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Hund – Gesundheit18.2.2026

Staupe beim Hund – Symptome, Impfung und Behandlung

Was ist Staupe?

Staupe (Canine Distemper) ist eine hochansteckende und potenziell tödliche Viruserkrankung beim Hund. Sie wird durch das Canine-Distemper-Virus (CDV) verursacht, das zur Familie der Paramyxoviren gehört und eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt ist. Die Erkrankung befällt die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt, das Nervensystem und die Haut.

Dank konsequenter Impfprogramme war die Staupe in Deutschland lange Zeit selten geworden. In den letzten Jahren treten jedoch wieder vermehrt Fälle auf – zum einen durch importierte Hunde aus Osteuropa und dem Mittelmeerraum, die nicht oder unzureichend geimpft sind, zum anderen durch ein Reservoir in der Wildtierpopulation (Füchse, Marder, Waschbären). Die Staupe ist neben der Parvovirose eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten beim Hund.

Übertragung

Das Staupevirus wird hauptsächlich durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren übertragen:

  • Tröpfcheninfektion: Über Nasen- und Augensekret, Speichel und Urin infizierter Hunde (oder Wildtiere).
  • Orale Aufnahme: Kontaminiertes Futter, Wasser oder Gegenstände.
  • Aerogene Übertragung: Das Virus kann über kurze Distanzen in der Luft übertragen werden.
  • Transplazentare Übertragung: Von der Mutterhündin auf die Welpen im Mutterleib (selten, kann zu Abort oder Missbildungen führen).

Das Virus ist in der Umwelt relativ empfindlich und wird durch Sonnenlicht, Hitze und gängige Desinfektionsmittel schnell inaktiviert. Bei kühlen Temperaturen kann es jedoch einige Wochen infektiös bleiben.

Infizierte Hunde können das Virus über Wochen bis Monate ausscheiden, auch wenn sie keine Symptome mehr zeigen. Das macht die Eindämmung schwierig.

Inkubationszeit und Verlauf

Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 7 Tage. Nach dem Eindringen über die Schleimhäute vermehrt sich das Virus zunächst in den Lymphknoten und breitet sich dann über die Blutbahn im ganzen Körper aus. Der weitere Verlauf hängt vom Immunstatus des Hundes ab:

  • Starkes Immunsystem: Der Hund kann die Infektion abwehren und zeigt nur milde oder gar keine Symptome.
  • Schwaches Immunsystem: Das Virus befällt verschiedene Organsysteme und führt zu schweren Symptomen.

Symptome und Verlaufsformen

Die Staupe kann verschiedene Organsysteme befallen, was zu unterschiedlichen Verlaufsformen führt. Oft treten mehrere Formen gleichzeitig auf.

Respiratorische Form (Atemwege)

  • Anfangs: Fieber, Abgeschlagenheit, Fressunlust
  • Nasenausfluss (zunächst klar, dann eitrig)
  • Augenausfluss
  • Husten, anfangs trocken, dann feucht und produktiv
  • Niesen
  • Atemnot bei schwerer Lungenentzündung
  • Sekundäre bakterielle Infektionen (Lungenentzündung)

Gastrointestinale Form (Magen-Darm-Trakt)

  • Schwerer Durchfall (oft blutig)
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Dehydratation
  • Gewichtsverlust

Neurologische Form

Die gefürchtetste Verlaufsform, die Wochen bis Monate nach der Erstinfektion auftreten kann:

  • Myoklonus: Rhythmische, unwillkürliche Muskelzuckungen – ein klassisches Staupe-Zeichen
  • Krämpfe und Anfälle: Ähnlich wie bei Epilepsie
  • Lähmungen: Fortschreitende Lähmung der Hinterbeine
  • Kopfschiefhaltung und Gleichgewichtsstörungen
  • Verhaltensänderungen: Aggressivität, Orientierungslosigkeit, Kreislaufen
  • Kaustörungen: Rhythmisches Kieferschlagen (Kaugummi-Krämpfe)

Neurologische Schäden sind häufig irreversibel, auch wenn der Hund die Infektion überlebt.

Hautform (Hard Pad Disease)

  • Übermäßige Verhornung der Nasenspiegel und Ballenhaut
  • Die Ballen werden hart, rissig und schmerzhaft
  • Tritt oft zusammen mit der neurologischen Form auf
  • Gilt als prognostisch ungünstig

Zahnschmelzhypoplasie (bei Welpen)

Welpen, die während der Zahnentwicklung mit Staupe infiziert werden, können dauerhafte Zahnschmelzdefekte entwickeln – sogenannte „Staupegebisse" mit braunen, fehlgebildeten Zähnen.

Diagnose

Die Diagnose basiert auf:

  • Klinische Symptome: Die Kombination aus Fieber, Atemwegssymptomen, Magen-Darm-Beschwerden und neurologischen Auffälligkeiten ist hochverdächtig.
  • Antikörpertest (Serologie): Nachweis von Antikörpern gegen das Staupevirus. Muss vorsichtig interpretiert werden, da geimpfte Hunde ebenfalls Antikörper haben.
  • PCR-Test: Direkter Nachweis des Virus-Erbguts in Nasen-/Augenabstrichen, Blut oder Urin. Die zuverlässigste Methode.
  • Blutbild: Oft zeigt sich eine Lymphopenie (verringerte Lymphozytenzahl) im frühen Stadium.

Behandlung

Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen das Staupevirus. Die Behandlung ist rein symptomatisch und unterstützend:

  • Infusionstherapie: Flüssigkeitszufuhr bei Dehydratation durch Erbrechen und Durchfall.
  • Antibiotika: Gegen sekundäre bakterielle Infektionen (Lungenentzündung).
  • Fiebersenkende Mittel: Wenn nötig.
  • Antiemetika: Gegen Erbrechen.
  • Immunstimulation: In manchen Fällen werden Interferone oder Immunglobuline eingesetzt.
  • Neurologische Symptome: Antikonvulsiva bei Krämpfen, allerdings sind neurologische Schäden oft irreversibel.
  • Unterstützende Pflege: Warmhalten, regelmäßige Reinigung von Nase und Augen, leicht verdauliche Nahrung.

Die Sterblichkeitsrate bei klinisch erkrankten, ungeimpften Hunden liegt bei 50-80 %. Welpen und immungeschwächte Tiere haben die schlechteste Prognose. Bei neurologischer Beteiligung ist die Prognose besonders ernst.

Impfung – der wichtigste Schutz

Die Staupe-Impfung gehört zu den Core-Impfungen (Pflichtimpfungen) beim Hund und ist der einzige zuverlässige Schutz.

Impfschema

  • Welpen: Erste Impfung ab der 8. Lebenswoche, Wiederholung mit 12 und 16 Wochen. Eine Auffrischung nach 15 Monaten.
  • Erwachsene Hunde: Auffrischung alle 3 Jahre (nach der Grundimmunisierung).
  • Ungeimpfte erwachsene Hunde: Zwei Impfungen im Abstand von 3-4 Wochen, dann alle 3 Jahre.

Die Impfung ist hochwirksam und bietet einen zuverlässigen Schutz. Nebenwirkungen sind selten und mild (vorübergehende Mattigkeit, leichte Schwellung an der Injektionsstelle).

Warum ist die Impfung so wichtig?

  • Staupe hat eine hohe Sterblichkeitsrate
  • Es gibt keine spezifische Therapie
  • Neurologische Schäden sind irreversibel
  • Das Virus ist in der Wildtierpopulation (Füchse, Waschbären) verbreitet
  • Ungeimpfte Hunde sind jederzeit gefährdet

Staupe bei Wildtieren

In Deutschland ist das Staupevirus in der Wildtierpopulation weit verbreitet. Besonders Füchse, Waschbären, Marder und Dachse sind betroffen. Regelmäßig gibt es Staupe-Ausbrüche in Wildtierpopulationen. Für ungeimpfte Hunde, die Kontakt zu Wildtieren oder deren Ausscheidungen haben, besteht ein reales Ansteckungsrisiko.

Häufige Fragen

Kann Staupe auf den Menschen übertragen werden?

Nein, die Hundestaupe ist für den Menschen nicht gefährlich. Das Virus ist eng mit dem Masernvirus verwandt, eine Kreuzinfektion findet jedoch nicht statt.

Kann ein geimpfter Hund Staupe bekommen?

Bei korrekt geimpften Hunden ist das Risiko extrem gering. Die Impfung bietet einen sehr zuverlässigen Schutz. In seltenen Einzelfällen kann bei immungeschwächten Hunden trotz Impfung eine milde Infektion auftreten.

Ist Staupe für Katzen gefährlich?

Katzen können sich nicht mit dem Canine-Distemper-Virus anstecken. Die Katzenseuche (Feline Panleukopenie) wird durch ein anderes Virus verursacht, auch wenn der englische Name „Feline Distemper" ähnlich klingt.

Wie lange überlebt das Staupevirus in der Umwelt?

Bei Raumtemperatur wird das Virus innerhalb weniger Stunden inaktiviert. Bei kühlen Temperaturen (nahe dem Gefrierpunkt) kann es einige Wochen überleben. Gängige Desinfektionsmittel töten das Virus zuverlässig ab.

Zusammenfassung

Staupe ist eine hochansteckende, potenziell tödliche Viruserkrankung, die Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem des Hundes befallen kann. Eine spezifische Therapie gibt es nicht – die Behandlung ist rein symptomatisch. Die Impfung ist der einzige zuverlässige Schutz und gehört zu den absolut notwendigen Grundimpfungen beim Hund. Lass deinen Hund konsequent impfen und achte besonders bei Welpen auf eine vollständige Grundimmunisierung. Neurologische Schäden durch Staupe sind irreversibel – Vorbeugung durch Impfung ist unerlässlich.