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verhalten18.2.2026

Katze und Silvester – Angst lindern und sicher durch die Nacht

Katze und Silvester – So hilfst du deiner Katze durch die Nacht

Für die meisten Menschen ist Silvester ein Anlass zum Feiern. Für viele Katzen ist es der schlimmste Tag des Jahres. Die plötzlichen, unberechenbaren Knallgeräusche, die grellen Lichtblitze und der ungewohnte Geruch von Schießpulver können selbst sonst gelassene Katzen in Panik versetzen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du deine Katze optimal auf Silvester vorbereitest und was du tun kannst, wenn die Angst bereits da ist.

Warum haben Katzen Angst vor Feuerwerk?

Das feine Gehör

Katzen hören deutlich besser als Menschen. Während der menschliche Hörbereich bei etwa 20.000 Hertz endet, können Katzen Frequenzen bis zu 65.000 Hertz wahrnehmen. Was für uns laut ist, ist für eine Katze ohrenbetäubend. Die plötzlichen Explosionsgeräusche von Böllern und Raketen überschreiten die Schmerzgrenze ihres empfindlichen Gehörs bei Weitem.

Kontrollverlust

Katzen sind Gewohnheitstiere, die ihr Territorium genau kennen und kontrollieren. Feuerwerk durchbricht diese Kontrolle auf allen Ebenen:

  • Die Geräusche sind unberechenbar (kein Muster, keine Vorwarnung)
  • Die Lichtblitze verändern die gewohnte Umgebung
  • Der Geruch von Schwarzpulver und Schwefel ist fremd und bedrohlich
  • Die Vibrationen der Explosionen übertragen sich auf den Boden und die Möbel

Individuelle Angst

Nicht alle Katzen reagieren gleich auf Feuerwerk. Manche sind nur leicht nervös, andere verfallen in regelrechte Panik. Die Reaktion hängt ab von:

  • Charakter und Temperament (ängstliche Katzen reagieren stärker)
  • Frühere Erfahrungen (Traumata durch Knallkörper)
  • Alter (ältere Katzen reagieren oft empfindlicher)
  • Sozialisation (Katzen, die als Kätzchen verschiedene Geräusche kennengelernt haben, sind oft gelassener)
  • Rasse (sensible Rassen wie die Siamkatze reagieren tendenziell stärker)

Vorbereitung: Tage vor Silvester

Freigänger rechtzeitig reinholen

Das Wichtigste zuerst: Halte deine Freigänger-Katze ab dem 31. Dezember mittags im Haus. Idealerweise schon am 30. Dezember abends, da in manchen Gegenden bereits vorher geböllert wird. In Panik geratene Freigänger laufen orientierungslos davon, verstecken sich unter Autos oder Büschen und finden den Weg nach Hause nicht mehr zurück. Jedes Jahr gehen rund um Silvester tausende Katzen verloren.

Sicherheitsmaßnahmen für Freigänger:

  • Katzenklappe schließen oder blockieren
  • Alle Fenster und Türen kontrollieren – auch gekippte Fenster!
  • Mikrochip und Registrierung bei TASSO oder FINDEFIX aktualisieren
  • Aktuelles Foto der Katze bereitlegen
  • Halsband mit Adresse und Telefonnummer anlegen (Sicherheitsverschluss!)

Rückzugsorte einrichten

Katzen brauchen bei Angst einen sicheren Rückzugsort. Richte mehrere Versteckmöglichkeiten ein:

  • Höhlen oder Kartons mit Decken auskleiden
  • Plätze unter Betten oder in Schränken zugänglich lassen (nicht versperren!)
  • Bewährte Verstecke der Katze nicht verändern
  • Ein Raum mit möglichst wenigen Fenstern als „Schutzraum" vorbereiten
  • Kleidungsstücke, die nach dir riechen, in die Verstecke legen

Pheromon-Präparate

Feliway ist ein synthetisches Analogon des Katzen-Gesichtspheromones, das eine beruhigende Wirkung auf Katzen haben kann. Stecke den Feliway-Verdampfer idealerweise schon ein bis zwei Wochen vor Silvester in den Raum, in dem sich die Katze am meisten aufhält, damit sich die Wirkung aufbauen kann.

Desensibilisierung (langfristig)

Wenn deine Katze jedes Jahr stark unter Silvester leidet, kannst du – Monate vor Silvester – mit einer Geräuschdesensibilisierung beginnen:

  1. Lade Geräuschaufnahmen von Feuerwerk herunter
  2. Spiele sie zunächst kaum hörbar ab, während die Katze etwas Angenehmes tut (Futter, Spielen)
  3. Steigere die Lautstärke über Wochen sehr langsam
  4. Verknüpfe die Geräusche immer mit positiven Erlebnissen
  5. Wichtig: Wenn die Katze Angst zeigt, die Lautstärke sofort reduzieren

Dieser Prozess braucht viel Geduld und funktioniert nicht bei allen Katzen, kann aber bei mäßig ängstlichen Tieren eine deutliche Verbesserung bringen.

Am Silvesterabend

Lärm reduzieren

  • Fenster und Türen schließen, Rollläden herunterlassen
  • Vorhänge zuziehen
  • Radio oder Fernseher auf normaler Lautstärke laufen lassen, um die Außengeräusche zu überlagern – klassische Musik oder ruhige Sendungen eignen sich gut
  • Weißes Rauschen (White Noise) über einen Lautsprecher abspielen

Verhalten des Menschen

Dein Verhalten hat großen Einfluss auf deine Katze:

Ruhe ausstrahlen: Katzen sind Meister darin, die Stimmung ihrer Menschen zu lesen. Wenn du selbst nervös oder angespannt bist, überträgt sich das auf deine Katze. Verhalte dich möglichst normal und gelassen.

Nicht übertrieben trösten: Wenn du deine Katze bei jedem Knall aufnimmst und hektisch streichelst, signalisierst du ihr: „Da ist tatsächlich etwas Bedrohliches!" Besser: Ruhig neben der Katze sitzen, normal sprechen und Streicheln anbieten, aber nicht aufdrängen.

Nicht schimpfen: Wenn deine Katze vor Angst unsauber wird, auf Möbel springt oder kratzt, schimpfe auf keinen Fall. Das verstärkt ihre Angst.

Normalität wahren: Füttere zur normalen Zeit, halte Routinen ein und tue so, als wäre nichts Besonderes.

Spielen und Ablenken

Manche Katzen lassen sich durch Spielen oder besonders leckeres Futter von den Geräuschen ablenken. Biete an:

  • Interaktives Spielzeug (Federstab, Laserpointer)
  • Besondere Leckerlis oder ein neues Spielzeug
  • Intelligenzspielzeug mit Futterfüllung

Wenn deine Katze kein Interesse zeigt, dränge sie nicht. Manche Katzen ziehen sich lieber zurück – und das ist in Ordnung.

Verstecken lassen

Wenn deine Katze sich verkrümmelt – unter dem Bett, im Schrank, hinter dem Sofa – lass sie dort. Ziehe sie nicht hervor und versuche nicht, sie zum Rauskommen zu bewegen. Das Versteck gibt ihr ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Stelle Wasser und eine Katzentoilette in die Nähe des Verstecks.

Beruhigungsmittel und natürliche Helfer

Natürliche Mittel

  • Feliway (Pheromonverdampfer): Wie oben beschrieben, kann beruhigend wirken
  • Baldrian: Manche Katzen reagieren auf Baldrianwurzel oder -spray entspannend (andere werden davon aufgedreht – vorher testen!)
  • Bachblüten (Rescue Remedy): Die Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt, wird aber von vielen Katzenbesitzern als hilfreich empfunden. Einige Tropfen ins Trinkwasser oder direkt ins Maul.
  • Zylkène: Ein Ergänzungsfuttermittel auf Basis von Casein (Milchprotein), das eine beruhigende Wirkung haben kann. Einige Tage vor Silvester mit der Gabe beginnen.

Tierärztliche Sedierung

Bei Katzen mit schwerer Silvesterangst kann der Tierarzt ein Beruhigungsmittel verschreiben. Sprich das Thema rechtzeitig an – nicht erst am 31. Dezember. Mögliche Optionen:

  • Gabapentin: Ein Medikament, das bei Katzen angstlösend wirkt und häufig für Tierarztbesuche und stressige Situationen eingesetzt wird
  • Benzodiazepine: In schweren Fällen kann der Tierarzt ein Benzodiazepin verschreiben
  • Wichtig: Acepromazin (ein früher häufig verwendetes Beruhigungsmittel) sollte vermieden werden, da es nur die Bewegungsfähigkeit hemmt, aber die Angst nicht reduziert – die Katze ist dann ängstlich, kann aber nicht flüchten

Mehrere Katzen im Haushalt

Wenn du mehrere Katzen hast, beachte:

  • Jede Katze braucht ihren eigenen Rückzugsort
  • Ängstliche Katzen können auf Mitbewohner-Katzen aggressiv reagieren – aus purer Angst
  • Übertragung von Angst: Eine panische Katze kann eine bisher gelassene Katze anstecken
  • Im Zweifelsfall die Katzen in verschiedenen Räumen unterbringen

Nach Silvester

Freigänger wieder rauslassen

Lass deine Freigänger-Katze erst wieder raus, wenn die Knallerei vollständig aufgehört hat – frühestens am 1. Januar mittags, besser erst am 2. Januar. Auf den Straßen liegen oft noch Blindgänger, die durch Berührung explodieren können.

Nachwirkungen beachten

Manche Katzen sind noch Tage nach Silvester verstört:

  • Verminderter Appetit
  • Versteckverhalten
  • Erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Veränderte Toilettengewohnheiten

Diese Nachwirkungen sind normal und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Biete deiner Katze Normalität, Ruhe und Geduld. Wenn die Symptome länger als eine Woche anhalten, konsultiere deinen Tierarzt.

Zusammenfassung

Silvester ist für viele Katzen eine belastende Erfahrung, die mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Maßnahmen deutlich erleichtert werden kann. Die wichtigsten Punkte: Freigänger rechtzeitig reinholen, sichere Rückzugsorte schaffen, Lärm von außen minimieren und selbst ruhig und gelassen bleiben. Tröste deine Katze, ohne sie zu bedrängen, und respektiere ihr Bedürfnis, sich zu verstecken. Bei schwerer Angst sprich rechtzeitig mit deinem Tierarzt über medikamentöse Unterstützung. Mit etwas Planung und Empathie kannst du deiner Katze helfen, die laute Nacht so stressfrei wie möglich zu überstehen.