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hund-pflege18.2.2026

Fellpflege beim Hund – Bürsten, Trimmen und Unterwolle

Fellpflege beim Hund – Der komplette Ratgeber

Die Fellpflege gehört zu den grundlegenden Aufgaben jedes Hundebesitzers. Sie ist weit mehr als ein kosmetisches Ritual – regelmäßiges Bürsten fördert die Durchblutung der Haut, verteilt die natürlichen Öle im Fell, entfernt Schmutz und abgestorbene Haare und gibt dir die Gelegenheit, Hautveränderungen, Parasiten oder Verletzungen frühzeitig zu entdecken. Außerdem stärkt die gemeinsame Pflegezeit die Bindung zwischen dir und deinem Hund. In diesem Ratgeber erfährst du alles über die verschiedenen Felltypen, die passenden Pflegeutensilien und die richtige Technik.

Felltypen und ihre Pflegebedürfnisse

Kurzhaar (Stockhaar)

Beispielrassen: Labrador Retriever, Boxer, Dalmatiner, Beagle, Weimaraner

Kurzhaarige Hunde wirken auf den ersten Blick pflegeleicht – doch der Schein trügt. Viele Kurzhaarhunde haaren enorm, besonders während des Fellwechsels. Das kurze Fell verteilt sich auf Möbeln und Kleidung und ist schwerer zu entfernen als langes Fell.

Pflegeempfehlung:

  • Ein- bis zweimal pro Woche bürsten
  • Während des Fellwechsels täglich
  • Geeignete Werkzeuge: Gumminoppenhandschuh, Naturborstenbürste, Striegel
  • Richtung: Immer mit dem Strich bürsten

Langhaar

Beispielrassen: Golden Retriever, Collie, Afghan, Shih Tzu, Yorkshire Terrier

Langhaariges Fell ist die pflegeintensivste Variante. Ohne regelmäßiges Bürsten verfilzt es schnell, besonders an Problemstellen wie hinter den Ohren, unter den Achseln, am Bauch und an den Hinterbeinen.

Pflegeempfehlung:

  • Mindestens drei- bis viermal pro Woche bürsten, besser täglich
  • Immer in Wuchsrichtung arbeiten
  • Bei Verfilzungen: Erst mit den Fingern vorsichtig auseinanderzupfen, dann mit dem Kamm durcharbeiten
  • Geeignete Werkzeuge: Langzahnbürste, Entfilzungskamm, Slicker Brush (Zupfbürste)

Rauhaar (Drahthaar)

Beispielrassen: Foxterrier, Airedale Terrier, Schnauzer, Rauhaardackel, Deutsch Drahthaar

Rauhaariges Fell hat eine besondere Struktur: Das harte, drahtige Deckhaar schützt vor Witterung und Verletzungen, während die weichere Unterwolle isoliert. Rauhaar muss getrimmt, nicht geschoren werden – dazu später mehr.

Pflegeempfehlung:

  • Wöchentliches Bürsten mit einer Naturborstenbürste
  • Alle 8 bis 12 Wochen trimmen (per Hand oder mit Trimmstein)
  • Geeignete Werkzeuge: Trimmmesser, Trimmstein, Naturborstenbürste

Doppeltes Fell (Double Coat)

Beispielrassen: Husky, Akita, Samojede, Berner Sennenhund, Neufundländer, Deutscher Schäferhund

Diese Hunde besitzen ein doppeltes Fell: ein schützendes Deckhaar und eine dichte, isolierende Unterwolle. Das Fell hat eine wichtige thermoregulatorische Funktion – es schützt sowohl vor Kälte als auch vor Hitze.

Pflegeempfehlung:

  • Zwei- bis dreimal pro Woche gründlich bürsten
  • Während des Fellwechsels täglich intensive Entfilzung
  • Niemals scheren (dazu mehr im Abschnitt über Trimmen und Scheren)
  • Geeignete Werkzeuge: Unterwolle-Kamm, Furminator (mit Vorsicht), Slicker Brush

Lockiges Fell

Beispielrassen: Pudel, Bichon Frisé, Lagotto Romagnolo, viele Doodle-Mixe

Lockiges Fell haart kaum, verfilzt aber sehr leicht. Ohne regelmäßige Pflege bilden sich innerhalb weniger Tage dichte Filzplatten, die bis auf die Haut reichen und dem Hund Schmerzen bereiten können.

Pflegeempfehlung:

  • Tägliches Bürsten ist ideal
  • Alle sechs bis acht Wochen professionelle Schur
  • Geeignete Werkzeuge: Slicker Brush, Metallkamm, Entfilzungsspray

Seidiges Fell

Beispielrassen: Malteser, Lhasa Apso, Irish Setter, Cocker Spaniel

Seidiges Fell ist fein, glänzend und neigt zum Verknoten. Es braucht schonende, aber regelmäßige Pflege.

Pflegeempfehlung:

  • Jeden zweiten Tag bürsten
  • Entfilzungsspray verwenden
  • Geeignete Werkzeuge: Weiche Drahtbürste, Metallkamm mit eng und weit stehenden Zinken

Die richtige Bürste für deinen Hund

Übersicht der Bürstentypen

Slicker Brush (Zupfbürste):

  • Feine, leicht gebogene Metallstifte auf einem Polster
  • Ideal für: Mittleres bis langes Fell, lockiges Fell, Verfilzungen
  • Achtung: Nicht zu fest drücken, die feinen Stifte können die Haut verletzen

Naturborstenbürste:

  • Weiche Borsten aus Wildschweinborsten oder ähnlichem
  • Ideal für: Kurzhaar, Rauhaar, zum Abschluss der Pflege
  • Verteilt die natürlichen Öle im Fell und sorgt für Glanz

Gumminoppenbürste / Gummihandschuh:

  • Gumminoppen, die lose Haare aufnehmen
  • Ideal für: Kurzhaar, empfindliche Hunde, Welpen
  • Funktioniert wie eine Massage und wird von den meisten Hunden geliebt

Unterwolle-Kamm:

  • Lange Metallzinken, die durch das Deckhaar greifen und die Unterwolle erreichen
  • Ideal für: Hunde mit dichter Unterwolle (Husky, Schäferhund, Bernhardiner)
  • Wichtig: Nicht zu grob verwenden, Schicht für Schicht arbeiten

Furminator / Deshedding-Tool:

  • Spezielles Werkzeug mit einer gezahnten Kante, die lose Unterwolle entfernt
  • Ideal für: Hunde mit starkem Haarverlust und dichter Unterwolle
  • Vorsicht: Bei falscher oder übermäßiger Anwendung kann das Deckhaar beschädigt werden. Maximal einmal pro Woche verwenden.

Entfilzungskamm:

  • Kamm mit rotierenden oder weit stehenden Zinken
  • Ideal für: Verfilzungen in langem oder lockigem Fell
  • Immer von den Spitzen zur Basis arbeiten, nie umgekehrt

Trimmmesser:

  • Stumpfes Messer, mit dem abgestorbenes Rauhaar herausgezupft wird
  • Ideal für: Alle rauhaarigen Rassen
  • Erfordert etwas Übung, am besten einmal vom Hundefriseur zeigen lassen

Trimmen vs. Scheren – Ein wichtiger Unterschied

Was ist Trimmen?

Trimmen bedeutet, abgestorbenes Haar mit den Fingern oder einem Trimmmesser aus dem Fell herauszuzupfen. Dies klingt schmerzhafter als es ist – totes Haar sitzt locker und löst sich nahezu widerstandslos. Trimmen erhält die natürliche Fellstruktur und Farbe.

Welche Hunde müssen getrimmt werden:

Alle rauhaarigen Rassen: Foxterrier, Airedale Terrier, Schnauzer, Rauhaardackel, Irish Terrier, Cairn Terrier, West Highland White Terrier, Border Terrier und viele mehr.

Warum sollte man Rauhaar nicht scheren?

Wenn du einen rauhaarigen Hund scherst statt trimmst, veränderst du die Fellstruktur dauerhaft. Das harte, schützende Deckhaar wird abgeschnitten statt mit der Wurzel entfernt. Das nachwachsende Haar ist weich, hat eine andere Farbe (oft heller oder gräulich) und verliert seine Schutzfunktion gegen Wasser und Schmutz.

Warum Double-Coat-Hunde niemals scheren?

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man Hunde mit dichter Unterwolle im Sommer scheren sollte, damit ihnen nicht so heiß ist. Das Gegenteil ist der Fall:

  • Die doppelte Fellschicht wirkt wie eine Isolierung – sie schützt vor Hitze genauso wie vor Kälte
  • Ohne Fell ist der Hund der Sonnenstrahlung schutzlos ausgesetzt und kann Sonnenbrand bekommen
  • Das Fell wächst nach dem Scheren oft nicht mehr korrekt nach – die Unterwolle wächst schneller als das Deckhaar und kann eine filzige Schicht bilden
  • Der natürliche Thermoregulationsmechanismus wird gestört

Statt zu scheren: Regelmäßig die lose Unterwolle entfernen, damit die Luft besser zirkulieren kann. Das ist der effektivste Weg, einem Double-Coat-Hund im Sommer zu helfen.

Der Fellwechsel

Zweimal im Jahr – im Frühling und im Herbst – durchleben die meisten Hunde einen intensiven Fellwechsel. Im Frühling wird die dichte Winterunterwolle abgeworfen, im Herbst das leichtere Sommerfell durch wärmendes Winterfell ersetzt.

Tipps für den Fellwechsel

  • Tägliches Bürsten: Während des Fellwechsels ist tägliches, gründliches Bürsten Pflicht. Bei Rassen mit dichter Unterwolle kann eine Sitzung 30 bis 45 Minuten dauern.
  • Baden: Ein Bad zu Beginn des Fellwechsels kann helfen, die lose Unterwolle zu lockern. Nach dem Baden gründlich ausbürsten.
  • Ernährung: Hochwertiges Futter mit Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren unterstützt eine gesunde Fellentwicklung. Lachsöl als Ergänzung kann den Fellwechsel beschleunigen und das Fell glänzender machen.
  • Geduld: Der Fellwechsel dauert in der Regel drei bis sechs Wochen. In dieser Zeit wirst du das Gefühl haben, dass dein Hund mehr Haare verliert, als er eigentlich haben kann.

Wenn der Fellwechsel nicht aufhört

Manche Hunde haaren das ganze Jahr über stark. Mögliche Ursachen:

  • Trockene Heizungsluft in der Wohnung stört den natürlichen Fellzyklus
  • Nährstoffmangel (besonders Biotin, Zink, Omega-Fettsäuren)
  • Hormonstörungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Cushing-Syndrom
  • Allergien
  • Stress

Bei auffällig starkem oder einseitigem Haarverlust solltest du deinen Tierarzt aufsuchen.

Die Pflegesitzung: Tipps für ein stressfreies Erlebnis

Den Hund an die Pflege gewöhnen

Beginne so früh wie möglich mit der Gewöhnung an die Fellpflege – idealerweise im Welpenalter. Starte mit kurzen, positiven Einheiten:

  1. Bürste zunächst nur wenige Sekunden und belohne danach überschwänglich
  2. Steigere die Dauer langsam über Wochen
  3. Integriere die Pflege in die tägliche Routine (immer zur gleichen Zeit, am gleichen Ort)
  4. Verknüpfe die Pflege mit etwas Positivem (Leckerli, Kauartikel, Lob)

Empfindliche Bereiche

Manche Körperstellen sind für Hunde besonders sensibel:

  • Bauch: Viele Hunde mögen es nicht, am Bauch gebürstet zu werden. Arbeite hier besonders sanft.
  • Pfoten: Die Haare zwischen den Ballen müssen regelmäßig gekürzt werden, aber viele Hunde sind an den Pfoten kitzlig.
  • Ohren: Die Haare hinter den Ohren verfilzen besonders leicht. Vorsichtig mit einem feinen Kamm durcharbeiten.
  • Schwanzansatz und Hinterhand: Empfindlich, aber anfällig für Verfilzungen.

Verfilzungen lösen

Wenn sich trotz regelmäßiger Pflege Verfilzungen gebildet haben:

  1. Sprühe Entfilzungsspray auf die betroffene Stelle
  2. Versuche, den Filz mit den Fingern vorsichtig auseinanderzuziehen
  3. Arbeite mit einem groben Kamm von den Spitzen zur Basis
  4. Bei hartnäckigen Verfilzungen: Mit einer Entfilzungsschere vorsichtig aufschneiden (längs, nicht quer!)
  5. Letzte Option: Den Filz mit einer Schermaschine entfernen

Große, körpernahe Filzplatten sollten vom Hundefriseur oder Tierarzt entfernt werden, da die Haut darunter oft gereizt oder entzündet ist.

Zusammenfassung

Die Fellpflege ist ein essenzieller Bestandteil der Hundehaltung, der weit über Ästhetik hinausgeht. Regelmäßiges Bürsten hält Haut und Fell gesund, beugt Verfilzungen vor und stärkt die Bindung zu deinem Hund. Informiere dich über den spezifischen Felltyp deiner Rasse, investiere in die richtigen Werkzeuge und mache die Pflege zu einem positiven Ritual. Dein Hund – und deine Möbel – werden es dir danken.