Zurück zum Ratgeber
🪱
Parasiten18.2.2026

Spulwurm beim Hund – Symptome, Behandlung und Ansteckungsgefahr

Was sind Spulwürmer beim Hund?

Spulwürmer (Toxocara canis) sind die häufigsten Darmparasiten beim Hund und kommen weltweit vor. Die ausgewachsenen Würmer leben im Dünndarm und können eine beachtliche Größe von 10 bis 18 Zentimetern erreichen. Sie sehen aus wie helle, spaghettiartige Fäden und werden von vielen Hundebesitzern erst bemerkt, wenn sie im Kot oder im Erbrochenen des Hundes auftauchen. Besonders Welpen sind extrem häufig betroffen – Studien zeigen, dass bis zu 90 Prozent aller Welpen bei der Geburt bereits mit Spulwürmern infiziert sind. Doch auch erwachsene Hunde können sich jederzeit neu anstecken.

Spulwürmer stellen nicht nur ein Gesundheitsrisiko für deinen Hund dar, sondern können auch auf den Menschen übertragen werden (Zoonose). Daher ist es wichtig, dass du einen Befall frühzeitig erkennst und konsequent behandelst. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Symptome, Übertragungswege, Behandlung und Vorbeugung.

Wie steckt sich der Hund mit Spulwürmern an?

Es gibt mehrere Ansteckungswege, die du kennen solltest:

Orale Aufnahme infektiöser Eier

Der klassische Übertragungsweg läuft über die orale Aufnahme von Spulwurmeiern aus der Umwelt. Ein infizierter Hund scheidet täglich Hunderttausende mikroskopisch kleiner Eier mit dem Kot aus. Diese Eier sind extrem widerstandsfähig und können im Boden über Monate bis Jahre infektiös bleiben. Dein Hund nimmt die Eier auf, wenn er am Boden schnüffelt, Gras frisst oder kontaminierten Kot beschnuppert.

Pränatale Infektion (im Mutterleib)

Dies ist der wichtigste Übertragungsweg bei Welpen. Ruhelarven (sogenannte somatische Larven), die im Gewebe der Mutterhündin eingekapselt sind, werden in der Trächtigkeit reaktiviert. Sie wandern über die Plazenta in die ungeborenen Welpen. So kommen die meisten Welpen bereits infiziert auf die Welt.

Galaktogene Infektion (über die Muttermilch)

Zusätzlich können Larven über die Muttermilch auf die saugenden Welpen übertragen werden. Dieser Übertragungsweg ergänzt die pränatale Infektion und sorgt dafür, dass nahezu jeder Welpe in den ersten Lebenswochen mit Spulwürmern zu kämpfen hat.

Über Transportwirte

Mäuse, Ratten und andere Kleinnager können als sogenannte paratenische Wirte (Transportwirte) Spulwurmlarven in ihrem Gewebe beherbergen. Frisst dein Hund eine infizierte Maus, nimmt er die Larven auf und kann sich so anstecken.

Der Lebenszyklus von Toxocara canis

Der Lebenszyklus des Hundespulwurms ist komplex und erklärt, warum die Infektion so verbreitet ist:

  1. Eiaufnahme: Dein Hund nimmt infektiöse Eier oral auf.
  2. Schlüpfen der Larven: Im Dünndarm schlüpfen die Larven aus den Eiern.
  3. Körperwanderung: Die Larven durchbohren die Darmwand und wandern über die Blutbahn in die Leber, dann in die Lunge.
  4. Lungenwanderung: In der Lunge angekommen, werden die Larven hochgehustet und wieder abgeschluckt (tracheale Wanderung).
  5. Rückkehr in den Darm: Im Dünndarm reifen die Larven zu erwachsenen Würmern heran und beginnen mit der Eiproduktion.

Bei erwachsenen Hunden mit intaktem Immunsystem verläuft die Wanderung häufig anders: Die Larven kapseln sich im Gewebe (Muskulatur, Nieren, Leber, Gehirn) ein und verharren dort als Ruhelarven. Sie werden erst in der Trächtigkeit oder bei Immunschwäche wieder aktiviert.

Symptome: So erkennst du einen Spulwurmbefall

Die Symptome hängen stark vom Alter des Hundes und der Stärke des Befalls ab.

Symptome bei Welpen

Welpen sind am schwersten betroffen. Typische Anzeichen sind:

  • Aufgeblähter Bauch (Wurmbauch): Ein kugelrunder, aufgetriebener Bauch bei einem ansonsten mageren Welpen ist ein klassisches Zeichen für massiven Spulwurmbefall.
  • Wachstumsstörungen: Betroffene Welpen bleiben kleiner und leichter als ihre Wurfgeschwister.
  • Stumpfes, glanzloses Fell: Die Nährstoffaufnahme ist gestört, was sich im Fellbild zeigt.
  • Erbrechen: Manchmal werden sogar ganze Würmer erbrochen.
  • Durchfall: Oft wechseln sich Durchfall und Verstopfung ab. Der Kot kann schleimig sein.
  • Husten: Während der Lungenwanderung der Larven kann ein trockener Husten auftreten.
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger: Beides ist möglich.
  • Allgemeine Schwäche: Die Welpen sind weniger aktiv und spielfreudig.
  • Würmer im Kot oder Erbrochenen: Bei starkem Befall können die spaghetti-artigen Würmer sichtbar sein.

Bei sehr starkem Befall kann es bei Welpen zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, wie einem Darmverschluss durch ein Knäuel von Würmern oder einer schweren Lungenentzündung durch die wandernden Larven.

Symptome bei erwachsenen Hunden

Erwachsene Hunde mit intaktem Immunsystem zeigen oft keine oder nur milde Symptome:

  • Gelegentlich weicher Kot
  • Leichter Gewichtsverlust trotz normaler Fütterung
  • Stumpfes Fell
  • Wechselhafter Appetit
  • Gelegentliches Erbrechen

Viele erwachsene Hunde sind symptomlose Träger und scheiden dennoch Eier mit dem Kot aus. Deshalb ist eine regelmäßige Entwurmung oder Kotuntersuchung so wichtig – auch wenn dein Hund völlig gesund erscheint.

Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose erfolgt in der Regel über eine Kotuntersuchung. Der Tierarzt untersucht eine Kotprobe (idealerweise eine Sammelkotprobe über drei Tage) unter dem Mikroskop auf Spulwurmeier. Da die Eiausscheidung nicht täglich gleichmäßig erfolgt, kann eine einzelne negative Probe einen Befall nicht sicher ausschließen.

Bei Welpen mit typischen Symptomen (Wurmbauch, Wachstumsstörungen) ist die Diagnose oft schon aufgrund des klinischen Bildes sehr wahrscheinlich. Wenn Würmer im Kot oder Erbrochenen sichtbar sind, ist die Diagnose eindeutig.

Behandlung von Spulwürmern

Entwurmungsmittel (Anthelminthika)

Die Behandlung erfolgt mit bewährten Wirkstoffen, die zuverlässig gegen Spulwürmer wirken:

  • Fenbendazol: Ein Breitbandanthelminthikum, das über mehrere Tage verabreicht wird. Es wirkt gegen verschiedene Wurmstadien und ist gut verträglich.
  • Pyrantel: Wirkt als Einmalgabe gegen erwachsene Spulwürmer im Darm. Häufig in Kombinationspräparaten enthalten.
  • Milbemycinoxim: In vielen monatlichen Spot-on-Präparaten oder Tabletten enthalten. Wirkt zusätzlich gegen Herzwürmer.
  • Moxidectin: Ebenfalls in Spot-on-Präparaten als Kombinationswirkstoff verfügbar.

Entwurmungsschema für Welpen

Da Welpen fast immer bereits bei der Geburt infiziert sind, ist ein frühzeitiges und regelmäßiges Entwurmungsschema entscheidend:

  • Ab der 2. Lebenswoche: Erste Entwurmung
  • Alle 2 Wochen: Wiederholung bis 2 Wochen nach dem Absetzen von der Muttermilch
  • Danach monatlich: Bis zum Alter von 6 Monaten
  • Ab 6 Monaten: Je nach Risikobewertung mindestens 4-mal jährlich

Die Mutterhündin sollte zeitgleich mit den Welpen entwurmt werden.

Entwurmungsschema für erwachsene Hunde

Für erwachsene Hunde empfiehlt die europäische Fachgesellschaft ESCCAP je nach Risikoprofil:

  • Minimales Risiko: 1-2 Entwurmungen pro Jahr oder regelmäßige Kotuntersuchungen
  • Normales Risiko: Vierteljährliche Entwurmung (alle 3 Monate)
  • Hohes Risiko (Kontakt mit Kindern, Jagdhunde, rohes Fleisch): Monatliche Entwurmung oder monatliche Kotuntersuchung

Alternativ zur regelmäßigen Entwurmung kannst du auch regelmäßige Kotuntersuchungen (Sammelkotprobe über 3 Tage) durchführen lassen und nur bei positivem Befund entwurmen. Sprich mit deinem Tierarzt über das optimale Schema für deinen Hund.

Ansteckungsgefahr für den Menschen (Toxokarose)

Spulwürmer des Hundes können auch den Menschen befallen – allerdings verläuft die Infektion anders als beim Hund. Der Mensch ist ein sogenannter Fehlwirt: Die Larven können sich im menschlichen Körper nicht zu erwachsenen Würmern entwickeln, wandern aber durch verschiedene Organe und können dort Entzündungsreaktionen auslösen.

Formen der Toxokarose beim Menschen

  • Larva migrans visceralis: Die Larven wandern durch innere Organe wie Leber, Lunge oder Gehirn und verursachen Entzündungen, Fieber und Organsymptome.
  • Larva migrans ocularis: Besonders gefürchtet bei Kindern – eine Larve wandert ins Auge und kann dort Sehstörungen bis zur Erblindung verursachen.
  • Verdeckte (covert) Toxokarose: Milde, unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen, Husten oder allergische Reaktionen.

Wer ist besonders gefährdet?

  • Kleinkinder: Sie spielen im Sand und auf dem Boden und stecken Hände in den Mund.
  • Immungeschwächte Personen: Höheres Risiko für schwere Verläufe.
  • Gartenarbeiter: Kontakt mit kontaminierter Erde.

Schutzmaßnahmen

  • Hunde regelmäßig entwurmen, besonders wenn Kinder im Haushalt leben
  • Hundekot sofort aufsammeln und entsorgen
  • Hände waschen nach Kontakt mit dem Hund und vor dem Essen
  • Sandkästen abdecken, wenn sie nicht benutzt werden
  • Kinder sollten nicht im Gesicht von Hunden geleckt werden

Hygiene und Umweltkontamination

Spulwurmeier sind extrem widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen. Sie überleben Kälte, Hitze und die meisten Desinfektionsmittel. Im Boden können sie über Jahre infektiös bleiben. Das macht die Umweltkontamination zu einem erheblichen Problem, besonders in Parks, auf Spielplätzen und in Gärten.

Wichtige Hygienemaßnahmen:

  • Hundekot immer sofort entfernen – auch im eigenen Garten
  • Auslaufflächen regelmäßig reinigen
  • Hundedecken und -liegeplätze regelmäßig bei mindestens 60 °C waschen
  • Bei bekanntem Befall: Fell im Analbereich waschen, da Eier am Fell haften können
  • Kotsammelstellen meiden und den Hund dort nicht schnüffeln lassen

Natürliche Mittel gegen Spulwürmer – wirken sie?

Im Internet kursieren zahlreiche Empfehlungen für natürliche Entwurmungsmittel wie Kokosöl, Kürbiskerne, Knoblauch, Karotten oder Kräutermischungen. Es ist verständlich, dass viele Hundebesitzer nach sanfteren Alternativen suchen.

Die ehrliche Einschätzung: Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eine zuverlässige Wirksamkeit natürlicher Mittel gegen Spulwürmer belegen. Einzelne Bestandteile mögen im Reagenzglas eine gewisse Wirkung zeigen, doch im lebenden Organismus reichen die erreichbaren Konzentrationen nicht aus, um einen Wurmbefall sicher zu beseitigen. Knoblauch ist in höheren Dosen sogar giftig für Hunde.

Bei einem nachgewiesenen Spulwurmbefall solltest du immer auf tiermedizinisch zugelassene Entwurmungsmittel zurückgreifen. Die Gesundheit deines Hundes und der Schutz deiner Familie – besonders von Kindern – sollten Vorrang haben.

Vorbeugung: So schützt du deinen Hund

Die beste Vorbeugung gegen Spulwürmer basiert auf mehreren Säulen:

  1. Regelmäßige Entwurmung oder Kotuntersuchung: Halte dich an das mit deinem Tierarzt besprochene Schema.
  2. Konsequente Kotentsorgung: Entferne den Kot deines Hundes sofort, um die Umweltkontamination zu reduzieren.
  3. Welpen frühzeitig entwurmen: Beginne ab der 2. Lebenswoche mit dem Entwurmungsschema.
  4. Trächtige Hündinnen behandeln: Sprich mit deinem Tierarzt über eine Entwurmung während der Trächtigkeit, um die Übertragung auf die Welpen zu reduzieren.
  5. Transportwirte vermeiden: Verhindere, dass dein Hund Mäuse oder Ratten frisst.
  6. Kein rohes Fleisch ohne Kontrolle: Wenn du BARF fütterst, achte auf geprüfte Qualität oder friere das Fleisch vorher ausreichend ein.

Häufige Fragen

Kann ich Spulwürmer im Kot meines Hundes sehen?

Ja, bei starkem Befall können die ausgewachsenen Würmer im Kot oder Erbrochenen sichtbar sein. Sie sind hell, rundlich und 10 bis 18 Zentimeter lang. Allerdings kann ein Befall auch vorliegen, ohne dass du Würmer siehst – die mikroskopisch kleinen Eier sind mit bloßem Auge nicht erkennbar.

Wie oft sollte ich meinen Hund gegen Spulwürmer entwurmen?

Die Empfehlung richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil. Als Faustregel gilt: mindestens 4-mal jährlich bei normalem Risiko. Bei Hunden mit Kontakt zu Kindern, immungeschwächten Personen oder hohem Infektionsdruck empfiehlt sich eine monatliche Entwurmung. Alternativ kannst du alle 3 Monate eine Kotuntersuchung machen lassen.

Kann ich mich bei meinem Hund mit Spulwürmern anstecken?

Ja, eine Übertragung ist möglich, allerdings nicht durch direkten Kontakt, sondern über die orale Aufnahme infektiöser Eier aus der Umwelt. Gute Hygiene (Händewaschen, Kotentsorgung) reduziert das Risiko erheblich.

Sind Spulwürmer bei Welpen gefährlich?

Ja, bei Welpen kann ein massiver Spulwurmbefall lebensbedrohlich sein. Es können Wachstumsstörungen, schwere Durchfälle, Darmverschlüsse und Lungenentzündungen auftreten. Deshalb ist die frühzeitige Entwurmung ab der 2. Lebenswoche so wichtig.

Zusammenfassung

Spulwürmer sind die häufigsten Darmparasiten beim Hund und betreffen vor allem Welpen. Die Übertragung erfolgt über infektiöse Eier aus der Umwelt, über die Mutterhündin auf die Welpen (pränatal und über die Muttermilch) und über Transportwirte wie Mäuse. Während erwachsene Hunde oft keine Symptome zeigen, können Welpen schwer erkranken. Eine regelmäßige Entwurmung oder Kotuntersuchung ist der beste Schutz – für deinen Hund und deine Familie. Achte auf konsequente Hygiene, sammle Hundekot immer sofort ein und sprich mit deinem Tierarzt über das optimale Entwurmungsschema für deinen Vierbeiner. Auch das Erkennen von Flohbefall ist wichtig, da Flöhe als Zwischenwirte für bestimmte Bandwurmarten dienen.