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Hund – Gesundheit18.2.2026

Leishmaniose beim Hund – Symptome, Diagnose und Behandlung

Was ist Leishmaniose?

Leishmaniose ist eine schwere, chronische Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten der Gattung Leishmania verursacht wird. Beim Hund ist Leishmania infantum der wichtigste Erreger. Die Krankheit wird durch den Stich infizierter Sandmücken (Phlebotomus-Arten) übertragen und kommt hauptsächlich in Ländern rund um das Mittelmeer vor – daher auch die Bezeichnung „Mittelmeerkrankheit".

Leishmaniose ist eine der wichtigsten Reise- und Importkrankheiten bei Hunden in Deutschland. Immer mehr Hunde werden aus südeuropäischen Ländern adoptiert oder reisen mit ihren Besitzern in den Urlaub. Schätzungen zufolge sind in manchen Regionen Südeuropas 40-80 % der Hunde infiziert. Die Erkrankung ist nicht heilbar – eine einmal infizierte Katze oder Hund trägt den Erreger lebenslang. Allerdings lässt sich die Krankheit mit der richtigen Therapie gut kontrollieren.

Übertragung

Durch Sandmücken

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Stich weiblicher Sandmücken (auch Schmetterlingsmücken genannt). Diese winzigen, 2-3 mm großen Mücken sind in den Abendstunden und nachts aktiv. Wenn eine infizierte Sandmücke einen Hund sticht, gibt sie die Leishmanien-Parasiten in die Haut ab.

Verbreitungsgebiete der Sandmücken:

  • Mittelmeerraum: Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Südfrankreich, Kroatien, Türkei
  • Nordafrika und Naher Osten
  • Zunehmend auch in südlichen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (durch den Klimawandel)

Andere Übertragungswege

  • Bluttransfusion: Von einem infizierten auf einen nicht infizierten Hund.
  • Deckakt: Übertragung von Rüde zu Hündin ist möglich.
  • Transplazentar: Von der Mutterhündin auf die Welpen (selten).
  • Direkte Wundkontakte: Theoretisch möglich, aber sehr selten.

Ist Leishmaniose für Menschen gefährlich?

Leishmania infantum kann auch den Menschen befallen (Zoonose). Die Übertragung erfolgt jedoch nicht direkt vom Hund auf den Menschen, sondern ebenfalls über den Stich der Sandmücke. In Südeuropa kommen humane Leishmaniose-Fälle vor, besonders bei immungeschwächten Personen (z. B. HIV-Patienten). In Deutschland ist das Risiko derzeit noch sehr gering.

Inkubationszeit und Krankheitsverlauf

Die Inkubationszeit ist extrem variabel – von einigen Wochen bis zu mehreren Jahren. Nicht jeder infizierte Hund erkrankt: Manche Hunde bleiben symptomlose Träger, während andere schwer erkranken. Der Krankheitsverlauf hängt stark vom Immunsystem des einzelnen Hundes ab.

Hunde mit einer starken zellulären Immunantwort (T-Zell-vermittelte Immunität) können die Infektion kontrollieren und bleiben symptomfrei. Hunde mit einer überschießenden humoralen Immunantwort (Antikörperproduktion ohne zelluläre Kontrolle) entwickeln die klinische Erkrankung.

Symptome

Die Symptome der Leishmaniose sind vielfältig und können viele andere Erkrankungen imitieren. Nicht alle Symptome treten bei jedem Hund auf.

Hautsymptome (häufigste Symptome)

  • Schuppenbildung und Haarausfall: Besonders an den Ohrrändern, der Nase, um die Augen und an den Pfoten. Typisch ist eine trockene, „mehlige" Schuppung.
  • Nicht juckende Hautwunden: Offene, schlecht heilende Wunden, besonders an Knochenvorsprüngen (Ellbogen, Sprunggelenk).
  • Krallenwachstum (Onychogryphose): Übermäßig langes, gebogenes Krallenwachstum ist ein klassisches Leishmaniose-Zeichen.
  • Nasenbluten: Durch Beteiligung der Nasenschleimhaut.
  • Knotenbildung: Hautknoten (Leishmanioide) an verschiedenen Stellen.

Allgemeinsymptome

  • Gewichtsverlust: Trotz normaler oder sogar gesteigerter Futteraufnahme.
  • Muskelschwund: Besonders an der Kopfmuskulatur, was dem Hund ein „altes" Aussehen verleiht.
  • Müdigkeit und Leistungsminderung: Dein Hund ist weniger aktiv und schneller erschöpft.
  • Fieber: Oft wechselnd, manchmal nur leicht erhöht.
  • Vergrößerte Lymphknoten: Tastbar an Hals, Achseln und Kniekehlen.
  • Milz- und Lebervergrößerung: Feststellbar beim Tierarzt.

Augensymptome

  • Bindehautentzündung
  • Entzündung der Regenbogenhaut (Uveitis)
  • Trockene Augen

Nierenprobleme

Eine der gefährlichsten Komplikationen. Die Leishmanien können die Nieren schädigen und zu einer Niereninsuffizienz führen, die oft die Prognose bestimmt.

Gelenkprobleme

Lahmheit, Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen (Polyarthritis) können auftreten.

Diagnose

Die Diagnose der Leishmaniose basiert auf einer Kombination verschiedener Untersuchungen:

Antikörpertest (Serologie)

Der am häufigsten eingesetzte Test. Ein IFAT (Immunfluoreszenz-Antikörpertest) oder ELISA misst die Antikörper gegen Leishmanien im Blut. Wichtig zu wissen:

  • Ein positiver Antikörpertest bedeutet nicht automatisch, dass der Hund krank ist – er kann auch symptomloser Träger sein.
  • Der Titer (die Höhe der Antikörper) gibt Hinweise auf die Aktivität der Erkrankung.
  • Nach einer Infektion dauert es 1-6 Monate, bis Antikörper nachweisbar sind (serologisches Fenster).

PCR-Test

Nachweis der Leishmanien-DNA in Blut, Knochenmark, Lymphknoten oder Hautproben. Sensitiver als die Serologie und kann eine Infektion auch vor der Antikörperbildung nachweisen.

Knochenmarkspunktion

In unklaren Fällen kann eine Knochenmarksprobe entnommen werden, um die Parasiten direkt unter dem Mikroskop nachzuweisen.

Blut- und Urinuntersuchung

  • Großes Blutbild (Blutarmut, Thrombozytopenie)
  • Organwerte (Niere, Leber)
  • Eiweißelektrophorese (typische Verschiebung)
  • Urinuntersuchung (Protein im Urin als Zeichen einer Nierenbeteiligung)

Behandlung

Leishmaniose ist nicht heilbar. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu kontrollieren, die Parasitenlast zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhalten.

Standardtherapie

  • Allopurinol: Ein Leishmaniose-Basismedikament, das die Vermehrung der Parasiten hemmt. Es wird in der Regel lebenslang verabreicht. Nebenwirkung: Kann Xanthin-Harnsteine verursachen – regelmäßige Urinkontrollen sind wichtig.
  • Miltefosin (Milteforan): Ein Antiparasitikum, das über 28 Tage oral verabreicht wird. Wirkt direkt gegen die Leishmanien.
  • Antimoniate (Glucantime): Ein älteres Medikament, das als Injektion verabreicht wird. Wird noch eingesetzt, hat aber mehr Nebenwirkungen.

Typisches Behandlungsschema

  • Initialtherapie: Miltefosin über 28 Tage + Allopurinol
  • Erhaltungstherapie: Allopurinol langfristig (oft lebenslang)
  • Regelmäßige Kontrollen: Blutbild, Nierenwerte, Antikörpertiter, Urin – alle 3-6 Monate

Unterstützende Maßnahmen

  • Spezialdiät bei Nierenbeteiligung (proteinreduziert)
  • Omega-3-Fettsäuren zur Unterstützung der Immunfunktion
  • Behandlung von Hautwunden
  • Bei Augenbeteiligung: Augenmedikamente

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Stadium der Erkrankung und der Nierenfunktion ab:

  • Mildes Stadium (nur Hautsymptome, normale Nierenwerte): Gute bis sehr gute Prognose bei konsequenter Therapie. Viele Hunde leben Jahre mit guter Lebensqualität.
  • Moderates Stadium: Kontrollierbar, erfordert intensive Betreuung.
  • Schweres Stadium (Niereninsuffizienz): Ernste Prognose. Die Nierenschädigung bestimmt oft die Überlebenszeit.

Vorbeugung

Sandmückenschutz

  • Spot-on-Präparate mit Permethrin: Wirken repellierend gegen Sandmücken. Monatlich auftragen vor und während des Aufenthalts in Endemiegebieten.
  • Deltamethrin-Halsbänder (Scalibor): Bieten mehrere Monate Schutz gegen Sandmücken.
  • Abendliche Schutzmaßnahmen: Hund nachts drinnen halten, Insektengitter an Fenstern, Schlafplatz nicht im Freien.

Impfung

Es gibt einen Impfstoff gegen Leishmaniose (Letifend oder CaniLeish). Die Impfung bietet keinen vollständigen Schutz, kann aber das Erkrankungsrisiko bei infizierten Hunden reduzieren. Sie ist als Ergänzung zum Sandmückenschutz gedacht, nicht als Ersatz.

Reiseempfehlungen

  • Vor Reisen in Endemiegebiete: Sandmückenschutz mindestens 1-2 Wochen vorher beginnen
  • Hund nachts und in der Dämmerung drinnen lassen
  • Nach der Reise: 6-8 Monate nach Rückkehr Antikörpertest durchführen lassen
  • Sorgfältig abwägen, ob der Hund wirklich mit in den Urlaub muss

Leishmaniose-Hund aus dem Auslandstierschutz

Immer mehr Hunde aus südeuropäischen Ländern werden nach Deutschland vermittelt. Wenn du einen solchen Hund adoptierst:

  • Vor der Adoption: Leishmaniose-Test (Serologie + PCR) verlangen.
  • Nach der Adoption: Wiederholungstests nach 6 Monaten (serologisches Fenster).
  • Bei positivem Befund: Tierarzt mit Leishmaniose-Erfahrung aufsuchen, Therapie beginnen, regelmäßige Kontrollen einplanen.
  • Aufklärung: Informiere dich vor der Adoption gründlich über die Erkrankung und die damit verbundenen Kosten und Anforderungen.

Häufige Fragen

Ist Leishmaniose heilbar?

Nein, eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich. Die Parasiten können lebenslang im Körper verbleiben. Mit der richtigen Therapie lässt sich die Krankheit aber gut kontrollieren, und viele Hunde leben jahrelang mit guter Lebensqualität.

Kann mein Hund in Deutschland Leishmaniose bekommen?

Das Risiko ist derzeit noch sehr gering, da Sandmücken in Deutschland nur vereinzelt vorkommen. Durch den Klimawandel breiten sich die Mücken aber nach Norden aus. Die meisten Fälle in Deutschland betreffen importierte Hunde oder Hunde, die in Endemiegebiete gereist sind.

Wie teuer ist die Behandlung?

Die Kosten variieren, aber rechne mit monatlichen Medikamentenkosten von 30-80 Euro (Allopurinol) plus regelmäßige Blutuntersuchungen alle 3-6 Monate. Die Initialtherapie ist teurer. Bei Komplikationen können die Kosten deutlich steigen.

Zusammenfassung

Leishmaniose ist eine ernste, chronische Erkrankung, die durch Sandmücken übertragen wird und hauptsächlich Hunde in Mittelmeerländern betrifft. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Hautveränderungen über Gewichtsverlust bis zu Nierenschäden. Die Krankheit ist nicht heilbar, lässt sich aber mit konsequenter Therapie gut kontrollieren. Vorbeugung durch Impfungen und Sandmückenschutz ist der beste Schutz – besonders bei Reisen in Endemiegebiete. Wenn du einen Hund aus dem Auslandstierschutz adoptierst, lass ihn unbedingt auf Leishmaniose testen.