nervenscheidentumoren und andere können als Knoten unter der Haut auftreten.
Die Faustregel: Niemals „auf Verdacht" abwarten! Auch wenn 9 von 10 Knoten gutartig sind, ist es der eine bösartige, der frühzeitig erkannt werden muss.
Sonderform: Infiltratives Lipom
Eine besondere Variante ist das infiltrative Lipom. Es ist zwar nicht bösartig im klassischen Sinne (bildet keine Metastasen), wächst aber in umliegendes Gewebe hinein – in Muskeln, Faszien, Nerven oder sogar Gelenke. Infiltrative Lipome:
- Sind schlechter abgrenzbar und weniger verschieblich
- Können Schmerzen und Funktionseinschränkungen verursachen
- Sind schwieriger vollständig zu entfernen
- Haben eine höhere Rezidivrate (Wiederauftreten nach Operation)
Wann muss ein Lipom operiert werden?
Die meisten Lipome müssen nicht operiert werden. Eine Operation ist jedoch sinnvoll oder notwendig, wenn:
- Das Lipom die Bewegung einschränkt: Zum Beispiel ein großes Lipom in der Achsel oder zwischen den Beinen, das den Gang behindert.
- Das Lipom schnell wächst: Obwohl ungewöhnlich für ein Lipom, sollte schnelles Wachstum Anlass zur Sorge sein.
- Das Lipom sehr groß wird: Sehr große Lipome werden mit der Zeit schwieriger zu entfernen. Je früher operiert wird, desto kleiner der Eingriff.
- Das Lipom an einer ungünstigen Stelle liegt: Zum Beispiel dort, wo es durch Halsband, Geschirr oder Liegen auf hartem Boden gereizt wird.
- Es sich um ein infiltratives Lipom handelt: Diese sollten möglichst frühzeitig und großzügig entfernt werden.
- Unsicherheit bei der Diagnose: Wenn die Feinnadelaspiration nicht eindeutig ist, kann eine chirurgische Entfernung mit histopathologischer Untersuchung Klarheit schaffen.
- Der Besitzer es wünscht: Manche Besitzer möchten den Knoten entfernt haben, auch wenn er medizinisch (noch) kein Problem darstellt.
Die Operation
Die chirurgische Entfernung eines Lipoms ist in der Regel ein unkomplizierter Routineeingriff:
- Vollnarkose notwendig
- Der Tumor wird mit einer dünnen Gewebskapsel vollständig herausgeschält
- Die Wunde wird vernäht
- Fäden werden nach 10 bis 14 Tagen gezogen
- Komplikationen sind selten (Nachblutungen, Serome, Wundinfektionen)
- Das entnommene Gewebe sollte histopathologisch untersucht werden
Kosten
Die Kosten für eine Lipom-Operation variieren je nach Größe, Lage und Klinik:
- Kleine, oberflächliche Lipome: ca. 200 bis 500 Euro
- Große oder an schwierigen Stellen gelegene Lipome: ca. 500 bis 1.200 Euro
- Infiltrative Lipome mit aufwändiger Operation: bis zu 2.000 Euro oder mehr
Kann man Lipome verhindern?
Es gibt keine sichere Methode, Lipome zu verhindern. Du kannst aber das Risiko und die Größe beeinflussen:
- Gewichtsmanagement: Übergewichtige Hunde entwickeln häufiger und größere Lipome. Halte deinen Hund in einem gesunden Gewichtsbereich.
- Regelmäßige Kontrollen: Taste deinen Hund wöchentlich ab und gehe mit neuen Knoten zum Tierarzt.
- Frühzeitiges Handeln: Wenn ein Lipom operiert werden sollte, ist es einfacher, solange es noch klein ist.
Alternative Behandlungen
Es gibt keine wissenschaftlich nachgewiesene alternative Behandlung, die Lipome schrumpfen lässt oder verschwinden lässt. Angebote wie:
- Homöopathische Mittel
- Futterumstellungen
- Nahrungsergänzungsmittel
- Salben und Wickel
haben keine bewiesene Wirksamkeit gegen Lipome. Die einzige zuverlässige Behandlung ist die chirurgische Entfernung.
Häufig gestellte Fragen
Mein Hund hat mehrere Lipome – ist das schlimm?
Nein. Viele ältere Hunde entwickeln mehrere Lipome gleichzeitig. Das allein ist kein Grund zur Sorge, solange alle Knoten abgeklärt wurden.
Kann ein Lipom bösartig werden?
Die Umwandlung eines gutartigen Lipoms in ein bösartiges Liposarkom ist extrem selten. Dennoch sollte jeder Knoten, der sich verändert (schnelleres Wachstum, härtere Konsistenz), erneut untersucht werden.
Kommen Lipome nach der Operation wieder?
An der gleichen Stelle ist ein Rezidiv selten, wenn das Lipom vollständig entfernt wurde. Allerdings können neue Lipome an anderen Stellen auftreten – das ist die Veranlagung des Hundes.
Zusammenfassung
Lipome sind gutartige Fettgeschwülste, die bei älteren Hunden sehr häufig vorkommen. Sie sind weich, verschieblich, schmerzlos und in den allermeisten Fällen harmlos. Trotzdem sollte jeder neue Knoten durch eine Feinnadelaspiration beim Tierarzt abgeklärt werden, um bösartige Tumoren auszuschließen. Eine Operation ist nur dann nötig, wenn das Lipom die Bewegung stört, schnell wächst, sehr groß ist oder ein infiltratives Lipom vorliegt. Gewichtsmanagement und regelmäßiges Abtasten sind die besten Maßnahmen, die du zu Hause ergreifen kannst.