Was ist Leptospirose?
Leptospirose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch spiralförmige Bakterien der Gattung Leptospira verursacht wird. Es gibt über 250 verschiedene Serovare (Untertypen), von denen mehrere den Hund befallen können. Die Erkrankung betrifft vor allem Leber und Nieren und kann unbehandelt tödlich verlaufen.
Leptospirose ist eine Zoonose – das bedeutet, sie kann vom Hund auf den Menschen übertragen werden. In der Humanmedizin ist sie als Weil-Krankheit oder Feldfieber bekannt. Weltweit ist Leptospirose eine der häufigsten Zoonosen. In Deutschland treten jährlich geschätzt einige hundert Fälle bei Hunden auf, die Dunkelziffer ist aber vermutlich deutlich höher.
Übertragung
Ansteckungswege beim Hund
Leptospiren werden hauptsächlich von infizierten Nagetieren (Ratten, Mäuse) über den Urin ausgeschieden. Die Bakterien überleben in feuchter Umgebung besonders gut.
Die Ansteckung erfolgt über:
- Kontaminiertes Wasser: Pfützen, Teiche, Seen, Bäche, überflutete Wiesen. Dies ist der häufigste Ansteckungsweg. Hunde, die gerne in stehenden Gewässern trinken oder schwimmen, sind besonders gefährdet.
- Kontaminierter Boden: Feuchter Boden, Schlamm, überschwemmte Flächen.
- Direkte Aufnahme von Nagerkontaminiertem Material: Kontakt mit Rattenurin oder toten Nagetieren.
- Über Schleimhäute und Hautwunden: Die Bakterien dringen über die Schleimhäute (Maul, Augen, Nase) oder kleine Hautwunden ein.
- Bissverletzungen: Durch Bisse infizierter Nagetiere.
- Hund-zu-Hund-Übertragung: Über den Urin infizierter Hunde, ist aber seltener.
Risikofaktoren
- Hunde, die in ländlichen Gebieten leben oder viel im Freien sind
- Kontakt mit stehenden Gewässern (Pfützen, Tümpel, Seen)
- Jägerisch geführte Hunde
- Warme, feuchte Jahreszeiten (Sommer und Herbst)
- Regionen mit hoher Nagerpopulation
- Überflutungsgebiete nach starken Regenfällen
Inkubationszeit und Krankheitsverlauf
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 4 bis 12 Tage. Nach dem Eindringen vermehren sich die Leptospiren im Blut (Leptospirämie) und verteilen sich im Körper. Die Hauptzielorgane sind Niere und Leber, aber auch Lunge, Milz und Augen können betroffen sein.
Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein:
- Perakut (blitzschnell): Schwere Verläufe mit Schock und Tod innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen.
- Akut: Hohe Sterblichkeit ohne aggressive Therapie. Schwere Symptome über Tage bis Wochen.
- Subakut/Chronisch: Mildere Verläufe mit schleichender Nieren- oder Leberschädigung.
- Subklinisch: Manche Hunde infizieren sich und zeigen keine oder nur minimale Symptome, scheiden aber Leptospiren über den Urin aus.
Symptome
Die Symptome sind vielfältig und hängen davon ab, welche Organe hauptsächlich betroffen sind.
Allgemeine Frühsymptome
- Fieber (oft über 40 °C)
- Abgeschlagenheit und Müdigkeit
- Fressunlust
- Muskelsteifheit und Muskelschmerzen
- Vermehrtes Trinken und Urinieren
- Erbrechen
Nierenbeteiligung (häufig)
- Vermehrtes oder vermindertes Urinieren
- Vermehrtes Trinken
- Dehydratation
- Erbrechen
- Mundgeruch (urämischer Geruch)
- In schweren Fällen: Anurie (kein Urinabsatz mehr) – ein Notfall!
Leberbeteiligung
- Gelbsucht (Ikterus): Gelbfärbung der Schleimhäute, Augen und Haut
- Erbrechen
- Durchfall
- Schmerzhafte Bauchdecke
- Dunkler Urin
Lungenbeteiligung (LPHS – Leptospiral Pulmonary Hemorrhage Syndrome)
- Atemnot
- Husten, eventuell mit Blut
- Lungenblutungen
- Diese Form ist relativ selten, aber lebensbedrohlich
Gerinnungsstörungen
- Petechien (kleine Blutungen in Haut und Schleimhäuten)
- Nasenbluten
- Blutiger Stuhl oder Urin
- Verlängerte Blutungszeit
Augenprobleme
- Entzündung der vorderen Augenkammer (Uveitis)
- Kann auch Wochen nach der akuten Erkrankung auftreten
Diagnose
Die Diagnose der Leptospirose kann herausfordernd sein, da die Symptome unspezifisch sind und viele andere Erkrankungen imitieren.
Blutuntersuchung
- Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin, SDMA): Erhöht bei Nierenbeteiligung.
- Leberwerte (ALT, ALP, Bilirubin): Erhöht bei Leberbeteiligung.
- Blutbild: Leukozytose (erhöhte weiße Blutkörperchen), Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchen).
- Elektrolyte: Oft verschoben.
Urinuntersuchung
- Veränderungen der Nierenfunktion (Proteinurie, Glukosurie)
- Nachweis von Leptospiren im Urin (PCR oder Dunkelfeldmikroskopie)
Spezifische Tests
- MAT (Mikroagglutinationstest): Der Goldstandard der Leptospirose-Diagnostik. Nachweis von Antikörpern gegen verschiedene Leptospiren-Serovare. Zwei Blutentnahmen im Abstand von 2-4 Wochen zeigen einen Titeranstieg und bestätigen eine aktive Infektion.
- PCR-Test: Nachweis von Leptospiren-DNA im Blut oder Urin. Sensitiv und schnell, aber die Ausscheidung ist nicht immer konstant.
Behandlung
Antibiotika
Leptospirose wird mit Antibiotika behandelt, die in zwei Phasen eingesetzt werden:
- Akutphase: Doxycyclin ist das Mittel der Wahl und wird über mindestens 2 Wochen verabreicht. Es beendet die Leptospirämie und eliminiert auch die Nieren-Trägerstadium.
- Alternativ: In der akuten Phase (wenn der Hund erbricht und kein Doxycyclin oral einnehmen kann) wird zunächst Ampicillin intravenös gegeben, gefolgt von Doxycyclin, sobald orale Medikation möglich ist.
Intensivtherapie
- Aggressive Infusionstherapie: Flüssigkeitsversorgung ist entscheidend, besonders bei Nierenbeteiligung.
- Antiemetika: Gegen Erbrechen.
- Leberschutztherapie: Bei Leberbeteiligung.
- Dialyse: In schweren Fällen von akutem Nierenversagen kann eine Dialyse lebensrettend sein (nur in spezialisierten Tierkliniken verfügbar).
- Sauerstofftherapie: Bei Lungenbeteiligung.
Dauer und Prognose
- Frühzeitige Behandlung: Gute Prognose, wenn die Therapie innerhalb der ersten Tage begonnen wird.
- Nierenschäden: Können reversibel sein, wenn die Therapie schnell genug einsetzt. Chronische Nierenschäden sind aber möglich.
- Leberversagen: Schwerer zu behandeln, aber ebenfalls oft reversibel.
- Sterblichkeit: Ohne Behandlung hoch. Mit aggressiver Therapie überleben die meisten Hunde, die Prognose hängt aber von der Schwere der Organschäden ab.
Impfung
Die Leptospirose-Impfung gehört zu den Core-Impfungen beim Hund.
Impfschema
- Welpen: Erste Impfung ab der 8. Lebenswoche, Wiederholung 3-4 Wochen später.
- Auffrischung: Jährlich! Anders als bei Staupe und Parvovirose hält der Impfschutz gegen Leptospirose nur etwa 12 Monate.
- Saisonale Anpassung: Bei Hunden in Hochrisikogebieten kann eine Impfung vor der Hauptsaison (Frühsommer) sinnvoll sein.
Moderne Impfstoffe
Ältere Impfstoffe enthielten nur 2 Serovare (L. canicola und L. icterohaemorrhagiae). Moderne Impfstoffe (L4-Impfstoffe) enthalten 4 Serovare und bieten einen breiteren Schutz:
- L. canicola
- L. icterohaemorrhagiae
- L. grippotyphosa
- L. australis (bzw. bratislava)
Einschränkungen der Impfung
- Die Impfung schützt nicht gegen alle über 250 Serovare – eine Infektion mit nicht im Impfstoff enthaltenen Serovaren ist theoretisch möglich.
- Die Impfung verhindert die Infektion nicht immer vollständig, reduziert aber die Schwere der Erkrankung und die Dauer der Erregerausscheidung erheblich.
- Einige Hunde zeigen nach der Impfung milde Nebenwirkungen (Mattigkeit, leichte Schwellung, selten allergische Reaktionen). Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.
Ansteckungsgefahr für den Menschen
Leptospirose ist eine meldepflichtige Zoonose. Die Übertragung vom Hund auf den Menschen ist möglich, aber selten. Das Hauptrisiko besteht durch Kontakt mit dem Urin infizierter Hunde.
Schutzmaßnahmen:
- Handschuhe beim Reinigen von Urinpfützen eines infizierten Hundes
- Gründliches Händewaschen nach Hundekontakt
- Infizierte Hunde in der akuten Phase isolieren (Urin als infektiös betrachten)
- Den Tierarzt über die Diagnose informieren, damit er dich über die Risiken aufklären kann
Vorbeugung neben der Impfung
- Stehende Gewässer meiden: Lass deinen Hund nicht aus Pfützen, Tümpeln oder stehenden Gewässern trinken.
- Ratten bekämpfen: Halte dein Grundstück frei von Nagetieren.
- Überflutungsgebiete meiden: Nach starken Regenfällen überflutete Wiesen und Wege meiden.
- Frisches Trinkwasser mitnehmen: Biete deinem Hund auf Spaziergängen immer frisches Wasser an, damit er nicht aus Pfützen trinkt.
Häufige Fragen
Wie gefährlich ist Leptospirose für meinen Hund?
Leptospirose kann unbehandelt tödlich verlaufen. Die Schwere hängt vom Serovar, der Erregermenge und dem Immunstatus des Hundes ab. Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose gut, Nieren- und Leberschäden können aber bleiben.
Kann mein geimpfter Hund Leptospirose bekommen?
Theoretisch ja, da die Impfung nicht alle Serovare abdeckt und der Impfschutz nach etwa 12 Monaten nachlässt. Die Impfung reduziert aber das Risiko und die Schwere einer Erkrankung erheblich.
Mein Hund trinkt gerne aus Pfützen – wie gefährlich ist das?
Pfützen, besonders in der Nähe von Gewässern oder in Gebieten mit hoher Nagerpopulation, können mit Leptospiren kontaminiert sein. Das Risiko ist real, besonders in der warmen Jahreszeit. Biete deinem Hund immer frisches Wasser an und versuche, das Trinken aus Pfützen zu reduzieren.
Muss die Leptospirose-Impfung wirklich jedes Jahr aufgefrischt werden?
Ja, anders als bei Staupe und Parvovirose hält der Impfschutz gegen Leptospirose nur etwa 12 Monate. Eine jährliche Auffrischung ist daher wichtig.
Zusammenfassung
Leptospirose ist eine gefährliche bakterielle Erkrankung, die über kontaminiertes Wasser, Boden oder Rattenurin auf den Hund übertragen wird. Sie befällt vor allem Nieren und Leber und kann unbehandelt tödlich verlaufen. Da die Erkrankung auch auf den Menschen übertragbar ist, hat sie zusätzliche Bedeutung. Die jährliche Impfung mit einem modernen L4-Impfstoff ist der wichtigste Schutz. Vermeide, dass dein Hund aus stehenden Gewässern trinkt, und bringe ihn bei Symptomen wie Fieber, Gelbsucht oder plötzlichem Erbrechen schnellstmöglich zum Tierarzt. Frühzeitige Diagnose und aggressive Antibiotikatherapie retten Leben.