Zecken bei Katzen – warum sie gefährlich sein können
Zecken sind blutsaugende Parasiten, die nicht nur lästig, sondern auch potenziell gefährlich für deine Katze sind. In Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) die mit Abstand häufigste Zeckenart, daneben kommen die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und zunehmend auch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) vor.
Während Zecken beim Hund als Überträger zahlreicher Krankheiten bekannt sind, wird ihre Bedeutung bei Katzen oft unterschätzt. Dabei können auch Katzen durch Zeckenstiche erkranken. Freigängerkatzen sind besonders betroffen, da sie beim Streifen durch Gras, Gebüsch und Unterholz idealen Kontakt zu wartenden Zecken haben. Aber auch Wohnungskatzen mit Balkonzugang oder in Erdgeschosswohnungen können gelegentlich eine Zecke abbekommen.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du eine Zecke bei deiner Katze richtig entfernst, welche Krankheiten Zecken übertragen können und wie du deine Katze wirksam schützt.
Wie kommt die Zecke auf die Katze?
Zecken lauern auf Grashalmen, in Büschen und im Unterholz und warten darauf, dass ein Wirt vorbeikommt. Sie erkennen potenzielle Wirte anhand von Körperwärme, CO₂-Ausstoß und Bewegung. Streift deine Katze an einem Grashalm vorbei, an dem eine Zecke sitzt, klammert sich der Parasit am Fell fest.
Von dort aus sucht die Zecke eine geeignete Stelle für den Stich – bevorzugt dünnhäutige, gut durchblutete Körperregionen. Bei Katzen sind das vor allem:
- Kopf und Ohren (besonders häufig!)
- Hals und Nacken
- Achseln und Leistengegend
- Zwischen den Zehen
- Rund um die Augen
Die Zecke ritzt die Haut an, führt ihr Stechwerkkzeug ein und beginnt, Blut zu saugen. Dabei gibt sie Speichel in die Wunde ab, der gerinnungshemmende und entzündungshemmende Stoffe enthält. In diesem Speichel können auch Krankheitserreger enthalten sein.
Zecke entfernen – Schritt für Schritt
Je schneller du eine Zecke entfernst, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung. Die meisten Erreger werden erst nach 12 bis 24 Stunden übertragen. Deshalb solltest du deine Freigängerkatze nach jedem Freigang gründlich absuchen.
Was du brauchst
- Zeckenzange, Zeckenkarte oder Zeckenhaken (spezielle Werkzeuge aus der Apotheke oder dem Zoofachhandel)
- Alternativ: feine, spitz zulaufende Pinzette
- Desinfektionsmittel
- Gute Beleuchtung
- Eventuell eine zweite Person, die die Katze festhält
Anleitung
- Katze beruhigen und fixieren: Streichle deine Katze, bis sie entspannt ist. Wenn sie sich stark wehrt, kann eine zweite Person sanft festhalten.
- Zecke freilegen: Schiebe das Fell rund um die Zecke zur Seite, damit du sie gut sehen und greifen kannst.
- Zecke greifen: Setze die Zeckenzange oder Pinzette möglichst hautnah an – also direkt an der Hautoberfläche, nicht am vollgesogenen Körper der Zecke.
- Langsam und gleichmäßig ziehen: Ziehe die Zecke mit gleichmäßigem, sanftem Zug gerade nach oben heraus. Kein ruckartiges Reißen! Du kannst die Zecke dabei leicht drehen, das erleichtert das Herauslösen.
- Einstichstelle kontrollieren: Prüfe, ob die Zecke vollständig entfernt wurde. Manchmal bleibt ein kleiner dunkler Punkt in der Haut zurück – das sind Reste des Stechapparats.
- Desinfizieren: Reinige die Einstichstelle mit einem tierverträglichen Desinfektionsmittel.
- Zecke entsorgen: Zerdrücke die Zecke nicht mit den Fingern. Am besten in ein gefaltetes Stück Klebeband einwickeln oder in Alkohol einlegen und im Hausmüll entsorgen.
Was du NICHT tun solltest
- Kein Öl, kein Klebstoff, kein Nagellack: Diese Hausmittel stressen die Zecke und können dazu führen, dass sie vermehrt Speichel (und damit Krankheitserreger) in die Wunde abgibt.
- Nicht quetschen: Den vollgesogenen Körper nicht zusammendrücken – dadurch können Erreger in die Wunde gepresst werden.
- Nicht mit den Fingernägeln herausziehen: Zu grobes Zupacken kann die Zecke zerreißen.
- Nicht warten: Je länger die Zecke saugt, desto höher das Infektionsrisiko.
Was, wenn Reste stecken bleiben?
Wenn ein kleiner Rest des Stechapparats in der Haut stecken bleibt, ist das meistens kein Grund zur Panik. Der Fremdkörper wird in der Regel vom Körper innerhalb weniger Tage abgestoßen. Es kann sich eine kleine Entzündung bilden, die wie ein Pickel aussieht. Beobachte die Stelle in den folgenden Tagen. Wenn die Entzündung zunimmt, sich die Stelle stark rötet, warm anfühlt oder deine Katze Schmerzen zeigt, geh zum Tierarzt.
Welche Krankheiten übertragen Zecken auf Katzen?
Borreliose (Lyme-Borreliose)
Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst und vom Gemeinen Holzbock übertragen. Während die Borreliose beim Hund eine klar beschriebene Erkrankung ist, scheinen Katzen deutlich weniger empfindlich zu sein. Dennoch gibt es einzelne Fallberichte über Lahmheit, Fieber und Gelenkprobleme bei Katzen nach Zeckenstich.
Anaplasmose
Anaplasmen sind bakterielle Erreger, die weiße Blutkörperchen befallen. Symptome bei der Katze können Fieber, Lethargie und Appetitlosigkeit umfassen. Die Erkrankung ist bei Katzen selten, aber möglich.
Babesiose
Die Babesiose (Hundemalaria) wird hauptsächlich von der Auwaldzecke übertragen und befällt rote Blutkörperchen. Katzen erkranken sehr selten, vereinzelte Fälle sind jedoch beschrieben.
Hämobartonellose (Feline infektiöse Anämie)
Diese Erkrankung wird durch Mycoplasma haemofelis verursacht, einen Erreger, der rote Blutkörperchen befällt und zerstört. Die Übertragung erfolgt wahrscheinlich über Zecken und Flöhe. Symptome sind Blutarmut, Schwäche, Blässe der Schleimhäute und Fieber. Die Hämobartonellose ist die klinisch relevanteste zeckenübertragene Erkrankung bei Katzen.
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
FSME wird durch Viren übertragen und kann bei Katzen zu neurologischen Symptomen führen. Die Erkrankung ist bei Katzen extrem selten, aber in Einzelfällen beschrieben.
Einstichstelle beobachten – wann zum Tierarzt?
Nach dem Entfernen einer Zecke solltest du die Einstichstelle über die nächsten Tage und Wochen beobachten. Geh zum Tierarzt, wenn du folgendes bemerkst:
- Starke Schwellung oder Rötung, die zunimmt
- Eiterbildung oder offene Wunde
- Deine Katze kratzt oder leckt übermäßig an der Stelle
- Allgemeinsymptome in den Wochen nach dem Zeckenstich: Fieber, Appetitlosigkeit, Lahmheit, Teilnahmslosigkeit
- Blasse Schleimhäute (Hinweis auf Blutarmut)
Vorbeugung: So schützt du deine Katze vor Zecken
Spot-on-Präparate
Spot-on-Präparate werden monatlich in den Nacken aufgetragen und bieten einen zuverlässigen Zeckenschutz. Für Katzen zugelassene Wirkstoffe sind unter anderem:
- Fipronil: Bewährter Wirkstoff, der Zecken und Flöhe abtötet. Gut verträglich bei Katzen.
- Fluralaner: Langzeitwirkstoff (bis zu 12 Wochen Schutz), als Spot-on für Katzen verfügbar.
- Permethrin-freie Präparate: Wichtig! Permethrin, das in vielen Hundepräparaten enthalten ist, ist für Katzen hochgiftig und lebensbedrohlich.
Zeckenhalsbänder
Es gibt spezielle Zeckenhalsbänder für Katzen, die über mehrere Monate einen repellierenden und abtötenden Wirkstoff freisetzen. Achte auf Halsbänder mit Sollbruchstelle, damit sich deine Katze nicht stranguliert, wenn sie hängen bleibt.
Regelmäßiges Absuchen
Die einfachste und wirksamste Maßnahme: Suche deine Katze nach jedem Freigang gründlich nach Zecken ab. Streiche mit den Händen systematisch über den ganzen Körper. Achte besonders auf Kopf, Ohren, Hals und Achselbereiche. Je früher du eine Zecke findest und entfernst, desto geringer das Infektionsrisiko.
Umgebung anpassen
- Rasen kurz halten
- Laub und Totholz im Garten entfernen
- Zeckenfreundliche Feuchtbiotope im Garten reduzieren
Besondere Vorsicht: Permethrin-Vergiftung bei Katzen
Ein besonders wichtiger Hinweis: Verwende niemals Zecken- oder Flohpräparate für Hunde bei deiner Katze! Viele Hundepräparate enthalten den Wirkstoff Permethrin, der für Katzen extrem giftig ist. Schon kleine Mengen können zu schweren Vergiftungen mit Muskelzittern, Krämpfen und Lebensgefahr führen.
Auch wenn Hund und Katze zusammenleben, müssen Hundepräparate mit Permethrin vorsichtig verwendet werden. Lass den Hund nach dem Auftragen von der Katze getrennt, bis das Präparat vollständig eingezogen ist.
Symptome einer Permethrin-Vergiftung bei Katzen:
- Starkes Muskelzittern und Muskelzuckungen
- Krämpfe
- Übermäßiges Speicheln
- Koordinationsstörungen
- Erweitertes Pupillen
Bei Verdacht auf eine Permethrin-Vergiftung sofort zum Tierarzt – das ist ein absoluter Notfall!
Zeckensaison – wann ist das Risiko am höchsten?
Die klassische Zeckensaison in Deutschland erstreckt sich von März bis Oktober, wobei die Aktivität im Frühling (April/Mai) und Herbst (September/Oktober) besonders hoch ist. Durch milde Winter können Zecken inzwischen aber auch in den Wintermonaten aktiv sein, sobald die Temperaturen über 7 °C steigen.
Besonders aktiv sind Zecken bei:
- Temperaturen zwischen 10 und 25 °C
- Hoher Luftfeuchtigkeit (nach Regen, an schattigen Stellen)
- In Waldrandgebieten, an Bächen und in hohem Gras
Wenn deine Katze Freigänger ist, solltest du den Zeckenschutz mindestens während der Hauptsaison konsequent durchführen – in milden Regionen möglicherweise ganzjährig.
Häufige Fragen
Kann meine Wohnungskatze Zecken bekommen?
Es ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Zecken können über Kleidung, Schuhe oder Hunde in die Wohnung gelangen. Katzen mit Balkonzugang in Erdgeschosswohnungen sind ebenfalls gelegentlich betroffen.
Wie schnell muss ich eine Zecke entfernen?
So schnell wie möglich! Die meisten Krankheitserreger werden erst nach 12 bis 24 Stunden übertragen. Je schneller du die Zecke entfernst, desto geringer das Risiko.
Meine Katze hat sehr viele Zecken – was tun?
Bei massivem Zeckenbefall solltest du alle Zecken sorgfältig entfernen und mit deinem Tierarzt über ein wirksames Zeckenpräparat sprechen. Ein Spot-on oder Halsband kann die Situation schnell verbessern.
Können Katzen gegen Borreliose geimpft werden?
Für Katzen gibt es derzeit keine zugelassene Borreliose-Impfung. Der beste Schutz ist die konsequente Zeckenprophylaxe und das frühzeitige Entfernen von Zecken.
Zusammenfassung
Zecken sind für Freigängerkatzen ein alltägliches Risiko, das du mit den richtigen Maßnahmen gut in den Griff bekommst. Entferne Zecken immer so schnell wie möglich mit geeignetem Werkzeug, beobachte die Einstichstelle und achte auf Krankheitsanzeichen in den Wochen nach dem Stich. Schütze deine Katze mit zugelassenen Spot-on-Präparaten oder Zeckenhalsbändern – verwende aber niemals Hundepräparate mit Permethrin. Regelmäßiges Absuchen nach dem Freigang ist die einfachste und zugleich wichtigste Maßnahme.