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Hund – Ernährung18.2.2026

Hund frisst Gras – Ursachen und ob es gefährlich ist

Warum frisst mein Hund Gras?

Fast jeder Hund frisst gelegentlich Gras – und fast jeder Hundebesitzer hat sich schon einmal gefragt, warum. Grasfressen ist eines der häufigsten Verhaltensweisen beim Hund und meistens völlig harmlos. Trotzdem gibt es Situationen, in denen du genauer hinschauen solltest. In diesem Ratgeber klären wir die häufigsten Ursachen und geben dir klare Orientierung.

Die häufigsten Gründe

1. Instinkt und natürliches Verhalten

Die einfachste Erklärung: Hunde fressen Gras, weil es in ihrer Natur liegt. Studien zeigen, dass auch Wölfe und wilde Caniden regelmäßig pflanzliches Material zu sich nehmen. Grasfressen ist ein normales, angeborenes Verhalten, das nicht unbedingt einen medizinischen Grund haben muss.

Forscher der University of California befragten über 1.500 Hundebesitzer und fanden heraus:

  • 68 % der Hunde fressen regelmäßig Pflanzen, davon am häufigsten Gras
  • Nur 22 % der Hunde erbrechen nach dem Grasfressen
  • Die meisten Hunde, die Gras fressen, zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen

2. Ballaststoffbedarf

Gras enthält Ballaststoffe, die die Verdauung unterstützen. Manche Hunde suchen instinktiv nach zusätzlichen Ballaststoffen, besonders wenn ihr Futter arm an Pflanzenfasern ist. Das Grasfressen kann also ein Hinweis darauf sein, dass das Futter deines Hundes mehr Ballaststoffe benötigt.

Was du tun kannst:

  • Prüfe den Rohfasergehalt des Futters
  • Ergänze die Ernährung mit ballaststoffreichem Gemüse: Karotten, Zucchini, Gurke oder gekochte Süßkartoffel
  • Hochwertiges Futter mit ausreichend pflanzlichen Bestandteilen wählen

3. Magenbeschwerden

Die weit verbreitete Annahme, dass Hunde Gras fressen, um sich zu übergeben und den Magen zu „reinigen", stimmt nur teilweise. Manche Hunde fressen bei Magenbeschwerden tatsächlich Gras – die langen Halme kitzeln die Magenschleimhaut und können einen Brechreiz auslösen.

Hinweise auf Magenbeschwerden:

  • Hund frisst hektisch und gezielt lange Grashalme
  • Erbrechen kurz nach dem Grasfressen
  • Vermehrtes Schlucken, Lippenablecken oder Speicheln
  • Laute Magengeräusche (Gluckern, Grummeln)

4. Langeweile

Hunde, die sich langweilen, entwickeln manchmal Verhaltensweisen, die ihnen Beschäftigung verschaffen – darunter auch ausgiebiges Grasfressen. Besonders wenn dein Hund während des Spaziergangs ständig Gras frisst, statt zu laufen und zu erkunden, könnte Unterbeschäftigung ein Thema sein.

Was hilft:

  • Mehr geistige und körperliche Auslastung
  • Suchspiele auf dem Spaziergang
  • Kauartikel und Beschäftigungsspielzeug zu Hause
  • Training und neue Tricks

5. Geschmack

Manche Hunde mögen schlicht den Geschmack von frischem Gras. Besonders junges, zartes Frühlingsgras scheint bei vielen Hunden beliebt zu sein. Wenn dein Hund gemütlich an Grashalmen knabbert, ohne danach zu erbrechen, genießt er wahrscheinlich einfach den Snack.

6. Nährstoffmangel

In seltenen Fällen kann exzessives Grasfressen auf einen Nährstoffmangel hindeuten. Besonders ein Mangel an Folsäure, bestimmten Mineralstoffen oder Spurenelementen kann dazu führen, dass Hunde vermehrt Pflanzen fressen.

Ist Grasfressen gefährlich?

In den meisten Fällen ist Grasfressen harmlos. Es gibt aber Situationen, in denen Vorsicht geboten ist:

Risiken

  • Pestizide und Herbizide: Gras am Straßenrand, in öffentlichen Parks oder auf Bauernfeldern kann mit Pflanzenschutzmitteln behandelt sein. Diese Chemikalien können zu Vergiftungserscheinungen führen.
  • Düngemittel: Frisch gedüngter Rasen (besonders mit Schneckenkorn!) ist gefährlich.
  • Hundekot: An stark frequentierten Hundeplätzen besteht die Gefahr, dass dein Hund über kontaminiertes Gras Parasiten wie Giardien oder Würmer aufnimmt.
  • Giftige Pflanzen: Nicht jede Pflanze am Wegesrand ist harmlos. Zwiebelgewächse, Herbstzeitlose oder Bärenklau können giftig sein.
  • Grannen: Im Sommer können sich die spitzen Grannen von Getreide und Wildgräsern in Rachen, Nase oder Ohren bohren.

Sicheres Grasfressen ermöglichen

  • Lass deinen Hund nur an Stellen Gras fressen, die nicht mit Pestiziden oder Dünger behandelt sind
  • Eigener Garten: Verzichte auf chemische Pflanzenschutzmittel
  • Meide frisch gedüngte Wiesen und Feldränder
  • Im Zweifel: Katzengras oder Weizengras zu Hause ziehen und anbieten

Wann zum Tierarzt?

Geh zum Tierarzt, wenn:

  • Dein Hund plötzlich und hektisch große Mengen Gras frisst (Magenbeschwerden!)
  • Nach dem Grasfressen regelmäßig Erbrechen folgt
  • Dein Hund Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen zeigt
  • Das Grasfressen deutlich zugenommen hat
  • Dein Hund an Gewicht verliert
  • Du eine Vergiftung vermutest
  • Dein Hund auch andere ungewöhnliche Dinge frisst (Erde, Steine, Holz – Pica-Syndrom)

Grasfressen und Erbrechen

Viele Hundebesitzer beobachten die Kombination: Hund frisst Gras → Hund erbricht. Das führt zur Frage: Frisst der Hund Gras, weil ihm schlecht ist, oder wird ihm schlecht, weil er Gras gefressen hat?

Wahrscheinlich beides:

  • Manche Hunde fressen Gras, weil sie Magenprobleme haben und instinktiv versuchen, den Brechreiz auszulösen
  • Bei anderen Hunden reizen die langen Grashalme die Magenschleimhaut und lösen dadurch erst das Erbrechen aus

Wenn dein Hund nur gelegentlich nach dem Grasfressen erbricht und danach fit ist, besteht kein Handlungsbedarf. Bei häufigem Erbrechen sollte der Tierarzt die Magengesundheit abklären.

Zusammenfassung

Grasfressen ist bei Hunden ein völlig normales Verhalten und in den meisten Fällen harmlos. Die häufigsten Gründe sind Instinkt, Geschmack und der Bedarf an Ballaststoffen. Achte darauf, dass das Gras nicht mit Chemikalien behandelt ist, und beobachte deinen Hund bei plötzlichem oder exzessivem Grasfressen. Im Zweifelsfall hilft ein Besuch beim Tierarzt, um Magenprobleme oder Nährstoffmängel auszuschließen.