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Parasiten18.2.2026

Bandwurm beim Hund – Erkennen, Behandeln und Vorbeugen

Was sind Bandwürmer?

Bandwürmer (Cestoden) sind flache, segmentierte Parasiten, die im Dünndarm von Hunden leben. Sie gehören zu den häufigsten Darmparasiten beim Hund. Ihren Namen verdanken sie ihrem bandförmigen, platten Körper, der aus einzelnen Gliedern (Proglottiden) besteht. Mit dem Kopf (Scolex) heften sie sich an die Darmwand und nehmen Nährstoffe direkt über ihre Körperoberfläche auf. Bandwürmer können je nach Art wenige Millimeter bis mehrere Meter lang werden. Obwohl ein Bandwurmbefall bei Hunden oft milde oder sogar symptomlos verläuft, ist die Behandlung wichtig – nicht nur für die Gesundheit deines Hundes, sondern auch weil einige Bandwurmarten auf den Menschen übertragbar sind.

Die wichtigsten Bandwurmarten beim Hund

Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum)

Der häufigste Bandwurm beim Hund in Mitteleuropa. Der Name kommt von der Form der Bandwurmglieder, die an Gurkenkerne erinnern.

  • Zwischenwirt: Flöhe und Haarlinge. Der Hund infiziert sich, indem er beim Fell-Beknabbern einen infizierten Floh verschluckt.
  • Größe: Bis zu 50 cm lang.
  • Erkennung: Die reifgebundenen Glieder (Proglottiden) werden mit dem Kot ausgeschieden und können als weiße, reiskorngroße, sich bewegende Teilchen im Fell rund um den After oder im Hundekot gefunden werden. Getrocknet sehen sie aus wie kleine, gelbe Reiskörner oder Sesamkörner.

Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)

Einer der gefährlichsten Bandwürmer – nicht primär für den Hund, sondern für den Menschen!

  • Natürlicher Endwirt: Fuchs (aber auch Hund und Katze können Endwirt sein).
  • Zwischenwirte: Nagetiere (Mäuse, Wühlmäuse).
  • Infektion des Hundes: Durch Fressen infizierter Mäuse.
  • Größe: Nur 2 bis 4 mm lang – mit bloßem Auge kaum sichtbar.
  • Zoonoserisiko: Der Fuchsbandwurm kann beim Menschen die alveoläre Echinokokkose verursachen – eine schwere, potenziell tödliche Erkrankung, bei der sich Larven tumorartig in der Leber ausbreiten. In Deutschland werden jährlich etwa 40 bis 50 Fälle beim Menschen diagnostiziert. Die Infektion des Menschen erfolgt durch orale Aufnahme der Eier (z. B. über kontaminierte Beeren, Erde oder den direkten Kontakt mit dem infizierten Hund).

Hundebandwurm (Echinococcus granulosus)

  • Zwischenwirte: Schafe, Rinder, Schweine und andere Nutztiere.
  • Infektion: Durch Fressen von rohen Innereien (Lunge, Leber) infizierter Schlachttiere.
  • Zoonoserisiko: Verursacht beim Menschen die zystische Echinokokkose (Bildung von Zysten vor allem in der Leber). Seltener in Deutschland als der Fuchsbandwurm, aber häufiger in südlichen Ländern.
  • In Deutschland: Vor allem relevant bei Hunden, die aus dem Ausland importiert werden oder in Südeuropa gereist sind.

Taenia-Arten

Verschiedene Taenia-Arten (z. B. Taenia pisiformis, Taenia hydatigena) befallen Hunde:

  • Zwischenwirte: Kaninchen, Hasen, Schafe, Rinder.
  • Infektion: Durch Fressen von rohem Fleisch oder Innereien infizierter Zwischenwirte.
  • Größe: Bis zu 2 Meter lang.
  • Zoonoserisiko: Gering.

Mesocestoides-Arten

  • Seltener vorkommende Bandwürmer
  • Zwischenwirte: Reptilien, Amphibien, kleine Säugetiere
  • Können bei massivem Befall zu Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen

Symptome eines Bandwurmbefalls

Häufig symptomlos

Viele Hunde mit Bandwurmbefall zeigen keinerlei Symptome. Der Bandwurm lebt still im Darm und entzieht dem Hund nur geringe Mengen Nährstoffe.

Mögliche Symptome

  • Reiskornähnliche Teilchen im Fell am After: Das auffälligste und häufigste Zeichen, besonders beim Gurkenkernbandwurm. Frische Proglottiden bewegen sich noch!
  • Wurmglieder im Kot: Beim Kotabsetzen können weiße Segmente sichtbar sein.
  • Rutschen auf dem Hinterteil (Schlittenfahren): Der Hund rutscht mit dem After über den Boden – ein Zeichen für Juckreiz in der Analregion (kann aber auch auf Analdrüsenprobleme hindeuten).
  • Juckreiz am After: Der Hund leckt oder beißt vermehrt an der Analregion.
  • Gewichtsverlust: Bei starkem Befall, besonders bei jungen oder geschwächten Hunden.
  • Stumpfes Fell: Mangelhafte Nährstoffversorgung kann sich im Fellbild zeigen.
  • Wechselnder Appetit: Mal Heißhunger, mal Appetitlosigkeit.
  • Verdauungsprobleme: Weicher Kot, gelegentlicher Durchfall oder Verstopfung.
  • Aufgeblähter Bauch: Besonders bei Welpen mit starkem Befall.

Diagnose

Kotuntersuchung

  • Makroskopisch: Die mit bloßem Auge sichtbaren Bandwurmglieder (Proglottiden) im Kot oder am After sind diagnostisch. Du kannst sie dem Tierarzt zeigen oder ein Foto mitbringen.
  • Mikroskopisch: Flotationsverfahren (Kotuntersuchung auf Wurmeier) kann Bandwurmeier nachweisen, ist aber weniger zuverlässig als bei Rundwürmern, da Bandwurmeier nicht gleichmäßig im Kot verteilt sind.
  • Koproantigen-Test: Für Echinococcus-Arten gibt es spezielle Antigentests, die empfindlicher sind als die Flotation.

Herausforderung der Diagnostik

Bandwurmeier werden nicht regelmäßig mit dem Kot ausgeschieden – ein negatives Kotuntersuchungsergebnis schließt einen Bandwurmbefall nicht aus! Bei Verdacht auf Bandwurmbefall (Risikofaktoren wie Flohbefall, Mäusejagen, rohes Fleisch) ist eine prophylaktische Wurmkur oft sinnvoller als wiederholte Kotuntersuchungen.

Behandlung

Entwurmung mit Praziquantel

Praziquantel ist der Wirkstoff der Wahl gegen alle Bandwurmarten:

  • Wird als Tablette, Paste oder Spot-on verabreicht
  • Tötet die Bandwürmer direkt im Darm ab
  • Der tote Wurm wird verdaut – du wirst in der Regel keinen ganzen Wurm im Kot sehen
  • Sehr gut verträglich, Nebenwirkungen sind selten (gelegentlich leichter Durchfall oder Erbrechen)
  • Einzeldosis in der Regel ausreichend

Kombinationspräparate

Viele gängige Wurmkuren sind Kombinationspräparate, die neben Praziquantel auch Wirkstoffe gegen Rundwürmer (Milbemycinoxim, Fenbendazol, Pyrantel) enthalten.

Bei Gurkenkernbandwurm: Flohbehandlung zwingend!

Die Behandlung eines Gurkenkernbandwurmbefalls ist nur dann nachhaltig erfolgreich, wenn gleichzeitig eine konsequente Flohbekämpfung durchgeführt wird – am Hund und in der Umgebung. Ohne Flohbehandlung infiziert sich der Hund immer wieder neu.

Vorbeugung

Regelmäßige Entwurmung

Die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) empfiehlt:

  • Mindestens 4x pro Jahr (alle 3 Monate) Entwurmung für den durchschnittlichen Hund.
  • Monatlich bei erhöhtem Risiko: Hunde, die Mäuse jagen, rohes Fleisch bekommen (BARF), in Gebieten mit hohem Fuchsbandwurmvorkommen leben oder Kontakt zu Kindern, Schwangeren oder immungeschwächten Personen haben.
  • Alternativ: Regelmäßige Kotuntersuchungen (alle 1 bis 3 Monate) statt blinder Entwurmung.

Flohprophylaxe

Die konsequente Flohvorsorge verhindert den Gurkenkernbandwurm – den häufigsten Bandwurm beim Hund.

Weitere Maßnahmen

  • Kein rohes, unbehandeltes Fleisch: Insbesondere keine rohen Innereien (Leber, Lunge) von Schlachttieren. Rohes Fleisch für BARF sollte vorher mindestens 7 Tage bei -17 bis -20 °C tiefgefroren werden, um Bandwurmstadien abzutöten.
  • Mäusejagen unterbinden: Schwierig, aber versuche, deinen Hund davon abzuhalten, Mäuse zu fangen und zu fressen. Das reduziert das Risiko für den Fuchsbandwurm.
  • Kot aufsammeln: Hundekot im öffentlichen Raum aufsammeln, um die Verbreitung von Bandwurmeiern zu reduzieren.
  • Hygiene: Hände waschen nach dem Kontakt mit dem Hund, besonders vor dem Essen. Keine Küsse auf die Schnauze.

Reisevorsorge

Bei Reisen in südeuropäische Länder oder den Mittelmeerraum ist das Risiko für den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) erhöht. Manche Länder (z. B. Großbritannien, Irland, Norwegen, Finnland) verlangen eine dokumentierte Bandwurmbehandlung mit Praziquantel 1 bis 5 Tage vor der Einreise.

Bandwürmer und die Gefahr für den Menschen

Gurkenkernbandwurm

Das Risiko für den Menschen ist gering. Eine Infektion ist nur durch das Verschlucken eines infizierten Flohs möglich – was bei Erwachsenen praktisch nicht vorkommt. Kleinkinder, die auf dem Boden spielen und Dinge in den Mund nehmen, haben ein minimal höheres Risiko.

Fuchsbandwurm – ernstes Zoonoserisiko

Die alveoläre Echinokokkose ist eine schwere Erkrankung mit langer Inkubationszeit (5 bis 15 Jahre). Das Risiko ist statistisch gering, die Konsequenzen aber erheblich. Besonders gefährdet sind Menschen in ländlichen Gebieten mit engem Kontakt zu Hunden, die Mäuse jagen.

Schutzmaßnahmen:

  • Regelmäßige Entwurmung des Hundes (monatlich in Risikogebieten)
  • Hände waschen nach Hundekontakt
  • Keine ungewaschenen Waldfrüchte essen
  • Hundekot sofort entsorgen
  • Besonders bei Kontakt mit Kindern, älteren oder immungeschwächten Menschen auf konsequente Entwurmung achten

Zusammenfassung

Bandwürmer sind häufige Darmparasiten beim Hund, die in vielen Fällen symptomlos verlaufen. Der Gurkenkernbandwurm wird über Flöhe übertragen, weshalb Flohbekämpfung und Entwurmung Hand in Hand gehen. Der Fuchsbandwurm ist für den Hund harmlos, stellt aber ein ernstes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Regelmäßige Entwurmung mit Praziquantel, konsequente Flohprophylaxe und grundlegende Hygienemaßnahmen schützen deinen Hund und deine Familie. Wenn du reiskornähnliche Teilchen im Fell deines Hundes am After entdeckst, lass ihn zeitnah entwurmen und behandle gleichzeitig gegen Flöhe.